Experten warnen vor erneuter Hitzewelle: Warum Starkregen nicht gegen die Trockenheit hilft

Auf Deutschland rollt die nächste Hitzewelle zu, und das, obwohl es stellenweise immer wieder zu Starkregen und Gewittern kommt. Warum hilft das nicht gegen die Temperaturen und Trockenheit?
Experten warnen vor erneuter Hitzewelle: Warum Starkregen nicht gegen die Trockenheit hilft
picture alliance

Der bisherige Sommer war mit Blick auf Westeuropa bislang beispiellos. Es ist nicht nur der heißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. So wurden im Juni und Juli Durchschnittstemperaturen von 21,62 Grad gemessen, wie Copernicus, der Klimawandeldienst des EU-Programms in Bonn, bekannt gab. Auch die Trockenheit erreicht mitunter historische Werte.

Trockenheit und Hitze sind zwei Dinge, die sich in gewissem Maße gegenseitig bedingen. Hauptgrund für die aktuellen Meldungen rund um Tiefwasserstände auf deutschen und europäischen Wasserstraßen, niedrige Grundwasserspiegel und ausgetrocknete Wälder, die guter Nährboden für Waldbrände sind, ist aber vor allem zu wenig Regen in den Monaten, die dem Sommer vorangegangen sind.

Nun warnen Expertinnen und Experten vor einer erneut anrollenden Hitzewelle in Deutschland. Dagegen können auch die kurzen, aber heftigen Starkregenfälle nichts ausrichten, die in einigen Teilen des Landes auftreten. Aber woran liegt das eigentlich und worauf muss man sich hierzulande in den kommenden Tagen einstellen?

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So sieht das Wetter in den kommenden Tagen in Deutschland aus

Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge bleiben die Temperaturen am Dienstag im moderaten Bereich. Am wärmsten ist es dabei einmal mehr im Südwesten des Landes mit Temperaturen bis 31 Grad. Ab Mittwoch steigen die Temperaturen dann allerdings wieder, regional sind bis zu 35 Grad möglich, während es im Norden nur bis zu 26 Grad sind.

Ab Donnerstag zeigen mehrere Wettermodelle dann wieder Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke, die regional bis auf 38 Grad steigen können. Je nach Region bleibt die Hitze übers Wochenende; der DWD prognostiziert erst in der Nacht auf Montag „zunächst einzelne Schauer und Gewitter“ und „gegen Morgen im Westen [aufkommenden] Regen“.

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Böden sind vielerorts viel zu trocken

Das sorgt zwar für ein wenig Abkühlung, den ausgetrockneten Böden dürfte es aber wenig helfen. Wie verheerend die Lage ist, zeigt unter anderem der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Das Problem ist nicht neu. Wie unter anderem die Deutsche Umwelthilfe erklärt, ist ein entsprechender Trend bereits seit 2018 zu beobachten. Der häufiger auftretende Starkregen zählt dabei ebenfalls zu den Extremwetterereignissen, die durch den Klimawandel öfter, aber vor allem heftiger auftreten.

Dieser Starkregen macht die Trockenheit nicht besser, teilweise ist sogar das Gegenteil der Fall. Je trockener der Boden, desto schwieriger kann er nämlich Wasser speichern. Das liegt daran, dass trockener Boden über eine schlechtere hydraulische Leitfähigkeit verfügt. Zum Vergleich: Wer beim Backen Milch auf Mehl gibt, kann beobachten, dass die Milch nicht einfach ins Mehl einzieht, sondern auf dem weißen Staub eine Lache bildet.

Damit die beiden Lebensmittel zusammen einen flüssigen Teig ergeben, braucht es zum einen eine gewisse Menge Milch, zum anderen müssen sie kräftig verrührt werden. Alternativ müsste man eine gewisse Zeit warten, bis die Flüssigkeit eingesickert ist. Ähnlich verhält es sich auch beim Boden, und je trockener dieser ist, desto länger dauert es, bis er die Flüssigkeit aufnehmen kann.

Dürrekarte des UFZ zegt Trockenheit in Deutschland
UFZ

Warum Starkregen wenig gegen trockene Böden ausrichten kann

Das führt insbesondere bei Starkregen dazu, dass sich zwar innerhalb kurzer Zeit große Pfützen bilden. Da diese allerdings nicht schnell genug vom Boden aufgenommen werden, wird das zusätzliche Wasser von oben eher zum Problem. Ein Teil verdunstet, was die Luftfeuchtigkeit erhöht. Ein anderer Teil fließt in die umliegenden Gewässer – aber auch in die Kanalisation oder unterkellerte Gebäude.

Was Deutschland und große Teile Westeuropas also bräuchten, wäre leichter Regen über einen längeren Zeitraum hinweg. Damit könnten sich die Böden regenerieren, was es dem Wasser ermöglicht, genau dahin zu sickern, wo es gebraucht wird. Ein trockener Sommer bedeutet allerdings, dass sich der Boden mehrere Monate erholen muss. Und hierzulande haben wir seit Jahren immer wieder Perioden, in denen zu wenig Niederschlag fällt.

Wettermodelle rechnen erst Mitte August mit möglicher Entspannung

Das wird sich in absehbarer Zeit wohl auch nicht ändern, wie unter anderem der bekannte Meteorologe Dominik Jung bei „T-Online“ erklärt: „Die ehrliche Kurzfassung: Flächendeckenden, ergiebigen Landregen gibt es vorerst nicht.“ Damit sich der sogenannte Oberboden – die obersten 25 Zentimeter – erholen könnte, bräuchte es Jung zufolge etwa 20 bis 40 Liter pro Quadratmeter.

Bei einem leichten Regen rechnet man durchschnittlich mit etwa 2,5 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde, bei mäßigem Regen sind es im selben Zeitraum bis zu 10 Liter. Das bedeutet, dass es allein für die Regeneration des vergleichsweise schnell auf Niederschläge reagierenden Oberbodens bereits entsprechende Regenfälle bräuchte. Und auch diese müssten sich über mehrere Tage verteilen, damit der Boden die Feuchtigkeit auch wirklich aufnehmen kann.

Die tieferen Bodenschichten würden noch deutlich mehr benötigen, gleiches gilt für einen nachhaltigen Anstieg der Flusspegel wie etwa des Rheins. Dafür bräuchte es Jung zufolge 100 bis 200 Liter in der Fläche, am besten verbunden mit mehreren Tiefdruckgebieten innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Nach dem jetzigen Stand könnte es in Deutschland Mitte August zu einigen flächendeckenden Regenfällen kommen. Vorher ist entsprechend keine Besserung der Lage in Sicht. Das erhöht nicht nur die Waldbrandgefahr, sondern stellt angesichts der niedrigen Pegelstände von wichtigen Flüssen wie Rhein, Donau und Elbe auch für die Wirtschaft eine zunehmende Belastung dar.