Ein Forschungsteam des Weizmann Institute of Science hat untersucht, ob man schon aus einer kurzen Sprachaufnahme Rückschlüsse auf Alterungsprozesse im Körper ziehen kann, also allein basierend auf der Stimme. Dafür analysierte ein KI-Modell Stimmen von circa 7.000 erwachsenen Personen, wobei die Aufnahme nur etwa 30 Sekunden lang war.
Und tatsächlich: Die Künstliche Intelligenz konnte in den Stimmen genügend Marker finden, um das Alter der Personen recht präzise zu schätzen. Dabei ging es nicht nur um das tatsächliche Alter, sondern um das biologische Alter des Körpers. Die Stimme verrät hier also unterschwellig viele Details über das „wahre“ Alter eines Menschen.
Was ist das biologische Alter?
Menschen, die auf dem Papier gleich alt sind, können körperlich dennoch ein sehr unterschiedliches Alter haben; man spricht auch vom biologischen Alter. Und während man Ersteres nicht beeinflussen kann, ist das bei Letzterem durchaus der Fall. Dabei spielen Gene eine Rolle, aber auch Ernährung, Sport, Stress, Schlaf und vieles mehr. Forscherinnen und Forscher suchen diesbezüglich schon lange nach entsprechenden Biomarkern, die die Unterschiede zwischen diesen Altersformen messbar machen.
Teilweise gibt es diese bereits, allerdings basieren die Methoden in der Regel auf der Analyse von Blut- und Gewebeproben. Diesbezüglich lieferte die Studie des Weizmann Institute of Science, die im Fachmagazin „Npj Aging“ veröffentlicht wurde, neue Erkenntnisse.
Dabei wurde vorab die Vermutung aufgestellt, dass verschiedene Faktoren, die die Stimme beeinflussen, auch mit dem Alter zusammenhängen. Dazu gehören:
- Kehlkopf
- Atemsystem
- Muskulatur

Wie die Stimme das wahre Alter verrät
Die genannten Faktoren beeinflussen die Stimme. Verändern sie sich wiederum altersbedingt, dann hört man das der entsprechenden Person auch an. Um das wissenschaftlich genauer zu untersuchen, wurden die Sprachaufnahmen von 6979 hebräischsprachigen Personen, sowohl Frauen als auch Männern, zwischen 40 und 70 Jahren ausgewertet. In den Sprachaufnahmen zählten die Personen in einer standardisierten Testumgebung von eins bis 30.
Das Ergebnis: Bei Frauen lag die KI mit ihrer Schätzung zum „Voice Age“ im Schnitt etwa vier Jahre neben dem tatsächlichen Alter. Bei Männern waren es durchschnittlich rund 4,4 Jahre. Die Ergebnisse waren also nicht exakt, aber teilweise sehr nah dran und vor allem deutlich präziser als bisherige Stimmanalysen.
Im nächsten Schritt ging es dann um die sogenannte „Voice Age Acceleration“, also die Beschleunigung der Stimmalterung. Ist diese ausgeprägt, kann eine Person beim Sprechen älter klingen, als sie tatsächlich ist. Das Team fand dabei mehrere auffällige Zusammenhänge.
Voice Age Acceleration: Wenn die Stimme schneller altert
Eine für das jeweilige Alter ältere Stimme ging bei Frauen und Männern unter anderem mit einem größeren Taillenumfang, einem höheren BMI (Body-Mass-Index) sowie mehr Körperfett – speziell mehr Fettgewebe im Bauchraum – einher. Auch Details wie die Atmung beim Schlafen wurden untersucht und zeigten teilweise Auswirkungen, wenn beispielsweise Atemaussetzer oder eine schlechte Sauerstoffversorgung im Schlaf vorlagen.
Speziell bei Frauen wurde zudem ein Zusammenhang zwischen einer älter klingenden Stimme und hohem Blutdruck sowie geringer Muskelkraft beim Greifen festgestellt. Bei Männern mit älter klingender Stimme waren hingegen bestimmte Leberwerte auffällig.
Lebensstil und biologisches Alter hängen eng zusammen
Man kann also festhalten, dass diverse Faktoren, die allgemein mit einem ungesunden und lebensverkürzenden Lebensstil einhergehen, auch die Stimme altern lassen. Das ist insofern interessant, als dass dabei ein deutlicher Zusammenhang zum biologischen Alter besteht, über das die Stimme entsprechend gut Auskunft geben kann – besser als über das tatsächliche Alter.
Einordnend muss man allerdings hinzufügen, dass die Studie nur einen begrenzten Zeitraum untersuchte und dementsprechend keine längere Entwicklung abbildet. Darüber hinaus wurden ausschließlich hebräischsprachige Menschen aus Israel und damit eine sehr klar beschränkte Testgruppe untersucht. Zudem handelt es sich nicht um eine Ursache-Wirkung-Studie. Die Ergebnisse zeigen lediglich potenzielle Zusammenhänge auf.

