Ist Sam Altman ein Soziopath? Interne Dokumente belasten CEO von OpenAI

Machtspiele, gefälschte Protokolle und ein geheimer „Countries Plan“: Eine neue Reportage wirft ein fragwürdiges Licht auf OpenAI-Chef Sam Altman. Frühere Weggefährten bezeichnen ihn sogar als Soziopathen.
Ist Sam Altman ein Soziopath? Interne Dokumente belasten CEO von OpenAI
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Sam Altman gilt als Visionär der KI-Branche. Immerhin war es seine Firma, OpenAI, die mit dem Chatbot ChatGPT für einen echten Boom gesorgt und den Zugang zu Künstlicher Intelligenz deutlich niedrigschwelliger gestaltet hat. Allerdings gibt es auch immer wieder Kritik an dem 40-jährigen Tech-Boss. Diese bezieht sich vor allem auf zwei große Felder: die rasante KI-Entwicklung und seinen persönlichen Führungsstil.

Die Skepsis mit Blick auf das KI-Wachstum hat Sam Altman nicht exklusiv. So gibt es zum einen Sorgen um die wirtschaftliche Stabilität und Jobsicherheit vieler Menschen. Zum anderen scheinen auch die ethischen und rechtlichen Folgen, die mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz einhergehen, genauso schwer abzuschätzen wie der langfristige Energiehunger der Technologie.

Was die Kritik am Führungsstil von Sam Altman angeht, so wird diese nun von einer umfangreichen Reportage des US-Magazins „The New Yorker“ (Artikel hinter Bezahlschranke) befeuert. Diese bezieht sich unter anderem auf interne Dokumente, aber auch auf Interviews mit mehr als 100 Personen, darunter auch ein OpenAI-Vorstand. In dem daraus resultierenden Bericht geht es unter anderem um Täuschung, Fälschungen von Protokollen und interne Machtspiele innerhalb von OpenAI.

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Verstorbener Entwickler bezeichnete Sam Altman als „Soziopathen“

Während es in dem Bericht des „New Yorker“ auch um Firmenstrukturen geht, enthält er darüber hinaus recht persönliche Einschätzungen zu Sam Altman von ehemaligen Weggefährten. Diese beziehen sich unter anderem auf die Zeit bei Loopt und auch bei Y Combinator. So soll der im Jahr 2013 verstorbene Entwickler Aaron Swartz kurz vor seinem Tod noch vor Altman gewarnt haben – weil dieser ein Soziopath sei.

So soll Swartz eindringlich darauf hingewiesen haben, dass man Altman nicht trauen könne. Dem Bericht zufolge sei das auch Thema in vielen weiteren Gesprächen im Rahmen der Recherche gewesen. Dabei wurde offenbar mehrfach betont, dass es dem heutigen OpenAI-Chef vor allem an Sorge um die Konsequenzen seiner Täuschungen fehle.

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So wird ein namentlich nicht genanntes Vorstandsmitglied wie folgt zitiert: „Er hat zwei Eigenschaften, die fast nie bei einer Person zusammen auftreten. Die erste ist ein starker Wunsch, anderen zu gefallen und in jeder Begegnung gemocht zu werden. Die zweite ist ein fast soziopathischer Mangel an Sorge um die Konsequenzen, die sich aus Täuschungen ergeben können.“ Das passt wiederum zur allgemeinen Definition von Soziopathie, die mit dem Fehlen von Empathie, Gewissen und Schuldgefühlen einhergeht. Doch um was für Täuschungen soll es sich genau handeln?

Logo von OpenAI, dessen CEO Sam Altman ist
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Interne Absprachen und Intransparenz vor Gremien

Der Reportage zufolge soll es geheime Absprachen zwischen Sam Altman und zwei Vertrauten im Vorstand gegeben haben, die Altmans Ernennung zum Geschäftsführer maßgeblich beeinflusst haben. Dabei habe er eine Art Schattenvorstand installiert, während er anderen Personen teilweise gegenteilige Versprechungen gemacht habe.

Altman soll zudem einem Gremium gegenüber geäußert haben, dass die Sicherheitsfunktionen von GPT-4 von einem Sicherheitsausschuss geprüft und freigegeben worden seien, obwohl das nicht der Wahrheit entsprach. Nach Veröffentlichung von GPT-4 gab es dann erhebliche Kritik aufgrund von Sicherheitsmängeln.

Darüber hinaus soll er in diesem Zusammenhang verschwiegen haben, dass Microsoft in Indien eine frühe Version von ChatGPT ohne vorherige Sicherheitsprüfung veröffentlicht hatte. Zudem hätten die Recherchen gezeigt, dass wichtige Protokolle im Nachhinein geändert wurden, um das Einleiten rechtlicher Untersuchungen zu verhindern.

Unter Altmans Führung sollen auch Protokolle gefälscht worden sein

So soll etwa die Gegenstimme des Vorstandsmitglieds Holden Karnofsky bei der geplanten Umstrukturierung von OpenAI im Nachgang als Enthaltung vermerkt worden sein. Dabei ging es um den Umbau des gesamten Unternehmens von einer gemeinnützigen Organisation in eine gewinnorientierte For-Profit-Organisation. Eine offizielle Gegenstimme im Vorstand hätte massive Auswirkungen gehabt, eine Enthaltung hingegen nicht. Der Bericht legt nahe, dass Karnofsky nichts von den Änderungen in den Protokollen gewusst hat.

Wie „The New Yorker“ berichtet, existiert bei OpenAI zudem ein sogenannter „Countries Plan“. Dieser beinhaltet wohl Überlegungen, wie man andere Staaten in einen globalen Bieterwettstreit um KI-Modelle treiben könnte, um die Einnahmen für OpenAI zu erhöhen. Darüber hinaus soll Sam Altman Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von US-Geheimdiensten aktiv belogen haben, indem er ein Großprojekt im Ausland erfunden habe, um sich Fördergelder zu sichern.

OpenAI-CEO Sam Altman im Smoking
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Sam Altman wurde 2023 bereits kurzzeitig entlassen

Die Reportage schlägt aktuell hohe Wellen. Ob ernsthafte Konsequenzen folgen, ist allerdings fraglich. Der Bericht beschädigt aber in jedem Fall weiterhin das Image von Sam Altman in der Öffentlichkeit. Denn es ist nicht das erste Mal, dass entsprechende Vorwürfe gegen den CEO laut werden. So warnte KI-Kritiker Gary Marcus im „Handelsblatt“ bereits, dass Altman „zwei Gesichter“ habe.

Der Bericht des Magazins wirft auch ein neues Licht auf Altmans kurzzeitige Entlassung im November 2023. Damals griff der Aufsichtsrat von OpenAI gegen den CEO durch, weil dieser nicht komplett aufrichtig kommuniziert habe. Fünf Tage später kehrte Sam Altman allerdings auf seinen Posten zurück, wohl auch aufgrund des Drucks einiger Investoren.

Die Enthüllungen kommen für Altman zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn sie fallen mit einer Veröffentlichung neuer Leitlinien zusammen. Diese enthalten umfassende Überlegungen, wie man fortschrittliche KI und sogar eine künftige Superintelligenz politisch steuern und integrieren könnte.