Galt als unlösbar: KI entschlüsselt mehr als 100 Jahre alten Weltkriegs-Funkspruch

Im Jahr 1918 wurde im Ersten Weltkrieg ein Funkspruch abgesetzt, der nie entschlüsselt werden konnte – bis jetzt. Einer KI soll das nun gelungen sein, und zwar dank eines überraschend einfachen Lösungswegs.
Galt als unlösbar: KI entschlüsselt mehr als 100 Jahre alten Weltkriegs-Funkspruch
Shutterstock / WINDCOLORS

Die Kommunikation via Funk war in den beiden großen Weltkriegen enorm wichtig für die Kriegsparteien und ist im Übrigen auch heute noch militärischer Standard. Der Nachteil: Theoretisch kann ein Funkspruch einfach von den Feinden abgefangen werden. Damit dabei keine geheimen Informationen verraten werden, werden Chiffrierungen zur Verschlüsselung angewandt.

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Die Wettläufe, die daraufhin in den Weltkriegen ausgebrochen sind, um Nachrichten des Feindes zu entschlüsseln, sind bis heute legendär. Als bahnbrechend gilt beispielsweise die Enigma-Maschine, die vor allem im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam, um Nachrichten der deutschen zu verschlüsseln. Dass es einem Team um Alan Turing gelang, die Maschine zu knacken, verschaffte den Alliierten einen entscheidenden Vorteil. Allerdings gibt es bis heute zahlreiche Funksprüche, die nicht dechiffriert werden konnten. Künstliche Intelligenz könnte das ändern, wie ein aktueller Fall beweist.

Nachricht war mit bekanntem ADFGVX-Verfahren verschlüsselt

Wie nun bekannt wurde, soll nämlich dank KI ein alter Funkspruch aus dem Jahr 1918 geknackt worden sein. Die Nachricht, um die es geht, wurde während der letzten Wochen des Ersten Weltkriegs von den Deutschen abgesetzt. Ein Autor, der unter dem Namen „prinz“ auftritt, gibt nun online an, dank GPT-6 Astra von OpenAI das Rätsel um den Funkspruch gelöst zu haben.

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Die Botschaft wurde damals im Jahr 1918 mit dem sogenannten ADFGVX-Verfahren verschlüsselt. Dabei handelt es sich um eine zweistufige Feldchiffre des deutschen Militärs aus der damaligen Zeit. Hierfür wird ein 6×6-Gitter verwendet, dessen Zeilen und Spalten mit den Buchstaben A, D, F, G, V und X beschriftet sind. So ergeben sich 36 Felder, die jeweils für einen Buchstaben oder eine Ziffer stehen.

Jeder Buchstabe und jede Ziffer des zu sendenden Textes wird dann durch ein Koordinatenpaar dieser Tabelle (Zeile + Spalte) ersetzt. Um das Quadrat korrekt auslesen zu können, benötigt man allerdings ein geheimes Kennwort. Ein zweites Schlüsselwort, das sich auf den Zwischentext bezieht, erhöht die Sicherheit erheblich, da verräterische zusammenhängende Zeichenpaare des Originals auf diese Weise auseinandergepflückt werden. Der Vorgänger der Methode, das ADFGX-Verfahren, nutzte „nur“ ein Quadrat mit 5x5 Buchstaben, in dem keine Ziffern vorkamen.

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Verschlüsselter Codes eines Funkspruchs aus dem Jahr 1918
prinzai.com

KI fand die Lösung mit einem bereits bekannten Schlüsselwort

Seit dem Ende der Weltkriege wurden bereits zahlreiche Funksprüche, die auf diese Weise chiffriert waren, geknackt. Bis heute existiert allerdings eine Liste mit bisher nicht geknackten Codes, die über Kriegsfunksprüche hinausgeht. Besagte Nachricht aus dem Jahr 1918 stand auf dieser Liste, die insgesamt 50 Einträge enthält und vom Wissenschaftsblogportal Scienceblogs.de geführt wird.

Dem Nutzer „prinz“ zufolge nutzt die KI zur Dechiffrierung das Wort „Truppenverschiebung“. Die Buchstaben des Schlüsselworts müssen dann alphabetisch sortiert werden, was wiederum die Reihenfolge der Spalten festlegt. Anschließend wird der Geheimtext basierend auf der Länge des Schlüsselwortes – 19 Zeichen – in Zeilen eingeteilt.

In diesem Fall ergibt das 8 volle Zeilen und eine Zeile mit 18 Zeichen, da der Text 170 Zeichen lang ist, was wiederum in 18 Spalten mit 9 Symbolen und einer weiteren Spalte mit 8 Symbolen resultiert. Um herauszufinden, wo der Text jeder Spalte beginnt, muss man jeweils die Symbole in der vorangegangenen Spalte zählen.

Wie lautete der Inhalt des verschlüsselten Funkspruchs?

Was kompliziert klingt, hat die KI genau berechnet und entschlüsselt. Herausgekommen ist folgender Text: „EIN ENGLISCHER KREUZER EINLIEG X SEWASTOPOL X S4STEN X EIN GESCHWADER DER X ALLIIERTEN FOLGT 26STEN X.“ Die KI hat die in der Nachricht enthaltenen Informationen mit historischen Daten abgeglichen und konnte diese dadurch belegen.

So zeigte das Logbuch der HMS Canterbury, dass ein Kreuzer am 24. November 1918 in Sewastopol eingetroffen war. Auch die Ankunft eines alliierten Geschwaders am 26. November wird erwähnt. Unklar ist allerdings, warum in dem verschlüsselten Funkspruch, der vom 27. November 1918 stammt, ein Schlüsselwort zum Einsatz kam, das bisherigen Annahmen zufolge eigentlich erst ab dem 9. Dezember in Gebrauch war. Offenbar entspricht das allerdings nicht den Tatsachen.

Der Funkspruch hätte also vermutlich schon viel früher von Menschen entschlüsselt werden können, wenn man einfach das bereits bekannte Schlüsselwort in dem ebenfalls bekannten Verfahren angewandt hätte. In diesem Zusammenhang muss aber unbedingt erwähnt werden, dass es sich bisher um eine Behauptung von Nutzer „prinz“ handelt, die noch nicht wissenschaftlich geprüft wurde.