Es reicht uns!“: Gen Z stellt in Brandbrief an Kanzler Merz klare Forderungen

Kurz vor den angekündigten Protesten am 31. Oktober hat die Gruppe „Gen Z regelt“ einen Brief an Friedrich Merz und die Bundesregierung veröffentlicht. Darin stellt sie eine Reihe von Forderungen auf.
Es reicht uns!“: Gen Z stellt in Brandbrief an Kanzler Merz klare Forderungen
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„Es reicht uns!“ Mit diesen Worten beginnt ein Brief der Gruppe „Gen Z regelt“ nach einem förmlichen Gruß an Bundeskanzler Friedrich Merz und die Bundesregierung. Nachdem bereits in zahlreichen anderen europäischen Ländern Proteste stattgefunden haben, sind diese nun für den 31. Oktober auch in Deutschland geplant. In dem Brief formuliert die Gruppe stellvertretend die Forderungen dieser Proteste.

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Dabei spreche man für „Schüler*innen, Azubis, Studierende und junge Berufstätige“, die die Zukunft des Landes seien. Konkret heißt es in dem Schreiben: „Wenn eine ganze Generation erlebt, dass sie nur gebraucht, aber nie gefördert wird, verliert sie das Vertrauen in die Demokratie.“

Die Forderungen von „Gen Z regelt“

In mehr als 30 Städten soll es am Samstag zu friedlichen Protesten kommen, die die Anliegen der Jüngeren, vor allem der sogenannten „Gen Z“, in den Fokus der Öffentlichkeit rücken sollen. Das sind dem öffentlichen Brief zufolge vor allem folgende Punkte:

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  • Mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie
  • Ein bezahlbares Leben
  • Mehr Generationengerechtigkeit bei der Lastenverteilung
  • Keine Wehrpflicht
  • Schutz der Grundrechte
  • Konsequenter Klimaschutz

Zu den prominenten Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichnern gehören unter anderem Heidi Reichinnek, Bela B, Ricarda Lang und Marc Raschke.

Wer ist die „Gen Z“ überhaupt

„Gen Z“ gilt als Oberbegriff für eine nicht im Detail definierte Alterskohorte, die je nach Definition ungefähr die Geburtenjahrgänge 1995 bis 2010 umfasst. Dabei gilt vor allem, dass es sich um junge Menschen handelt, die mit digitalen Medien (Smartphones, Social Media etc.) aufgewachsen sind. Es handelt sich also um die Bevölkerungsgruppe, die sich zum jetzigen Zeitpunkt primär in Ausbildung, Studium oder dem Beginn ihrer beruflichen Laufbahn befindet.

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Jannis Julien Grimm vom Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universität Berlin merkt dazu gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) an, dass diese Generation aktuell zudem durch eine gemeinsame Erfahrung von politischer Ohnmacht und zunehmender Zukunftsunsicherheit in verschiedenen europäischen Ländern geprägt werde.

„Gen Z regelt“ Brandbrief an Merz: Friedrich Merz im Oktober 2026
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Experten warnen vor wachsendem Generationenkonflikt

„Wir sehen seit Jahren eine zunehmende Verschärfung der sozialen Ungleichheit, steigende Lebenshaltungskosten, eine vielerorts chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems und eine Klimakrise, deren langfristige Folgen vor allem die jüngeren Generationen tragen werden“, erklärt der Experte. Dazu komme eine zunehmende Militarisierung vieler Staaten mit Fragen zu Themen wie Wehrpflicht und Aufrüstung.

Ein wichtiger Aspekt in dieser Debatte ist, dass viele europäische Gesellschaften mit zunehmender Überalterung kämpfen. Das führt zum einen zu einem Fokus vieler Debatten auf Themen wie Rente. Zum anderen gibt es ein faktisches Ungleichgewicht bei der Entscheidungsgewalt im politischen System der Demokratie. Dazu sagt Grimm: „Junge Menschen werden die langfristigen Konsequenzen heutiger Entscheidungen besonders stark zu spüren bekommen, verfügen aber gleichzeitig über vergleichsweise wenig politisches Gewicht.“

Angst vor einer Eskalation der Proteste

Vor allem in Frankreich sorgten massive Ausschreitungen bei den ursprünglich vor allem von Schülerinnen und Schülern initiierten Protesten für Schlagzeilen. So kam es unter anderem zu Brandstiftung und der Plünderung von Geschäften. Erste Ermittlungen haben bereits ergeben, dass dahinter vor allem militante linksextreme Gruppierungen steckten, die die ansonsten weitestgehend friedlichen Proteste unterwandert haben. Teilweise ist das auch bereits bei den Gelbwesten-Protesten 2019 zu beobachten gewesen.

Manche befürchten nun, dass es auch in Deutschland zu solchen Ausschreitungen kommen könnte. Die Behörden hierzulande können eine gewisse Gefahrenlage zwar nicht ausschließen, sind zum jetzigen Zeitpunkt allerdings recht zuversichtlich, dass die Lage friedlich bleiben wird. Aktuell lägen den Sicherheitsbehörden des Bundes keine weitergehenden Erkenntnisse zu geplanten gewalttätigen Ausschreitungen im Zusammenhang mit den Demonstrationen und Versammlungen vor, erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums der dpa.

Allerdings sei zu beobachten, dass Teile der linksextremistischen Szene und auch vereinzelt Gruppierungen aus dem auslandsbezogenen Extremismus die Demonstrationsaufrufe teilen und sich an der Mobilisierung von „Gen Z regelt“ beteiligen würden. Am Mittwoch erklärte Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel dazu, dass man entsprechende Aufrufe zwar sehe, diese bislang aber nicht verfingen. „Gen Z regelt“ selbst betont auf der Website der Gruppe: „Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme. Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen.“