Verurteilte Mörderin überlebte zwei Giftspritzen: Jetzt äußern sich ihre Anwälte

Die verurteilte Mörderin Christa Pike sollte per Giftspritze hingerichtet werden, allerdings überlebte sie beide Injektionen. Wie geht es ihr aktuell und was soll mit der zum Tode verurteilten Verbrecherin geschehen?
Verurteilte Mörderin überlebte zwei Giftspritzen: Jetzt äußern sich ihre Anwälte
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Die inzwischen 50-jährige Christa Pike sollte am vergangenen Mittwoch (Ortszeit) hingerichtet werden. Der Fall sorgte bereits im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit, weil es die erste Hinrichtung einer Frau im US-Bundesstaat Tennessee seit dem Jahr 1819 gewesen wäre – allerdings kam es nicht dazu.

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Denn trotz zweier Injektionen mit Pentobarbital überlebte Christa Pike ihre eigene Hinrichtung. Nun haben sich ihre Anwälte erstmals zu ihrem offenbar kritischen Zustand geäußert, dennoch bleiben viele Fragen offen. Was viele interessieren dürfte: Wie konnte die verurteilte Mörderin zwei Giftspritzen überleben? Und was passiert jetzt mit ihr?

Warum wurde Christa Pike zum Tode verurteilt?

Der Mord, für den Christa Pike verurteilt wurde, ereignete sich bereits im Jahr 1995. Die damals 18 Jahre alte Pike ermordete die 19-jährige Colleen Slemmer, offenbar weil sie glaubte, diese wolle ihr den Freund, Tadaryl Shipp, ausspannen.

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Am 12. Januar 1995 lockten Pike und Shipp gemeinsam mit Pikes bester Freundin, Shadolla Peterson, das Opfer in ein stillgelegtes Dampfkraftwerk. Dort wurde Slemmer von Christa Pike zunächst gefoltert und dann getötet. Unter anderem wurde dem Opfer ein Pentagramm in die Haut geritzt. Danach soll Pike Teile des Schädels der Getöteten an sich genommen und in der Schule herumgezeigt haben, was schließlich zu ihrer Verhaftung führte.

Pike betritt anschließend eine Tötungsabsicht. Ihren Angaben zufolge habe sie Slemmer nur verängstigen wollen, die Sache sei aber außer Kontrolle geraten. Bis heute ist zudem unklar, ob sie oder ihr Freund Shipp dem Opfer das Pentagramm eingeritzt hat. Am 22. März 1996 wurde Pike von den Geschworenen ihres Prozesses in den Punkten Mord und Verabredung zum Mord für schuldig befunden; die Beratung dauerte nur wenige Stunden. Am 30. März erging zudem das Urteil für die Todesstrafe.

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Das geschah am Abend der geplanten Hinrichtung

Nach insgesamt 30 Jahren im Gefängnis sollte Christa Pike dann am Mittwochabend in Nashville hingerichtet werden. Schon die Stunden davor gab es einigen Tumult, da ein Berufungsgericht zunächst einen Vollstreckungsstopp verfügt hatte, der dann allerdings vom Obersten Gericht wieder ausgesetzt wurde.

Am Abend erhielt Pike zwei Giftspritzen, anschließend ging allerdings irgendetwas schief. „Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche“, heißt es in einem offiziellen Dokument. Die Verurteilte habe zudem im Laufe der Prozedur mehrere vollständige Sätze gesprochen und angestrengt geatmet, berichten einige Zeuginnen und Zeugen.

Ihre Anwälte geben nun an, dass Christa Pike noch bei Bewusstsein war, als sie schließlich ins Krankenhaus gebracht wurde. Ihr Zustand sei kritisch und sie bekomme „lebensrettende medizinische Versorgung“, erklärten die Anwälte.

Christa Pike wird nach gescheiterter Hinrichtung ins Krankenhaus gebracht
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Wie konnte Christa Pike die Injektionen überleben?

Was genau bei der Hinrichtung geschehen ist, das dazu geführt haben könnte, dass die Verurteilte noch am Leben ist, ist unklar. Allerdings äußerte Pikes Anwalt Randy Spivey am Donnerstag, das Personal habe ungefähr eine Stunde erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen.

„Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln, von denen eine verbogen zu sein schien, als sie nach einem erfolglosen Versuch aus ihrem Arm gezogen wurde“, wird Spivey zitiert. Während der Hinrichtung habe sich ihr rechter Arm zudem deutlich violett verfärbt. Inzwischen sollen sich zudem Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen gebildet haben.

Wie unter anderem die „New York Times“ mit Verweis auf Expertenkreise berichtet, könnte es bei der Verabreichung des Pentobarbitals zu einem Fehler gekommen sein, sodass das Gift in umliegendem Gewebe und nicht in Pikes Blutbahn gelangt ist. Das würde zur Wirkweise von Pentobarbital passen. Bei geringer Dosis werden Menschen von dem Mittel schläfrig und trüben ein. Hohe Dosierungen führen hingegen zum Blutdruckabfall, zu Atem- und Herzstillstand und schließlich zum Tod durch Sauerstoffunterversorgung der Organe.

Nicht jede Hinrichtung ist erfolgreich

Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee betonte im Anschluss, jeder Schritt der geltenden Richtlinie sei strikt eingehalten worden. Daran liegt es auch, dass Christa Pike nicht noch eine dritte Injektion gesetzt wurde. Denn die offiziellen Vorgaben sehen nach der zweiten Dosis keine weiteren Maßnahmen vor.

Dass Hinrichtungen scheitern, kommt tatsächlich immer wieder vor. Das Death Penalty Information Center in den USA bezieht sich dazu auf den Rechtswissenschaftler Austin Sarat, der missglückte Hinrichtungen zwischen 1890 und 2010 untersucht hat. Sarat zufolge gingen von 8776 Hinrichtungen in diesem Zeitfenster 276 schief. Das sind gut 3 Prozent.

Die Auswertung zeigt zudem, dass die „Fehlerquote“ bei Giftinjektionen mit 7,2 Prozent deutlich höher liegt als die beim Tod auf dem elektrischen Stuhl (1,92 Prozent). Das liegt vor allem daran, dass die Injektion immer wieder scheitert, weil beispielsweise kein richtiger Zugang gelegt werden kann. Dass jemand wie im Fall von Christa Pike zwei Injektionen tatsächlich überlebt, sei hingegen „einzigartig und beispiellos“, so das Death Penalty Information Center.

Was passiert jetzt mit der Verurteilten?

Unklar ist, wie es nun mit der verurteilten Mörderin weitergeht. Zunächst muss sich Pikes Zustand stabilisieren. Professor Joel Zivot von der Emory University School of Medicine erklärte gegenüber der BBC, dass er eine Hirnschädigung für wahrscheinlich hält. Die Konzentration des Pentobarbitals in ihrem Blut habe zwar möglicherweise nicht ausgereicht, um sie zu töten, es könnten aber sehr wahrscheinlich schwere Schäden entstanden sein. Das weitere Vorgehen hängt nun auch von Pikes Diagnose ab.

Der Gouverneur von Tennessee hat eine umfassende Untersuchung zu dem Fall angeordnet. Zudem wurden bis zum Ende des Jahres alle weiteren Hinrichtungen in dem US-Bundesstaat ausgesetzt. Die Hinrichtung von Christa Pike hat die Debatte um die Todesstrafe in den USA neu angefacht. Das Vorgehen steht grundsätzlich in der Kritik und ist auch nicht in allen Bundesstaaten erlaubt.