Plätze, Straßen, Gehwege, Höfe – viele Bereiche sind in Deutschland gepflastert. Zwar dominieren Asphalt und Beton an vielen Stellen, Pflastersteine erfreuen sich aber auch einiger Beliebtheit, da sie oft als optisch schöner wahrgenommen werden. Sie haben aber einen vermeintlichen Nachteil: Zwischen den Steinen, in den Pflasterfugen, kann jede Menge Grünzeug wachsen.
Jeder, der einen gepflasterten Hof oder eine entsprechende Einfahrt hat, kennt das Problem, wenn dort immer wieder Unkraut wächst. Aber was ist, wenn das eigentlich gar kein Problem ist, sondern etwas Gutes?
Verein möchte seine Stadt im Kleinen begrünen
Genau das dachte sich auch Bernhard Jung, Vorsitzender des VereinsFreiraum aus Balingen (Baden-Württemberg). Sein Gedanke: Mehr Grün auf den Straßen und Wegen sieht nicht nur schön aus, sondern kühlt auch die überhitzten deutschen Städte ab. Und die Wissenschaft gibt ihm diesbezüglich recht. Der Hitzesommer 2026 brachte dem Thema wieder einiges an Aufmerksamkeit, als beispielsweise der Asphaltboden stellenweise so heiß wurde, dass Autobahnen nicht mehr befahrbar waren oder geschmolzene Dichtmasse die Straßenbahnschienen verstopfte.
In diesem Kontext ist der grundsätzliche Sinn von Pflasterfugen bereits erkannt worden. Denn Städte haben vor allem ein so großes Problem, weil der Boden großflächig versiegelt wurde und das mit vielen dunklen Materialien wie Asphalt, die Hitze gut aufnehmen und wiedergeben können. Auch Pflastersteine können Flächen natürlich versiegeln, allerdings bieten diese den Vorteil, dass man sie durchlässiger gestalten kann. Teilweise wird das auch bereits umgesetzt und bereits bestehende Steine werden so gesetzt, dass zwischen ihnen mehr Platz bleibt.

Begrünte Pflasterfugen sind nicht nur gut für die Umwelt
In Balingen wird das Ganze nun engagiert angegangen, wie die „Schwäbische“ berichtet. Zum einen hat der Verein dazu aufgerufen, wucherndes Grün zwischen Pflastersteinen nicht zu entfernen. Zum anderen bepflanzt die Initiative nach einem positiven Bescheid vom Tiefbauamt die Ritzen aktiv. So sollen schrittweise die Verkehrsinseln einer bestimmten Gegend mit trockenresistenten Pflanzen begrünt werden.
Das soll zum einen den Hitzeschutz erhöhen, zum anderen aber auch die Optik verschönern. Denn grüne Pflanzen setzen tatsächlich schon beim Anblick positive Botenstoffe frei und reduzieren gleichzeitig Stresshormone. Das menschliche Gehirn reagiert evolutionär bedingt sehr sensibel auf die Natur; man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Biophilie-Effekt. Sobald man visuell Grünpflanzen wahrnimmt, schaltet das Nervensystem entsprechend um.

