Kaum ein Thema beschäftigt die Welt so sehr wie Künstliche Intelligenz. Die CEOs der großen KI-Firmen warnen teilweise selbst vor ihrer Technologie, verweisen aber auf die enormen Möglichkeiten. Einer, der KI von vornherein nicht ablehnend, aber mit einer gewissen Skepsis begegnet ist, ist Bill Gates. So warnte der Microsoft-Gründer und ehemalige CEO erst vor wenigen Wochen in einem öffentlichen Beitrag, dass die Welt noch nicht bereit für diese Technologie sei.
Nun hat Gates in einem Interview nachgelegt. In einem Gespräch im Decoder-Podcast des US-Magazins „The Verge“ sprach er über seine Erwartungen an die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz beziehungsweise der Welt in Zeiten von KI. Dabei malte er ein recht konkretes Zukunftsszenario, das für die kommenden zwei Jahrzehnte allerdings eher düster aussieht.
Bill Gates sieht viele Jobs in Gefahr
Gates argumentiert mit einem grundsätzlichen Verantwortungsgefühl beim Nutzen von KI, das es brauche, das er aber nicht immer als gegeben sieht. Aber selbst bei optimaler und verantwortungsvoller Nutzung sieht er große Probleme auf die Gesellschaft zukommen. So prognostiziert Bill Gates eine etwa 20 Jahre dauernde Übergangsperiode.
In dieser Zeit werde es dem Microsoft-Gründer zufolge enorme Veränderungen geben; er spricht von der „chaotischsten Zeit in der Geschichte der Menschheit“. Dabei bezieht er sich unter anderem auf eine massive Veränderung auf dem Arbeitsmarkt. So geht der Milliardär davon aus, dass viele klassische Bürojobs wie Vertrieb, telefonischer Kundenservice oder Buchhaltung für Menschen verschwinden werden.

Wenn Roboter die Arbeitswelt übernehmen
„Wenn wir uns nicht entscheiden, das Tempo zu drosseln oder ganz aufzuhören, wird die Menschheit Roboter haben, die Häuser bauen, Landwirtschaft betreiben und Operationen durchführen. Die meisten Güter und Dienstleistungen werden keine menschliche Arbeitskraft mehr benötigen“, warnt Bill Gates.
Gleichzeitig verweist er darauf, wie wichtig es ist, Arbeitsplätze für Menschen zu erhalten. Das gilt aus seiner Sicht nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen; wenn Menschen nicht arbeiten und Geld verdienen, können sie es nicht für Waren ausgeben. Vielmehr meint Gates damit, dass Arbeit für die meisten Menschen auch etwas Sinnstiftendes sei.
Er mache sich Sorgen um die Verliererinnen und Verlierer der KI-Revolution, gleichzeitig gebe es natürlich auch Gewinnerinnen und Gewinner. Langfristig spricht der 70-jährige ehemalige CEO aber auch von einer durch Künstliche Intelligenz eingeleitete Ära des Überflusses.
Einige Jobs sollten laut Gates rein menschlich bleiben
Dafür sei es jedoch unerlässlich, KI und ihre Entwicklung zu regulieren. Zudem müsse es technische Sicherheitsmaßnahmen geben, so Gates. Dabei bringt er auch die Idee ins Spiel, bestimmte Tätigkeiten den Menschen vorzubehalten – auch wenn KI theoretisch dazu in der Lage wäre, diese in Teilen besser auszuführen. Als Beispiel nennt er Kinderbetreuung, Kunst, Sport oder auch die Zubereitung von Essen.
„Wir als Menschen haben die Wahl, wie wir diese Entwicklung gestalten“, unterstreicht Bill Gates seine Ausführungen. Allerdings werde es eine schwierige Übergangszeit, wobei die von ihm angegebene Zahl von etwa 20 Jahren natürlich nur eine Schätzung sei. „Ich hasse es, diese beunruhigende Nachricht überbringen zu müssen, aber es ist noch schlimmer, den Menschen nicht zu sagen, dass dies bevorsteht“, so der ehemalige CEO.

