Vorsicht, giftig! Vor diesen heimischen Pilzen sollte man sich in Acht nehmen

Die Pilzsaison steht in den Startlöchern und mit ihr die Gefahr, neben leckeren und essbaren Pilzen auch solche zu erwischen, die man auf keinen Fall verzehren sollte. Einige Exemplare sind nur schwer zu erkennen.
Vorsicht, giftig! Vor diesen heimischen Pilzen sollte man sich in Acht nehmen
iStock / miriam-doerr

Die Hauptsaison für Pilze in Deutschland beginnt im Spätsommer, ungefähr ab August. September und Oktober gelten als absolute Hochsaison mit der größten Artenvielfalt, allerdings hängt das auch vom Wetter ab – Pilze mögen es feucht. Entsprechend ist erst in den kommenden Wochen damit zu rechnen, dass sich ein Abstecher ins Unterholz so richtig lohnt. Um einige heimische Pilze sollte man dabei allerdings einen Bogen machen und sie vor allem auf keinen Fall essen. Dazu gehören unter anderem:

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  • Grüner Knollenblätterpilz
  • Rosa Rettich-Helmling
  • Gift-Häubling
  • Kegelhütiger Knollenblätterpilz
  • Spitzkegeliger Kahlkopf
  • Pantherpilz
  • Fliegenpilz
  • Spitzgebuckelter Raukopf
  • Orangefuchsiger Raukopf

Einen Fliegenpilz erkennt man schnell mit seinem markanten roten Schirm und den weißen Flecken. Aber worauf muss man bei den benannten Sorten achten?

Grüner Knollenblätterpilz

Der sogenannte Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) stammt aus der Gattung der Wulstlinge und gilt als besonders gefährlich. Durch den Import von Mykorrhiza-Bäumen sind die Fungi inzwischen weltweit verbreitet, wobei sie gemäßigtes Klima bevorzugen. Der Pilz wächst vor allem in Laubwäldern, oft unter Eichen und Buchen, auf nährstoffreichen Böden und ist deshalb so gefährlich, weil der Verzehr tatsächlich tödlich enden kann.

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Wann kommt er vor? Juli bis November (Hauptsaison: August bis Oktober).

Auffällige Merkmale? Olivgrüner bis gelbgrüner Hut mit dunkleren, eingewachsenen Fasern; rein weiße Lamellen; häutige, ungeriefte Manschette (Ring) am Stiel; auffällige, große, sackartige Scheide (Volva) an der Stielbasis.

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Vergiftungssymptome? Latenzzeit von 6 bis 24 Stunden. Erste Phase: Schwere Magen-Darm-Beschwerden (Erbrechen, kolikartige Durchfälle). Zweite Phase (nach trügerischer Besserung): Zerstörung des Lebergewebes und Nierenversagen, das ohne schnelle Intensivbehandlung oder Transplantation tödlich verläuft.

Grüner Knollenblätterpilz
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Rosa Rettich-Helmling

Der Rosa Rettich-Helmling (Mycena rosea) macht seinem Namen alle Ehre und wird deshalb auch „Pink Lady“ genannt. Es handelt sich um das giftigste Exemplar unter den Rettich-Helmlingen, die ihren Gattungsnamen dem Geruch nach Rettich verdanken. Aufgrund des enthaltenen Muscarins kann der Verzehr zu zahlreichen Beschwerden führen. Der Fungus wächst vorwiegend auf Laubstreu und nährstoffreichen Böden in Buchen- und Laubmischwäldern.

Wann kommt er vor? Juli bis November (vor allem im Frühherbst).

Auffällige Merkmale? Zartrosa bis fleischfarbener, glatter Hut; deutlicher, stechender Geruch und Geschmack nach Rettich; zarter, hohler Stiel; wächst meist gesellig auf Laubstreu.

Vergiftungssymptome? Giftig durch das Nervengift Muscarin (Muscarin-Syndrom). Kurze Latenzzeit von 15 Minuten bis 2 Stunden. Symptome: Exzessiver Schweißausbruch, starker Speichel- und Tränenfluss, Pupillenverengung, Sehstörungen, Bauchkrämpfe sowie Blutdruckabfall und Herzverlangsamung.

Rosa Rettich-Helmling
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Gift-Häubling

Der Gift-Häubling (Galerina marginata) trägt seine Wirkung damit quasi bereits im Namen. Am wohlsten fühlt er sich auf morschem Nadel- und Laubholz in Wäldern, Parks und auf Totholzstümpfen. Die Fungi sehen recht klein und harmlos aus, allerdings sollte man sie und ihre Wirkung keinesfalls unterschätzen. Sie enthalten nämlich dasselbe tödliche Amatoxin wie Knollenblätterpilze. Darüber hinaus besteht eine Verwechslungsgefahr mit dem beliebten Speisepilz Stockschwämmchen.

Wann kommt er vor? Mai bis November (Hauptvorkommen im Herbst).

Auffällige Merkmale? Honiggelber bis zimtbrauner Hut (feucht stark hygrophan und am Rand durchscheinend gerieft); bräunliche Lamellen; dünner, silbrig-überfaserter Stiel mit feinem, vergänglichem Ring; wächst büschelig direkt auf Totholz.

Vergiftungssymptome? Tödlich giftig durch Amatoxine (gleiches Gift wie beim Knollenblätterpilz / Amatoxin-Syndrom). Latenzzeit von 6 bis 24 Stunden. Löst heftigen Brechdurchfall aus, gefolgt von kurzzeitiger Scheinbesserung und anschließendem Leber- und Nierenversagen.

Gift-Häubling
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Kegelhütiger Knollenblätterpilz

Der wissenschaftliche Name dieses Fungus lautet „Amanita virosa“; teilweise ist statt kegelhütig auch von spitzhütig die Rede. Häufig machen sich Schnecken und Maden darüber her, denen der Pilz nicht schadet. Beim Menschen sieht das hingegen anders aus. Man findet ihn vor allem in feuchten, sauren und kalkarmen Nadel- und Nadelmischwäldern.

Wann kommt er vor? Juli bis Oktober.

Auffällige Merkmale? Der gesamte Pilz ist rein weiß; Hut spitz-kegelig bis glockig; bei Feuchtigkeit klebrig-schmierige Hutoberfläche; Stiel fasrig-flockig mit hängendem Ring; Stielbasis steckt in einer ausgeprägten sackartigen Hülle (Volva).

Vergiftungssymptome? Potenziell tödlich (Amatoxine / Phalloides-Syndrom). Die Vergiftung verläuft identisch mit der des Grünen Knollenblätterpilzes: 6 bis 24 Stunden symptomlos, gefolgt von Magen-Darm-Krämpfen und progressivem Leber- und Nierenversagen.

Kegelhütiger Knollenblätterpilz
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Spitzkegeliger Kahlkopf

Der sogenannte „Psilocybe semilanceata“ ist der am häufigsten vorkommende psilocybinhaltige Blätterpilz in gemäßigten Klimazonen. Viele dürften im Wald schon einmal an einigen Exemplaren vorbeigekommen sein, zumal diese ausgesprochen fotogen sind. Aber Vorsicht: Der Besitz, das Sammeln und das Inverkehrbringen des im Pilz enthaltenen Psilocybins fallen in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG).

Wann kommt er vor? September bis November (Spätherbst nach kühlen Regenfällen).

Auffällige Merkmale? Spitz-kegeliger Hut mit einer markanten, zitzenförmigen Spitze (Spitzbuckel); feucht klebrig-gallerthäutige, abziehbare Hutoberfläche; sehr dünner, biegsamer und zäher Stiel; Blaufärbung an der Stielbasis bei Beschädigung.

Vergiftungssymptome? Stark psychotrop/halluzinogen durch Psilocybin und Psilocin. Latenzzeit 20 bis 60 Minuten. Symptome: Stark veränderte Wahrnehmung, optische Halluzinationen, Euphorie, Orientierungsverlust, Panikattacken, Pupillenerweiterung, Blutdruckanstieg und Übelkeit.

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Pantherpilz

Der „Amanita pantherina“ verdankt seinen Namen der Optik seines Hutes, der mit den braunen bis graubraunen Farbtönen und den weißen Flocken ein wenig an das Fell eines Panthers erinnert. Teilweise ist auch vom Panther-Wulstling die Rede. Die Exemplare dieser Art ähneln denen der verwandten „Amanita rubescens“, doch im Gegensatz dazu sollte man die Pantherpilze nicht essen.

Wann kommt er vor? Juni bis November (Hauptzeit: August bis Oktober).

Auffällige Merkmale? Ockerbrauner bis graubrauner Hut mit rein weißen, regellos verteilten Tupfen; geriefter Hutrand; tief sitzender, ungeriefter Ring am Stiel; knollige Stielbasis mit einer scharfen, wulstigen Kante.

Vergiftungssymptome? Schwer giftig (Pantherina-Syndrom durch Ibotensäure und Muscimol). Kurze Latenzzeit (30 Minuten bis 3 Stunden). Verursacht zentralnervöse Störungen: Rauschzustand, Verwirrtheit, Halluzinationen, Tobanfälle, Muskelzuckungen, Krämpfe und einen anschließenden tiefen, komatösen Schlaf.

Pantherpilz
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Fliegenpilz

Der wahrscheinlich bekannteste Pilz auf dieser Liste ist der „Amanita muscaria“. Aufgrund der weißen und roten Farbgebung ist schnell zu erkennen, dass man diesen Fungus besser nicht essen sollte, auch wenn es Säugetiere wie beispielsweise Eichhörnchen oder Rehe gibt, die ihn durchaus gut vertragen. Die charakteristischen weißen Punkte stammen im Übrigen von einer Schutzhülle, die den Hut in der Erde umschließt. Stößt er dann durch den Boden, wird die Hülle zerrissen, sodass nur noch Reste übrigbleiben.

Wann kommt er vor? Juli bis November (Höhepunkt: September und Oktober).

Auffällige Merkmale? Leuchtend roter bis orangefarbener Hut mit weißen, warzigen Flocken; weiße Lamellen; breiter, hängender Stielring; knollige Stielbasis mit mehreren Gürteln aus warzigen Hüllresten.

Vergiftungssymptome? Giftig (Pantherina- bzw. Fliegenpilz-Syndrom durch Ibotensäure und Muscimol). Latenzzeit 30 Minuten bis 2 Stunden. Verursacht rauschhafte Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit, optische Halluzinationen, Bewegungsstörungen, Muskelzucken und anschließenden tiefen Erschöpfungsschlaf.

Fliegenpilz
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Spitzgebuckelter Raukopf

Der „Cortinarius rubellus“ mag feuchte, saure Nadelwälder mit moosigen Böden. Er gehört zur Familie der Schleierlingsverwandten und zählt zu den giftigsten Pilzen ganz Europas. Auch in Deutschland kommt er vor, wobei er Fichten- und Kiefernwälder bevorzugt. Es besteht eine gewisse Verwechslungsgefahr mit Pfifferlingen.

Wann kommt er vor? August bis November.

Auffällige Merkmale? Fuchsrotbrauner bis zimtorangefarbener Hut mit spitzer, kegelförmiger Mitte (Spitzbuckel); zimtorangefarbene Lamellen; gelblich braun gebänderter/genatterter Stiel.

Vergiftungssymptome? Tödlich giftig (Orellanus-Syndrom durch das Nierengift Orellanin). Extrem lange Latenzzeit von 2 bis 14 Tagen! Erstes Stadium: Grippeähnliche Beschwerden, extremer Durst, Mundtrockenheit und Kopfschmerzen. Zweites Stadium: Irreversibles Nierenversagen.

Spitzgebuckelter Raukopf
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Orangefuchsiger Raukopf

Der „Cortinarius orellanus“ genannte Orangefuchsige Raukopf soll angeblich recht mild und leicht nach Rettich schmecken. Das sollte man allerdings keinesfalls selbst probieren, da auch dieser Fungus potenziell tödlich sein kann. Schon kleine Mengen können erheblichen Organschaden anrichten.

Wann kommt er vor? August bis Oktober.

Auffällige Merkmale? Orangefuchsiger bis rostartig brauner, samtiger bis feinschuppiger Hut (flach gewölbt oder stumpf gebuckelt, nicht spitz); weit entfernt stehende rostorange Lamellen; schwacher Geruch nach Rettich oder Mehl.

Vergiftungssymptome? Tödlich giftig (Orellanus-Syndrom durch Orellanin). Wie beim Spitzgebuckelten Raukopf tritt die Giftwirkung erst nach 3 bis 14 Tagen ein. Löst intensives Durstgefühl, Erbrechen und anschließendes Nierenversagen aus (erfordert Dialyse oder Organtransplantation).

Orangefuchsiger Raukopf
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Worauf man grundsätzlich beim Pilze sammeln achten sollte

Wer die Jahreszeit nutzen und Pilze sammeln möchte, sollte dabei gezielt und mit Bedacht vorgehen, da man in der heimischen Natur auch zahlreiche giftige Fungi finden kann. Es braucht zum einen ein gewisses Fachwissen und zum anderen am besten auch passende Ausrüstung, die neben einem scharfen Messer auch aus einem Beutel oder Korb bestehen sollte, mit dem man das Gefundene unbeschadet transportieren kann.

Dabei gilt grundsätzlich aufgrund der potenziellen Gefahr, dass man nur sammeln und vor allem essen sollte, was man mit 100-prozentiger Genauigkeit identifizieren kann. Schon beim geringsten Zweifel sollte man das Exemplar stehen lassen. Essspuren von Tieren sind dabei kein Hinweis auf Essbarkeit. Man sollte einen Pilz zur Identifizierung zudem immer ganzheitlich bis zur Stielbasis betrachten.

Darüber hinaus sollte man sich mit den bestehenden Gesetzen vertraut machen. So gilt bei Pilzen die sogenannte Handstraußregelung. Das bedeutet, dass man Fungi zwar einfach so und kostenlos in der Natur sammeln darf, allerdings nur für den Eigenbedarf und entsprechend in angemessener Menge. Bestimmte Arten wie Steinpilze, Pfifferlinge oder Morcheln stehen zudem unter besonderem Schutz und dürfen nur in kleinen Mengen geerntet werden. In einigen Sperrgebieten ist das Sammeln komplett untersagt.

Was tun beim Verdacht einer Vergiftung?

Wer nach dem Verzehr von Pilzen Vergiftungssymptome an sich entdeckt oder sich auch nur leicht unwohl fühlt, sollte das keinesfalls unterschätzen. Stattdessen sollte man umgehend eine Ärztin oder einen Arzt oder auch ein Giftinformationszentrum kontaktieren. Auch bei vermeintlich harmlosen Beschwerden wie Erbrechen gilt besondere Vorsicht.

Expertinnen und Experten raten zudem dringend davon ab, die Vergiftung selbst behandeln zu wollen. Im Netz kursieren dazu immer wieder zahlreiche Mythen, dass beispielsweise Milch bei einer Vergiftung helfen kann – tatsächlich verschlimmert sie diese potenziell noch. Um im Ernstfall den entscheidenden Pilz identifizieren zu können, sollte man am besten vor der Zubereitung Fotos machen und gegebenenfalls die Schnittreste aufbewahren. Gleiches gilt für eventuell Erbrochenes.