Der Game Boy steht wie kaum ein anderes Gerät für erfolgreiche Retro-Technologie, die die Gaming-Welt nachhaltig revolutioniert hat. Das war beim Release am 21. April 1989 allerdings noch nicht abzusehen. Denn damals wie heute war die Konkurrenz technisch weit überlegen; namentlich waren das vor allem der Sega Game Gear oder auch der Atari Lynx.
Im Gegensatz zu dieser Hardware fuhr Hersteller Nintendo aber einen anderen Kurs. Dieser setzte zwar auf weniger leistungsstarke Technik, dafür gab es das Gerät aber auch zu einem deutlich geringeren Preis. Zum Deutschlandstart Anfang der 90er-Jahre kostete der Game Boy (inklusive des All-Time-Klassikers „Tetris“) 169 DM.
Der Game Boy ist außergewöhnlich robust
Und nicht nur der geringe Preis war damals ein echter Pluspunkt. Aufgrund der simpleren Technologie war die Nintendo-Konsole auch weit weniger anfällig als ihre High-End-Konkurrenz. Wie widerstandsfähig das Gerät ist, zeigte sich unter anderem bei einem Bombenangriff im Ersten Golfkrieg.
Die äußere Plastikhülle wurde dabei zwar völlig zerstört, die Konsole funktionierte allerdings abseits davon aber noch einwandfrei.
Das Exemplar wurde danach für mehrere Jahre im Nintendo-Store in New York ausgestellt, befindet sich aber inzwischen wieder im Nintendo-Hauptquartier in Redmond. Das Monochrom-Display mit vier Graustufen und einer Auflösung von 160 x 144 Pixeln wirkte allerdings damals schon ein wenig aus der Zeit gefallen. Dafür waren die handliche Größe und die Batterielaufzeit echte Pluspunkte. Denn während die Konkurrenz bereits nach etwa fünf Stunden neue Batterien benötigte, konnte man aus dem Game Boy je nach Nutzung bis zu 30 Stunden herausholen.

Exklusive Spiele sind bis heute ein Schlüssel für Nintendos Erfolg
Bis heute zählt der Game Boy mit insgesamt fast 120 Millionen verkauften Einheiten zu den erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten. Erfolgreicher waren nur Nintendos eigene Konsolen – namentlich der Nintendo DS und die Nintendo Switch – sowie die PlayStation 2, die etwa 160 Millionen verkauften Einheiten an der Spitze steht.
Entscheidend für diesen Erfolg war ab Mitte der 90er-Jahre aber vor allem auch die Spiele-Auswahl für den Game Boy, allen voran „Pokémon“. Die Marke wird bis heute wie kaum eine andere mit Nintendo assoziiert. Die 1996 erschienenen Ausgaben („Rot“ und „Grün“) lösten einen weltweiten Hype aus und kurbelten die Verkaufszahlen der Konsole noch einmal ordentlich an.
Umgekehrt konnte der Game Boy allerdings auch dem Spieleklassiker „Tetris“ maßgeblich zu seinem Ruhm verhelfen. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar ist dabei die geringe Größe des Spiels, das nur 32 Kilobyte benötigte. Ein einziges Smartphone-Foto verbraucht heutzutage deutlich mehr Platz.
Gameboy war der Wegbereiter für Nintendos anhaltenden Siegeszug
Das Konzept der Handheld-Konsole war über die Jahre und ist bis heute zentral für Nintendo. Auf den Game Boy folgte zunächst die teilweise aufklappbare Advance-Variante, 2004 kam dann der Nintendo DS auf den Markt, der erstmals zwei Displays inklusive Touchscreen hatte. Nach der Weiterentwicklung zum 3DS feierte Nintendo dann 2017 mit seiner Switch-Konsole enorme Erfolge. Insgesamt handelt es sich um die achte Generation von Handheld-Konsolen des Herstellers.
Schaut man sich den heutigen Welterfolg von Nintendo rückblickend an, dann wird allerdings klar, dass dieser ohne den Game Boy nur schwer vorstellbar ist. Dabei ist der Hersteller grundsätzlich seinem Konzept treu geblieben: Innovation und Alltagstauglichkeit statt hochwertigster technischer Ausstattung. In jedem Fall hat sich der Game Boy einen Platz in den Geschichtsbüchern der Branche verdient.

