Lange vor der Switch: Warum der Nintendo DS bis heute Nintendos wichtigster Meilenstein ist

Vom Mount Everest bis in die Kinderzimmer weltweit: Der Nintendo DS gilt als einer der wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der Videospiele. Dabei hatte zunächst kaum jemand an den Erfolg des klobigen Klappgeräts geglaubt.
Lange vor der Switch: Warum der Nintendo DS bis heute Nintendos wichtigster Meilenstein ist
The Nintendo DS, a dual display device, is demonstrated in Farmers Branch, Texas, Tuesday, Nov. 16, 2004. The $149.99 handheld, which goes on sale in the United States on Sunday, is a sleek powerhouse that's great for multiplayer gaming. (AP Photo/Ron Heflin)

Dass Nintendo ein Händchen für Handheld-Konsolen hat, hat der Hersteller schon vielfach bewiesen. Was mit dem Game Boy begann, hält bis heute in Form der Nintendo Switch an. Doch dazwischen wird ein wesentlicher Meilenstein beinahe vergessen: der Nintendo DS. Das „DS“ steht dabei für „Dual Screen“ – denn das war das nahezu revolutionäre Konzept des Geräts.

Dieser war der indirekte Nachfolger des Game Boy Advance. Zwar wurde er von Nintendo ursprünglich anders gedacht und vermarktet, in der Community gilt er allerdings klar als Nachfolgegerät. Denn der Ableger, der Advance SP, kam bereits 2003 mit einem Klappgehäuse auf den Markt. Dabei saß das Display in ausgeklapptem Zustand auf dem oberen Teil, unten befand sich die Steuerung. Dieses Design diente als direkte Inspiration für den 2004 folgenden Nintendo DS.

Zwei Bildschirme und ein Touchscreen

Dessen zwei Bildschirme kamen als 3-Zoll TFT-LCDs mit 256 x 192 Pixeln. Und es gab noch eine Besonderheit: Das untere Display verfügte über einen resistiven, also druckempfindlichen, Touchscreen. Rückblickend kann man sogar sagen, dass Nintendo maßgeblich an der Etablierung von Touchscreens in einer breiten Öffentlichkeit beteiligt war.

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Zudem gab es ein eingebautes Mikrofon. Im Inneren verfügte der Nintendo DS über 67 MHz ARM946E-S (für 3D) und 33 MHz ARM7TDMI (für 2D sowie GBA-Spiele). Mit 4 MB RAM und einer Akkulaufzeit von etwa zehn Stunden war das Handheld für die meisten Einsatzzwecke bestens gerüstet.

Ein wichtiger Punkt war zudem die Abwärtskompatibilität. Während man die alten quadratischen GameBoy-Spiele auch auf dem Advance spielen konnte, nur dass dann das halbe Spiel aus dem Steckplatz herausschaute, kam das DS-Modell sogar mit zwei Schächten. Das war deshalb nötig, weil mit dem Nintendo DS ein neues Flashkarten-Format für die Speichermedien Einzug hielt.

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Aufgeklappter schwarzer Nintendo DS Lite mit Stift
Shutterstock / CaptNorth

Der Nintendo DS Lite etablierte ein legendäres Design

Darüber hinaus ermöglichte der Nintendo DS eine direkte kabellose Verbindung zu anderen Konsolen in der unmittelbaren Umgebung. Per Hotspot konnte man aber auch weltweit eine Verbindung herstellen, was für Titel mit Mehrspieler-Modus enorm wichtig war. Dafür nutzte das Unternehmen sogar den eigenen Dienst Nintendo Wi-Fi Connection, der allerdings inzwischen eingestellt wurde.

Technisch hatte das Handheld also durchaus einiges zu bieten, auch wenn er nicht mit der PlayStation Portable (PSP) mithalten konnte. Optisch war vor allem die originale Variante, die im November 2004 auf den Markt kam, allerdings gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig, erinnerte der klobige silberne Kasten doch ein wenig an ein futuristisches Waffeleisen.

So unelegant dieses Design auch war, hatte es dennoch seine Stärken. So war das Gerät offenbar dermaßen robust, dass Sherpas es zeitweise sogar im Basislager des Mount Everest nutzten. Die Geräte funktionierten dort nämlich trotz der außergewöhnlichen Kälte völlig problemlos. Im März 2006 folgte allerdings ein neuer Ableger, der zur ikonischsten Version des Nintendo-Geräts werden sollte: der Nintendo DS Lite.

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Der DS war lange Zeit Nintendos erfolgreichste Konsole

Das Design war deutlich schlanker, moderner und damit auch massentauglicher. Zudem waren die Bildschirme heller, was für Spielen bei Sonnenlicht nicht unrelevant war und das Modell verschob die Start- und Select-Knöpfe nach unten. Das Modell verkaufte sich enorm gut und war am Ende entscheidend für den Erfolg des Nintendo DS. Und dieser war wiederum für Nintendo selbst enorm wichtig.

Denn gleichzeitig lief es auf dem Heimkonsolenmarkt deutlich weniger rosig. Anfang der 2000er-Jahre war nämlich die PlayStation 2 die alles bestimmende Konsole. Konkurrenz gab es zwar in Form der ersten Xbox, des Sega Dreamcasts und des Nintendo GameCubes. Allerdings überstrahlte das Sony-Gerät im Bereich der stationären Konsolen alles und ist auch heute noch mit etwa 160 Millionen verkauften Einheiten die erfolgreichste Konsole aller Zeiten.

Allerdings ist ihr die Nintendo Switch mit 155 Millionen dicht auf den Fersen. Und mit 154 Millionen und somit nur ganz knapp dahinter folgt auch schon der Nintendo DS, der somit jahrelang Nintendos erfolgreichstes Gerät war und auch den Klassiker, den Game Boy (mit Game Boy Color), hinter sich lassen konnte. Das lag auch an einigen legendären Spielen, die in diese Phase gefallen sind.

Spiele für den Nintendo DS auf einem Haufen
Shutterstock / pcperle

Eine Ära der erfolgreichen und einzigartigen Spiele

Bereits zum Start wurde der Nintendo DS von Titeln wie „Super Mario 64 DS“ begleitet. Insgesamt standen Spielerinnen und Spielern im Laufe der Jahre Tausende von Titeln für das Handheld zur Verfügung. Besonders bemerkenswert sind dabei beispielsweise „Nintendogs“, „Mario Kart DS“ oder auch „Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging“, das überraschende Erfolge feiern konnte. Zudem kam mit der Diamant- und der Perl-Edition eine der beliebtesten „Pokémon“-Generationen aller Zeiten auf den Markt.

Die Spielevielfalt ist auch der Tatsache zu verdanken, dass der DS als absolute Spielwiese für experimentelle Entwicklerinnen und Entwickler galt. Aufgrund des neuen Konzepts mit den zwei Bildschirmen taten sich damals völlig neue Möglichkeiten auf. So sind auch einige sehr skurrile Titel entstanden wie etwa „Elektroplankton“, bei dem man per Touch- oder Stimmeingabe leuchtende Unterwasserwesen steuern konnte. Aus derselben Zeit stammt auch „Ketsui Death Label“, bei dem man mit einem winzigen Raumschiff deutlich größeren Gegnern ausweichen musste. Obwohl es das Spiel damals nur in Japan gab, ist es bisher aufgrund seiner Schwierigkeit legendär.

Für den Nintendo DS kam zudem mit „Animal Crossing: Wild World“ auch der erste Titel der erfolgreichen Reihe für den europäischen Markt. Darüber hinaus kamen damals Spiele wie „Dragon Quest IX: Hüter des Himmels“, das erste „Pokémon Mystery Dungeon“, in dem man selbst eines der kleinen Taschenmonster spielt, oder auch „Yoshi's Island DS“.

Nintendo DS gilt sogar als Vorläufer des Smartphones

Entgegen der ursprünglichen Erwartungen – die vor allem davon ausgingen, dass der DS der PSP von Sony nicht das Wasser reichen und deshalb auf wenig Gegenliebe stoßen würde – wurde der Nintendo DS zu einem großen Erfolg. Aus heutiger Sicht läutete das Gerät zudem die Ära des Casual Gaming bei Nintendo ein, die dann mit der Wii fortgesetzt wurde. Aufgrund späterer Modelle wie dem Nintendo 3DS hielt sich die Produktfamilie erstaunlich lange im Portfolio. So wurde das letzte Modell erst in den 2020er-Jahren abgesetzt.

Aufgrund des integrierten Touchscreens und der kabellosen Internetverbindung gilt das Handheld teilweise sogar als eine Art Vorläufer des Smartphones, das in Form des ersten iPhones im Jahr 2007 auf den Markt kam. Zudem gilt das Gerät als Inbegriff der von Nintendo bis heute erfolgreich angewandten „Blue Ocean“-Strategie, bei der vor allem auf Innovation und weniger auf direkten Wettbewerb gesetzt wird.

Nach dem Misserfolg des GameCube war der DS zudem die finanzielle Rettung des Unternehmens, das bis heute die Gaming-Welt mitprägt und von den großen Namen wohl aktuell der einzige ist, der sich die Entwicklungen – steigende Hardware- und Entwicklungskosten, Studioschließungen etc. – halbwegs entspannt anschauen kann. Der Nintendo DS war auch damals schon eine Bestätigung, dass der eingeschlagene Weg weg von der direkten Konkurrenz mit Sony und Co. der richtige war, und Nintendo hat diesen Weg bis heute nicht verlassen.