Die Nintendo Switch kommt zwar immer näher, allerdings thront noch eine andere Konsole an der Spitze der meistverkauften Produkte dieser Sparte: die PlayStation 2. Das stationäre Gerät war ein Meilenstein für die Branche, prägt diese bis heute und lässt zahlreiche Spielerinnen und Spieler in alten Erinnerungen schwelgen.
Sonys Konsole wurde damals im Jahr 2000 als Nachfolger der ebenfalls sehr erfolgreichen PlayStation der ersten Generation veröffentlicht. Für insgesamt 12 Jahre wurde die PS2 am Ende produziert und die meisten haben, wenn sie an eine PlayStation denken, immer noch das schwarze eckige Gehäuse mit blauen Elementen vor Augen.
Ihren außergewöhnlichen Siegeszug verdankt die PlayStation 2 dabei mehreren Faktoren. Entscheidend waren aber die große Auswahl an Spielen, eine leistungsstarke Engine, die Abwärtskompatibilität – und natürlich der integrierte DVD-Player.
Wie die PlayStation 2 eine weltweite Verschwörungstheorie auslöste
Auf die technischen Daten der PlayStation 2 schaut man heute natürlich mit anderen Augen, damals waren sie aber in Teilen revolutionär. Die Konsole kam mit 32 MB RAM und einer Taktfrequenz von 294,912 MHz (später 299 MHz). Die Engine vermarktete Sony damals als „Emotion Engine“, weil sie besonders geeignet sein sollte, um Emotionen in Gesichtern zu verarbeiten.
Das Marketing war zwar leicht übertrieben, aber wirkungsvoll – teilweise sogar so sehr, dass befürchtet wurde, dass die Engine massenhaft aufgekauft werden könnte, um damit Raketen zu steuern. Es hielt sich sogar das hartnäckige Gerücht, der damalige Präsident des Irak, Saddam Hussein, habe zu diesem Zweck 4.000 Exemplare der Konsole ins Land schmuggeln lassen.
Auch von ferngesteuerten Flugzeugen war in diesem Kontext die Rede. Diese niemals auch nur im Ansatz bestätigte Verschwörungstheorie führte sogar dazu, dass eine kurzzeitige Verknappung der Konsole auf terroristische Aktivitäten zurückgeführt wurde.

Erfolgreich dank „Emotion Engine“ und „Graphics Synthesizer“
Das Marketing zur „Emotion Engine“ der PlayStation 2 war aber insofern korrekt, dass tatsächlich neue Maßstäbe in der Konsolenleistung gesetzt werden konnten. Das lag auch an der GPU namens „Graphics Synthesizer“. Diese lieferte eine Rechenleistung von 6,2 GFLOPS mit, was wiederum die CPU entlastete. Insgesamt erreichte die PS2 eine für damalige Verhältnisse revolutionäre Leistung, die den Einstiegspreis von 869 DM für viele rechtfertigte.
Das ikonische Design der PlayStation 2 ist im Übrigen eigentlich kein Original. Sony hatte sich stattdessen ein Patent von Atari gesichert. Dieses basierte auf dem Computermodell Atari Falcon 030 Microbox, das allerdings nie final veröffentlicht wurde.
Die PS2 ist die meistverkaufte Konsole aller Zeiten
Übrigens lief der Deutschland-Start damals etwas verhalten, auch von Sony selbst. Denn während in den USA zum Start 500.000 Exemplare zur Verfügung standen und in Japan sogar eine Million, waren es hierzulande nur 70.000 bis 80.000 Stück. Allerdings wurde Richtung Weihnachten deutlich aufgestockt. Wie etwa „Consolewars“ 2009 vermeldete, wurde die PlayStation 2 am Ende mehr als 6 Millionen Mal in Deutschland verkauft.
Ein unglaublicher Erfolg, genauso wie die weltweit insgesamt knapp 160 Millionen verkauften Exemplare. In ähnlichen Sphären bewegen sich nur die eingangs bereits erwähnte Nintendo Switch (155 Mio.) und der Nintendo DS (154 Mio.). Von Sony selbst war im Anschluss die PS4 (117 Mio.) am erfolgreichsten.

Der integrierte DVD-Player als Gamechanger
Das große Verkaufsargument schlechthin war vor allem das DVD-Laufwerk. Zur Jahrtausendwende war der Datenträger bereits voll etabliert und stellte eine beliebte Möglichkeit dar, als Nachfolger der Videokassette Filme zu Hause zu schauen. Allerdings kostete ein reiner DVD-Player zu dieser Zeit durchaus eine stolze Summe. Dass Sony mit seiner PlayStation 2 einen integrierten DVD-Player mitlieferte, machte die Konsole zum begehrten Multimedia-Gerät.
2004 folgte im Übrigen noch, wie schon beim Vorgänger, eine Slim-Variante. Das Modell war schlanker und leichter als die reguläre PS2. Zudem verfügte es erstmals über einen Ethernet-Anschluss, was für Online-Gaming sehr relevant war; WLAN war damals noch Zukunftsmusik. Die ursprüngliche PlayStation 2, die später auch als „Fat“-Modell bezeichnet wurde, kam noch ohne einen entsprechenden Anschluss. Dort mussten sich Spielerinnen und Spieler mit einem Adapter behelfen.
Es folgten weitere Varianten wie die PS2 Super Slim. Mit der Slim-Reihe wurden zudem verschiedene Farbmodelle für die Sony-Konsole eingeführt. So konnten sich Kundinnen und Kunden etwa zwischen Silber, Rot oder auch Metallicblau entscheiden. Eine besonders bekannte Ausgabe erschien im Jahr 2006: Das Gehäuse und auch der Controller waren komplett pink.
Spieler feiern bis heute Details der PlayStation 2
Auch heute noch erfreut sich das pinke Modell im Netz einiger Beliebtheit. Dasselbe gilt für zahlreiche kleinere Details in Bezug auf die PlayStation 2. So hatte etwa der Startbildschirm der Konsole eine geheime Bedeutung. Dort tauchten nämlich Türme aus dem Nebel auf.
Anzahl und Höhe der Türme waren damals individuell – je nachdem, wie viele Spiele die Person bereits auf der Konsole gespielt hatte beziehungsweise wie viele Speicherdaten auf der Memory Card vorhanden waren. Das war ein cleverer zusätzlicher Gamification-Ansatz für Spielerinnen und Spieler.
Dazu kamen – ganz analoge – Spielereien wie das drehbare PS2-Logo an der Laufwerkblende. Je nachdem, ob man die Konsole vertikal oder horizontal platzierte, konnte man das Logo entsprechend ausrichten. Bis heute ist die Sony-Konsole für solche Details bekannt.

Der Siegeszug der PlayStation 2 änderte die gesamte Branche
Darüber hinaus hat die PlayStation 2 nachhaltigen Einfluss auf die gesamte Branche genommen. Offiziell gehört die Konsole zur sechsten Konsolengeneration. Andere Hardware, die ebenfalls der Generation zugerechnet wird, ist die erste Xbox von Microsoft, der Nintendo GameCube oder auch der Sega Dreamcast. Diese Geräte lieferten sich einen erbitterten Kampf um dieselbe Zielgruppe – den die PS2 am Ende klar für sich entscheiden konnte.
Tatsächlich war Microsofts Xbox sogar eine direkte Reaktion auf diesen Erfolg. Bill Gates erkannte damals das Potenzial der Technologie und stieß entscheidende Änderungen im Unternehmen an, die dann Erfolge wie mit der Xbox 360 erst ermöglichten. Vor allem lieferte die PlayStation 2, etwa aufgrund des DVD-Players, einen wichtigen Beitrag dazu, dass Konsolen als reine „Spielzeuge“ aus Kinderzimmern ins Wohnzimmer wanderten und zu einem echten Massenphänomen wurden.

