Die Xbox One hat ohne Frage eine der turbulentesten Geschichten der jüngeren Konsolenhistorie zu bieten. Nach anfänglichem PR-Desaster hat ihr ein Comeback am Ende dennoch den Ruf einer stabilen Service-Plattform eingebracht, der schließlich dazu führte, dass es sich heute um eines der meistverkauften Xbox-Modelle aller Zeiten handelt.
Damit steht die 2013 erschienene Konsole deutlich über den aktuellen Modellen der Xbox Series und auch vor der ikonischen ersten Xbox der frühen 2000er-Jahre. Dabei begann alles mit einem absoluten PR-Flop. Microsoft stellte seine Xbox One damals nämlich nicht als Spielekonsole vor. Stattdessen war von einem „All-in-One Entertainment System“ die Rede, das jedoch mit diversen Einschränkungen kommen sollte.
„TV, TV, TV“: Xbox One sollte ein umfassendes Entertainment-System sein
Das Wort „One“ im Titel sollte dabei ursprünglich genau diese „Alles in einem“-Philosophie vermarkten. So war zunächst eine tiefe Integration in die TV-Landschaft, Sprachsteuerung und ein innovativer Kamerasensor vorgesehen. Nach der Präsentation der Xbox One im Mai 2013 sprach aber niemand von der Technik oder dem System. Stattdessen konzentrierten sich die Schlagzeilen auf ganz andere Aspekte.
Ursprünglich hatte Microsoft nämlich geplant, dass Gebrauchtspiele an einen Account gebunden werden, was faktisch der Sperre gebrauchter Titel gleichgekommen wäre. Zudem war eine „Always-On“-Pflicht vorgesehen, während es für den Gebrauch zwingend notwendig gewesen wäre, eine Kinect-Kamera anzuschließen. Der Aufschrei in der Community war groß; es fielen vielfach Worte wie „Internetzwang“ und „Überwachung“.
Und auch einige Expertinnen und Experten sprachen von einem „Überwachungsgerät fürs Wohnzimmer“. Der Vorwurf: Microsoft gehe es weniger darum, eine gute Spielekonsole zu liefern, als eine Datenauswertungsmaschine zu vermarkten. Als Beispiel für den Verlust des Fokus auf die Gaming-Sparte wurde etwa angeführt, dass in der kompletten ersten Stunde der Präsentation so gut wie gar kein Gameplay-Material gezeigt wurde. Schließlich deaktivierte Microsoft sogar die Kommentarfunktion unter seinem Reveal-Video.

Die große Konkurrenz durch die PlayStation 4
Neben dem grundsätzlichen PR-Problem, das sich daraus für die Xbox One ergab, die in der Presse teilweise als Videorekorder mit Spielefunktion betitelt wurde, nutzte auch die Konkurrenz das Ganze für sich aus. So gab es reichlich Spott vom japanischen Konkurrenten Sony, der das Ganze zudem ausnutzte, um eine PlayStation 4 zu vermarkten.
Durch den Shitstorm gingen die technischen Daten der Xbox One nahezu komplett unter, dabei konnten sich diese wirklich sehen lassen. Im Inneren des schwarzen Kastens arbeiteten nämlich ein Octa-Core-Prozessor mit 1,75 GHz, eine 500 GB große Festplatte und 8 GB DDR3 (plus 32 MB eSRAM für schnellere Zugriffszeiten). Ein DVD- und Blu-ray-Laufwerk war ebenfalls mit an Bord. Damit wollte Microsoft die Lücke zur PlayStation schließen.
Zwar war das Laufwerk in der ersten Produktionswelle fehlerhaft, wodurch beim Einlegen einer Disc ein unangenehmes Geräusch entstand, das als „Grinding of Death“ in die Geschichte einging. Nichtsdestotrotz war das ein wesentlicher Schritt. Am Ende ging das Feature – zumindest vorläufig – aber ohnehin nahezu komplett unter. Dass das Unternehmen nach diesem katastrophalen Start erfolgreich eine 180-Grad-Wende vollziehen konnte, ist bemerkenswert. Der maßgebliche Grund dafür: Phil Spencer.
Microsoft legte mit seiner Xbox One eine 180-Grad-Wende hin
Ursprünglich arbeitete Spencer seit 2008 als General Manager der Microsoft Game Studios EMEA und stieg dann zum GM aller Microsoft Studios auf. Nach dem PR-Desaster um die Xbox One verließen jedoch zahlreiche Führungskräfte das Unternehmen, darunter auch der Xbox-Chef Don Mattrick.
Spencer trat in seine Fußstapfen und rief eine völlig neue Strategie für die Konsole aus. Diese legte den Fokus wieder deutlich mehr auf Spiele sowie die Gamerinnen und Gamer. Als Folge wurde unter anderem die Kinect-Kamera gestrichen, was die Konsole zudem günstiger machte. Auch die Gebrauchtspielsperre wurde als Reaktion auf die massive Kritik aus der Community im Juni 2013 fallengelassen.
Der Verkaufsstart im November 2013 fiel dennoch verhalten aus. Die Statistiken wurden stattdessen von der PlayStation 4 beherrscht. Zur Einordnung muss man allerdings unbedingt erwähnen, dass sich der Markt zu diesem Zeitpunkt zugunsten der mobilen Konsolen und weg von den stationären Geräten entwickelte.

Abwärtskompatibilität und Game Pass wurden zu Meilensteinen
In der Folge gab Microsoft die Xbox One allerdings nicht auf, sondern nahm im Laufe der Jahre mehrere wesentliche Verbesserungen vor. Einer der beiden wichtigsten Meilensteine diesbezüglich war die Einführung von Abwärtskompatibilität im Jahr 2015. Plötzlich konnten Spielerinnen und Spieler ihre alten Titel von der Xbox 360 auch auf der neuen Konsole zocken. Teilweise war das sogar mit Spielen der allerersten Xbox möglich.
2017 wurde zudem der Game Pass eingeführt. Zwar steht es heute im Jahr 2026 alles andere als gut um das Microsoft-Abo. Damals traf das Angebot allerdings einen Nerv. Abonnentinnen und Abonnenten erhielten nämlich nicht nur Zugriff auf einen umfangreichen Spielekatalog, sondern auch auf Early-Access und einiges mehr.
Daraus entwickelte sich ein übergreifendes System, das PC und Konsole verband und weitere Vorteile wie etwa Cloud Gaming brachte. Das hatte Folgen für die gesamte Branche und gab der Xbox One vier Jahre nach Erscheinen einen weiteren entscheidenden Schub.
Die Geburtsstunde der Studiostrategie von Microsoft
Beide Maßnahmen drehten sich im Kern um das, was der Community am wichtigsten war: die Spiele. So kam die Konsole eigentlich bereits mit einigen vielversprechenden Exklusivtiteln auf den Markt. Dazu gehörten beispielsweise „Forza Motorsport 5“ oder auch „Killer Instinct“. Zudem standen zum Start zahlreiche andere große Titel wie „Assassin's Creed IV: Black Flag“ oder „Call of Duty: Ghosts“ zur Verfügung.
Auch in diesem Bereich war die Konkurrenz durch Sony allerdings stark. So etablierten sich gewisse Schwerpunkte. Microsoft konzentrierte sich auf Multiplayer, Service-Games und Rennspiele, während Sony vor allem prestigesträchtige Story-Games herausbrachte und sich auf Singleplayer-Erfahrungen spezialisierte (wobei es natürlich auch Multiplayer-Inhalte für die PlayStation gab).
Diese Konkurrenz führte allerdings auch zu einem generellen Strategiewechsel bei Microsoft, der die vergangenen Jahre des gesamten Unternehmens prägte. Denn statt weiter auf Exklusivtitel aus den bereits vorhandenen eigenen Studios zu setzen, begann eine beispiellose Einkaufstour.

Xbox One war enorm wichtig für die Geschichte des Unternehmens
Microsoft kaufte im Laufe der Jahre zahlreiche Studios auf. Zu den namhaftesten gehören Ninja Theory, Obsidian und später der gesamte Publisher Bethesda mit wichtigen Reihen wie „Elder Scrolls“. Damit bereitete das Unternehmen auch die Zukunft weit über die Xbox One hinaus vor.
Deren anfänglicher Misserfolg gilt rückblickend als absolut wegweisend, weil Microsoft gezwungen wurde, kreativ zu werden und neue Wege zu beschreiten. So entstand unter anderem der starke Service-Fokus und die Idee eines übergreifenden Ökosystems, das PC und Konsole zusammenführte. Am Ende kam die Xbox One auf etwa 58 Millionen verkaufte Einheiten und steht damit auf Platz 15 der meistverkauften Konsolen.
Nach dem schwachen Start und dem schlechten Ruf hätte wohl niemand mehr mit solchen Zahlen gerechnet. Damit ließ die Konsole beispielsweise die Nintendo Wii U, das SNES oder auch den Sega Mega Drive hinter sich, musste sich unterm Strich aber deutlich der PlayStation 4 mit 117 Millionen verkauften Einheiten geschlagen geben. Nur die Xbox 360 war für Microsoft mit circa 84 Millionen verkauften Einheiten erfolgreicher.

