Der Mount Everest übt als höchster Berg der Erde schon immer eine besondere Faszination auf Menschen aus. Deshalb ist er auch immer wieder ein beliebtes Ziel für Wanderinnen und Wanderer, obwohl seit Beginn der Aufzeichnung bereits mehr als 300 Menschen an dem Berg gestorben sind. Aufgrund der besonderen Bedingungen des Terrains können viele der Toten nicht geborgen werden und verbleiben vor Ort.
Eine Leiche erlangte dabei einen besonderen Bekanntheitsgrad, den sie ihren neongrünen Stiefeln verdankt. Diese sind in der Umgebung recht auffällig und dienen teilweise als Wegweiser und Markierungspunkt, aber auch als Mahnmal für die Gefahren am Mount Everest. Nun ist bekannt geworden, um wen es sich bei dem als „Green Boots“ bezeichneten Toten in Wirklichkeit handelt.
Toter Bergsteiger gehörte zum Indo-tibetischen Grenzschutz
Die grünen Stiefel gehören zu dem indischen Staatsangehörigen Dorje Morup. Dieser starb im Mai 1996 beim Aufstieg auf den Mount Everest im Alter von 47 Jahren. Der Verstorbene war Polizist und gehörte vor 30 Jahren zu einer 40-köpfigen Expedition des Indo-tibetischen Grenzschutzes. Am Ende verblieben noch sechs Mitglieder in einem gemeinsamen Lager, die gemeinsam weiter zum Gipfel vordringen wollten.
Dabei gerieten sie jedoch auf einer Höhe von etwa 8.000 Metern in einen schweren Sturm; der Mount Everest ist insgesamt 8.849 Meter hoch. Aufgrund des Wetters kehrten damals mehrere Bergsteiger aus der Gruppe um. Nur drei setzten ihren Weg hingegen fort: Dorje Morup, Tsewang Paljor und Tsewang Smanla.

„Green Boots“ per DNA als Dorje Morup identifiziert
Anschließend meldeten die drei per Funk, dass sie den Gipfel erfolgreich erreicht hätten und nun umkehren würden. Auf dem Rückweg kamen dann aber aufgrund der Witterungsverhältnisse alle drei ums Leben. Besonders tragisch: Rückblickend wird, unter anderem aufgrund der Beschreibungen per Funk, angenommen, dass die Gruppe niemals an der Spitze des Mount Everest gewesen ist, sondern bei der schlechten Sicht irrtümlich einen Nebengipfel erwischten.
Dass es sich bei der als „Green Boots“ bekannten Leiche um Dorje Morup handeln könnte, war bereits vermutet worden. Allerdings bestand keine Sicherheit, dass es nicht auch der zum Zeitpunkt seines Todes 28-jährige Tsewang Paljor sein könnte. Ein DNA-Test hat diesbezüglich nun endgültige Klarheit verschafft.
Leiche am Mount Everest soll geborgen werden
Die Identität wurde nun durch die Indo-Tibetan Border Police bestätigt. Kurz zuvor berichtete „The Tribune“, dass eine Bergung des Toten geplant ist, und zwar noch in diesem Jahr. Die Bergung soll bis September erfolgen, wobei geplant ist, den Mount Everest über die tibetanische Seite zu besteigen.
Noch ist allerdings fraglich, ob alle entsprechenden Genehmigungen eingeholt werden können und wie erfolgversprechend eine Bergung überhaupt ist. Entsprechende Vorhaben sind enorm aufwändig und kostspielig und erfordern eine große Expertise. Deshalb verfügte etwa Olympia-Siegerin Laura Dahlmeier, die 2025 beim Bergsteigen in Pakistan verunglückte, dass im Falle ihres Todes niemand sein Leben riskieren dürfe, um sie zu bergen.
Wie viele Tote am Mount Everest liegen ist nicht bekannt. Auch die Zahl der erfolgreichen Bergungen ist nicht öffentlich einsehbar.

