Warum die Zeitumstellung immer noch nicht abgeschafft wurde

Das EU-Parlament hat bereits 2019 für eine Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt. Warum gibt es sie dann immer noch?
Warum die Zeitumstellung immer noch nicht abgeschafft wurde
iStock / BeritK

In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober werden hierzulande wieder alle Uhren auf Winterzeit umgestellt. Das bedeutet, dass man durch die Zeitumstellung quasi eine Stunde dazubekommt, weil die Uhren nachts um 3 Uhr um eine Stunde zurückgestellt werden. Allerdings wird es dafür abends auch wieder „früher“ dunkel. Bei der Sommerzeit „verliert“ man diese Stunde dann außerdem wieder.

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Seit Jahren wird um die Zeitumstellung an sich sowie ihre Vor- und Nachteile gestritten. Eigentlich wurde 2019 im EU-Parlament sogar für eine Abschaffung gestimmt. Ob es jemals dazu kommen wird, ist allerdings fraglich – in erster Linie, weil sich die EU in einem wichtigen Punkt nicht einigen kann.

Warum gibt es die Zeitumstellung überhaupt?

Die allererste Zeitumstellung fand bereits im Jahr 1916 statt. Um das Tageslicht optimal zu nutzen und in der Rüstungsindustrie zu sparen, führten das Deutsche Kaiserreich und Österreich-Ungarn diese Änderung ein. Nach dem Krieg wurde die Zeitumstellung dann wieder abgeschafft, um im Zweiten Weltkrieg teilweise reaktiviert zu werden.

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Die heute gültige Zeitumstellung wurde in Deutschland im Jahr 1978 gesetzlich beschlossen und 1980 eingeführt. Dabei entspricht die Winterzeit der „normalen Zeit“, wie sie vor der Änderung galt. Die Sommerzeit wurde damals wiederum ergänzt. Ab 1996 galt dann in der Europäischen Union diesbezüglich eine einheitliche Regelung.

Dabei ging es erneut ums Sparen, da man sich erhoffte, auf diese Weise Strom reduzieren zu können. Eine Stunde mehr Tageslicht versprach einen geringeren Stromverbrauch aus der Steckdose. Als Stein des Anstoßes gilt die Ölkrise 1973, die die Preise nach oben schnellen ließ.

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Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit immer wieder in der Kritik

Wie viel und ob überhaupt so tatsächlich Strom gespart wird, ist allerdings höchst umstritten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Büros für Technik-Abschätzung (TAB) veröffentlichten bereits im Jahr 2016 im Auftrag des Bundestages einen Bericht. In diesem ist von minimalen Einsparungen von 0,21 Prozent des nationalen Stromverbrauchs die Rede.

Zudem wird ein weiterer wichtiger Aspekt erwähnt: Viele kämpfen mit der Zeitumstellung gegen ihre innere Uhr an. Im Bericht ist von einer Anpassungsphase von vier Wochen oder sogar länger die Rede. Das hat diverse negative Auswirkungen, die teilweise auch gesundheitlicher Natur sind.

Europäische Union kann sich nicht einigen

Umfragen zeigen immer wieder, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung für eine Abschaffung der Zeitumstellung wäre. Besonders häufig wird sich dabei auf eine Umfrage aus dem Jahr 2018 bezogen, bei der sich mehr als 80 Prozent für die Abschaffung aussprachen. Allerdings muss man dabei einordnend hinzufügen, dass vor allem in Ländern, die besonders stark betroffen wären, kaum Menschen befragt wurden. Stattdessen kam ein Großteil der Stimmen aus Deutschland, wo die Auswirkungen verhältnismäßig gering ausfallen würden.

Dennoch müsste aufgrund der Abstimmung im EU-Parlament im Jahr 2019 doch inzwischen eigentlich eine Abschaffung der Sommer- und Winterzeit in Planung sein.Passiert ist seit dem Votum allerdings gar nichts. Stand jetzt scheitert die Abschaffung der Zeitumstellung in der EU an einer simplen Frage: Will man künftig auf die Sommer- oder auf die Winterzeit setzen?

Und eine Einigung diesbezüglich ist laut EU-Gesetz nötig, weshalb eine frühere Überlegung, dass die Staaten einfach selbst für sich entscheiden sollen, verworfen wurde. Abgesehen davon möchte man unbedingt innerhalb der Union einen Flickenteppich aus verschiedenen Zeitregelungen vermeiden. Entsprechend liegt das Thema im EU-Rat seit Jahren auf Eis, weil sich die Regierungen nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können.

Zeitumstellung: Zwei Uhren nebeneinander zeigen 2 Uhr und 3 Uhr an
iStock / i-am-helen

Deshalb ist die Entscheidung so schwierig

Tatsächlich gibt es, je nach Standort, sowohl gute Gründe für eine dauerhafte Sommer- als auch eine dauerhafte Winterzeit. Das liegt vor allem an den geografischen Unterschieden auf dem Kontinent, die dafür sorgen, dass die Sonne zu unterschiedlichen Zeiten aufgeht.

Staaten, die die dauerhafte Sommerzeit befürworten, liegen dementsprechend vor allem im Westen und Süden des Kontinents. Allerdings würde eine dauerhafte Sommerzeit vor allem im Winter bedeuten, dass es erst sehr spät hell wird und die Morgenstunden entsprechend immer dunkel wären.

Andere präferieren deshalb eher die Winterzeit, wobei Schlafmedizinerinnen und -mediziner auch darauf verweisen, dass das am ehesten zum natürlichen Biorhythmus passt – immerhin war die Winterzeit früher die einzige Zeit.

Wie geht es nun weiter?

Vom Tisch ist die Abschaffung damit aber auch nicht. So möchte unter anderem Spanien dem Thema neuen Auftrieb geben und eine Einigung voranbringen. Der spanische Premierminister Pedro Sánchez erklärte das 2025 mit der Tatsache, dass der biologische Rhythmus der Menschen zweimal im Jahr für nichts durcheinandergebracht werde.

Zudem haben einige Länder die Zeitumstellung auch bereits erfolgreich abgeschafft. Dazu gehören etwa Island und die Türkei, aber auch Russland und Belarus. Im Frühjahr 2026 hat zudem die kanadische Provinz British Columbia zum letzten Mal die Uhren umgestellt.