Laut Statistischem Bundesamt sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich sterben hierzulande an den Folgen mehr als 348.000 Personen. Hinter dem umspannenden Begriff stecken unter anderem auch Herzinfarkte und Schlaganfälle. Das Tragische: Wer gesund lebt und auf bestimmte Dinge achtet, minimiert das Risiko dafür deutlich. Viele Fälle wären also eigentlich vermeidbar.
Eine umfangreiche internationale Studie, über die unter anderem die Deutsche Herzstiftung berichtet, fasst die größten Risikofaktoren als sogenannte „Big Five“ zusammen. Dafür wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Christina Magnussen vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg Studienergebnisse aus insgesamt 133 Studien in 39 Ländern hinzugezogen.
Das Ergebnis: Alle fünf Faktoren der „Big Five“ schädigen über Jahre, teilweise über Jahrzehnte hinweg das Herz und die Gefäße. Eine frühe Vorsorge ist also enorm wichtig und kann das Leben effektiv um Jahre verlängern – vor allem um „gesündere“ Jahre.
„Big Five“-Risikofaktoren potenzieren sich gegenseitig
Die „Big Five“ setzen sich aus Risikofaktoren zusammen, von denen die meisten Personen für sich genommen schon einmal gehört haben. Dahinter stehen:
- Bluthochdruck,
- hohes Cholesterin,
- Diabetes,
- Übergewicht beziehungsweise Adipositas,
- Rauchen.
Bereits eines davon ist eine große gesundheitliche Belastung. Oft hängen die Faktoren allerdings auch zusammen, was Körper und Kreislauf immer mehr belastet, während sich die Risiken gegenseitig verstärken. Besonders gefährlich sind dabei Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes. Die Krankheiten verlaufen jeweils recht unauffällig, bis es zu spät ist.

So beugt man Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor
Ein gesunder Lebensstil und regelmäßige Untersuchungen sind deshalb wichtig. So sollten etwa Blutdruck, Cholesterin und auch der Blutzucker spätestens ab 35 Jahren regelmäßig kontrolliert werden. Ab dann übernehmen auch die gesetzlichen Krankenkassen alle drei Jahre eine Untersuchung.
Zu einem gesunden Lebensstil gehören wiederum sowohl die Ernährung als auch ausreichend Bewegung. So beschreibt unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass bereits 150 Minuten Bewegung oder 75 Minuten Sport pro Woche einen wichtigen Unterschied bei der Grundfitness machen können. Und das Universitätsklinikum Würzburg erklärt, dass schon zehn Minuten zügiges Spazierengehen am Tag ausreicht, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes um 20 Prozent zu reduzieren.
Bei der Ernährung empfiehlt das Klinikum darüber hinaus einige Richtlinien, die helfen, die „Big Five“ zu vermeiden:
- Mindestens drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag essen
- Bei Brot, Nudeln, Reis und Mehl auf Vollkornprodukte setzen
- Möglichst schonend und fettfrei braten bzw. dünsten und dabei besser auf pflanzliches Öl setzen
- Olivenöl (wird auch als „grünes Gold“ bezeichnet)
- Möglichst ein bis zweimal die Woche Fisch essen. Dabei sind „fetthaltige Fische wie Hering, Lachs, Makrele, Aal, Kabeljau, Sardine, Thunfisch, Dorsch und Schellfisch sowie Meerestiere“ besonders gut fürs Herz.
- Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen oder Linsen sind gesund und eiweißreich, weshalb sie auch gut als Fleischersatz fungieren können.
- Eine Handvoll Nüsse am Tag liefert wichtige Vitamine, Mineralstoffe, gesunde Fette, Proteine und Ballaststoffe.
- Den Zuckerkonsum im Blick behalten (die WHO empfiehlt maximal 25 Gramm pro Tag).
- Ausreichend trinken und dabei möglichst auf Wasser oder andere ungesüßte Getränke setzen.
- Bedacht würzen und dabei unter anderem auf das Salz achten. Zu viel Salz kann den Blutdruck erhöhen und sich negativ auf die Gefäße auswirken, weshalb man maximal 6 Gramm pro Tag essen sollte.
Jede Maßnahme gegen die „Big Five“ ist wichtig
Dabei zeigen Studien im Übrigen, dass es für einen gesunden Lebenswandel niemals zu spät ist. Auch wer im mittleren Alter erst mit entsprechenden Maßnahmen beginnt, kann seine Lebensdauer bereits deutlich verlängern. So zeigt etwa eine Untersuchung aus dem Jahr 2023, die im „New England Journal of Medicine“ erschienen ist, einen klaren Unterschied.
Wer mit 50 Jahren noch kein Krankheitsbild der „Big Five“ aufweist, lebt durchschnittlich deutlich länger. Bei Männern sind es im Schnitt 11,8 Jahre, bei Frauen sogar 14,5 Jahre. Dieser Unterschied bezieht sich jeweils auf den Extremfall, in dem eine Person alle fünf Risiken aufweist.

