Von wegen Flop: Warum Nintendos GameCube eigentlich ein Meisterwerk war

Er war klein, lila und erfreut sich heute eines absoluten Kult-Status: der GameCube von Nintendo. Am Ende war der Würfel zwar ein wirtschaftliches Fiasko für das Unternehmen – er legte aber auch den Grundstein für den heutigen Erfolg.
Von wegen Flop: Warum Nintendos GameCube eigentlich ein Meisterwerk war
picture alliance

Im Jahr 2001 brachte Nintendo eines seiner bis dahin ungewöhnlichsten Geräte auf den Markt: den GameCube. Der lilafarbene Würfel war der Nachfolger des Nintendo 64 und rein wirtschaftlich am Ende ein echter Misserfolg für das japanische Unternehmen. Allerdings gilt die stationäre Konsole heute als Brücke, die Nintendo den Weg in eine moderne Ära eröffnete und spätere Erfolge erst möglich machte, wie etwa schon beim direkten Nachfolger, der Nintendo Wii.

Für die Geschichte des GameCube ist eine zeitliche Einordnung enorm wichtig. Denn die Konsole hatte es auf dem Markt mit harter Konkurrenz zu tun. Diese bestand damals aus dem Sega Dreamcast, Microsofts technisch deutlich überlegener erster Xbox und dem Verkaufsschlager schlechthin, der PlayStation 2. Diese ist bis heute die erfolgreichste Konsole aller Zeiten, auch wenn Nintendo ihr mit seiner 2017 erschienenen Switch dicht auf den Fersen ist.

Zeitgleich erschien zudem der deutlich erfolgreichere Game Boy Advance, dicht gefolgt vom 2004 veröffentlichten Nintendo DS. Diese nehmen zwar als Handhelds eigentlich eine ganz andere Zielgruppe ins Auge. Dennoch hat sich Nintendo damit rückblickend auch ein wenig selbst das Wasser abgegraben.

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Nintendo setzte auf Mini-DVDs

Damit hatte der GameCube also von vornherein keinen leichten Stand, zumal sich auch der N64-Vorgänger schon nicht recht durchsetzen konnte. Dieser Misserfolg lehrte Nintendo bereits mit Blick auf den GameCube, dass ein Paradigmenwechsel nötig war. Man musste weg von den teuren Modulen und so wurde die Würfel-Konsole die erste des Herstellers, bei der man auf optische Datenträger setzte.

Dabei machte Nintendo allerdings rückblickend gesehen einen entscheidenden Fehler. Denn statt wie Sony mit seiner PlayStation auf gängige DVDs zu setzen, entschied sich Nintendo einmal mehr für einen exklusiven Weg und wählte für seine Konsole 8-cm-Mini-DVDs. Das hatte zwar Vorteile wie schnelle Ladezeiten und Schutz vor Raubkopien.

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Allerdings war der Siegeszug der Standard-DVD damals schon nicht mehr aufzuhalten. Und auch aus Sicht der Spielestudios stellten die kleinen DVDs eine große Einschränkung dar. Viele Studios wurden dadurch abgeschreckt, was Nintendo schließlich zum Verhängnis wurde.

Nintendo GameCube an einen Fernseher angeschlossen
Shutterstock / Paul Stringer

Der Nintendo GameCube hatte technisch einiges zu bieten

Dabei konnten sich die technischen Daten des GameCube gemäß der bisherigen Hardware-Leistungen des Unternehmens durchaus sehen lassen. Die CPU – der IBM PowerPC „Gekko“ mit 32 Bit und 485 MHz – war für die frühen 2000er-Jahre hochentwickelt und konnte auch komplexe Befehle ausführen. Der von ATI entwickelte Grafik-Chip namens „Flipper“ verfügte zudem nach damaligen Maßstäben über extrem schnellen Speicher (1T-SRAM). Der Name kommt übrigens nicht von ungefähr, denn intern wurde der GameCube zunächst „Dolphin“ genannt.

Die GPU ermöglichte es dem GameCube jedenfalls trotz insgesamt bescheidener Gesamtkapazitäten, eine grafisch ansprechende Leistung mit flüssigem Bild und guten visuellen Effekten zu zeigen. Dazu kamen insgesamt 40 MB Arbeitsspeicher, aufgeteilt in 24 MB Hauptspeicher und 16 MB A-Speicher, was für schnelle Ladezeiten absolut ausreichend war.

Darüber hinaus bot der Nintendo GameCube aber vor allem eines: ein hohes Maß an Effizienz. Heute gilt es als erwiesen, dass sowohl Microsoft als auch Sony das Gerät und seine Architektur deshalb genau analysierten, um diesbezüglich nachziehen zu können. Darüber hinaus galt der lilafarbene Würfel als besonders einfach zu programmieren.

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Eine goldene Ära der Nintendo-Spiele

Die Konsole hatte also durchaus einiges zu bieten und auch beim Design hatte Nintendo grundsätzlich eine gute Idee. Der Tragegriff an der Rückseite war nämlich keinesfalls eine geschmackliche Verirrung. Stattdessen war das Gerät so gedacht, dass man es als „Party-Konsole“ nutzen oder bequem transportieren konnte. Entsprechend verfügte der GameCube auch über vier Ports, damit vier Personen miteinander spielen konnten. Dieser Grundgedanke ist bis heute bei vielen Nintendo-Geräten zu erkennen.

Entsprechend stammen aus dieser Zeit auch einige der bekanntesten Koop-Titel des Unternehmens. Dazu gehören etwa „Mario Kart: Double Dash!!“ oder „Mario Party“. Aber auch spätere Kult-Spiele wie „Super Smash Bros. Melee“, „Metroid Prime“ und „Resident Evil 4“ sind auf diese Nintendo-Ära zurückzuführen – letzteres war damals im Übrigen ein GameCube-Exclusive.

Viele dürften sich außerdem noch an „The Legend of Zelda: The Wind Waker“ erinnern, das auch heute noch als eines der besten „Zelda“-Spiele überhaupt gilt und etwa auch im Ranking bekannter Expertenmedien wie „GameStar“ sogar noch vor „Breath of the Wild“ landet. Dabei war der cartoonhafte Cel-Shading-Look vielen anfangs verhasst, wurde dann aber zum wichtigen Wiedererkennungsmerkmal.

Nintendo GameCube mit dem Spiel „Zelda: The Wind Waker“
Shutterstock / laur2321

Warum der GameCube am Ende zum Flop wurde

Doch trotz dieser Spiele und versteckten Features wie den verschiedenen Starttönen – je nachdem, ob man einen Button beim Start gedrückt hielt – konnte sich der GameCube am Ende nicht gegen die übermächtige Konkurrenz behaupten. Auf der Liste der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten landet er mit 21,74 Millionen verkauften Einheiten am Ende „nur“ auf Platz 23 und damit hinter der Xbox (Platz 22) und natürlich weit hinter der alles bestimmenden PlayStation 2.

Als Hauptgrund gilt heute die schnelle Abkehr der Entwicklerstudios, die ihre Spiele aufgrund der kleineren Discs stark komprimieren mussten. Im Vergleich zur Xbox und der PS2 hatte der GameCube außerdem standardmäßig keinen Netzwerkanschluss, während sich gleichzeitig Online-Gaming auf dem Vormarsch befand.

Wer mit der Würfel-Konsole online spielen wollte, benötigte dafür einen teuren Adapter. Zudem verlor Nintendo in dieser Zeit einen wesentlichen Teil der Spielerschaft wohl auch aufgrund des Designs. Die Konkurrenz machte explizit Werbung damit, erwachsener zu sein und mit Titeln wie „Grand Theft Auto“ oder „Halo“ auch entsprechende Spiele anzubieten.

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Wichtiger Meilenstein für Nintendos gesamte Strategie

Allerdings legte der GameCube den Grundstein für Nintendos heutige Strategie. Denn Nintendo wandte sich anschließend vom technischen Wettrüsten der anderen Hersteller ab und setzte voll auf eine sogenannte „Blue Ocean“-Strategie. Dabei werden innovative Konzepte und Kostenreduktion vorangestellt. Bereits bei der sehr erfolgreichen nachfolgenden Wii setzte Nintendo dann erstmals auf damals völlig neue Konzepte wie Bewegungssteuerung.

Trotz der schlechten Absatzzahlen hat der Würfel für viele heute einen Kult-Status. In diesem Kontext ist besonders eine lizenzierte, verchromte Version der Konsole von Hersteller Panasonic zu nennen, die teilweise sogar als „Heiliger Gral“ für Sammlerinnen und Sammler bezeichnet wird.

Unter Gaming-Fans gilt der 2007 eingestellte GameCube jedenfalls bis heute als kleiner Geheim-Favorit, der einen einzigartigen Status in der Community genießt. Viele der damaligen Spiele-Klassiker wurden zudem bereits für die Switch neu aufgelegt oder es existieren entsprechende Pläne.