Welchen Schaden im Digitalen stattfindende Cyberangriffe auch in der Realität haben können, beweist eine aktuelle Serie. So sind in den vergangenen Wochen in zahlreichen europäischen Ländern Supermärkte zum Ziel geworden. Dabei griffen Kriminelle aus der Ferne auf die Kühlsysteme der Märkte zu und sabotierten diese. Die Folge: Lebensmittel im Wert von Millionen mussten vernichtet werden.
Nun gibt es eine ähnliche Meldung, auch wenn ein Zusammenhang offiziell nicht bestätigt wurde. Diese kommt von der französischen Blutbank beziehungsweise dem Blutspendendienst EFS (Établissement français du sang). Offenbar kam es an drei Standorten ebenfalls zu einem Cyberangriff.
Cyberangriff über Dienstleister auf französische Blutbank
Das geht auf eine Meldung des EFS zurück, die am 3. November veröffentlicht wurde. Darin ist von einem Vorfall am 2. November die Rede. Konkret heißt es: „Obwohl der französische Blutspendedienst (EFS) nicht direkt Ziel dieses Cyberangriffs war, wurden Anomalien festgestellt, die zu Änderungen der Betriebsparameter von Kühlräumen führten, die mit der Lösung des Dienstleisters ausgestattet waren. Insbesondere wurden die Temperatur- und Abtauschwellenwerte auf sehr hohe Werte angehoben.“
In den Aufbereitungs- und Verteilungsstellen werden zahlreiche Blutprodukte gekühlt gelagert, bevor sie an gesundheitliche Einrichtungen geliefert werden. Eine zu lange Unterbrechung der Kühlkette hätte zur Folge, dass die Produkte unbrauchbar werden.
Hacker wollten Kühlräume auf 110 Grad erhitzen
Das konnte in den genannten Fällen in Frankreich verhindert werden, da das EFS über eigene Überwachungs- und Alarmsysteme verfügt, die die Anomalien bei der Temperaturentwicklung erkannten. Notwendige Maßnahmen konnten eingeleitet und die Blutprodukte so erhalten werden, heißt es in der Mitteilung.
Dennoch sorgt der Hackerangriff für Aufregung. Wie unter anderem „Le Canard enchaîné“ beschreibt, sollten die Kühlräume, deren Temperatur eigentlich bei minus 30 Grad Celsius liegt, auf 110 Grad aufgeheizt werden. Dafür wurden die Systeme gehackt und ein entsprechender Sollwert hinterlegt.
Cyberangriffe sind eine Gefahr für kritische Infrastruktur
Inzwischen schlagen Expertinnen und Experten Alarm, dass die Häufigkeit von Cyberangriffen auf Teile der Infrastruktur zunimmt. Dabei ist gehäuft auch die sogenannte kritische Infrastruktur (KRITIS) betroffen. Dazu gehören dem Bundesinnenministerium zufolge vor allem:
- Energie- und Wasserversorgung
- Transport und Verkehr
- Informationstechnik und Telekommunikation
Wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mitteilt, reichen die Angriffe „von Phishing-Angriffen mithilfe vermeintlich vertrauenswürdiger E-Mails und Webseiten, über eine systematische und gezielte Ausnutzung von Sicherheitslücken in Softwareprodukten bis hin zu sogenannten Supply-Chain-Angriffen.“
Sicherheitsbehörden warnen zudem explizit vor einer massiven Zunahme von KI-gestützten und automatisierten Cyberangriffen auf kritische Versorgungsnetze in den kommenden Jahren. Die Hintergründe des aktuellen Falls in Frankreich sind diesbezüglich noch nicht geklärt.

