Auch wenn die Temperaturen vielerorts aktuell ein wenig abgekühlt sind, so hat die Hitzewelle in Europa deutliche Spuren hinterlassen. Dabei wurden in mehreren Ländern Hitzerekorde geknackt und auch in Deutschland ist ein Teil der Infrastruktur an seine Grenzen gestoßen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) schreibt dazu, dass die Hitzewelle „ohne Umschweife als historisch eingestuft“ werden könne.
Historisch ist daran neben den Temperaturen selbst, dass es bereits so früh im Jahr enorm heiß geworden ist. Ein wesentlicher Grund dafür ist das Wetterphänomen El Niño, das die Temperaturen des Ozeans in die Höhe treibt. Eine Nasa-Forscherin warnt nun, dass die Hitzewelle der Weltmeere noch weitaus größere Auswirkungen haben wird, als man sie diesen Sommer bereits gesehen hat.
Rekordtemperaturen der Meere haben große Auswirkungen
Konkret lagen die Oberflächentemperaturen, die vom EU-Klimaprogramm Copernicus gemessen wurden, bereits am 21. Juni bei 20,86 Grad. Das stellt einen neuen Rekord gegenüber den erst in den Jahren 2023 und 2024 aufgestellten Werten dar. Denn durch El Niño werden die Passatwinde im Pazifik abgeschwächt, was zur Folge hat, dass warmes Oberflächenwasser zurück nach Südamerika schwappt.
Normalerweise wehen diese Winde von Osten nach Westen, was die wärmeren Wassermassen Richtung Südostasien und Australien bewegt. Vor Südamerika steigt dann normalerweise kühleres, nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben. Durch El Niño wird dieser Effekt allerdings umgekehrt, was das gesamte System durcheinanderbringt. Das Kippen der Zirkulation sorgt nämlich dafür, dass das Wasser vor Südamerika verdunstet, was heftige Regenfälle verursacht. Gleichzeitig bleibt aufgrund des verschobenen Effektes der Regen in Südostasien und Australien aus.
Auf Europa hat das zwar keine direkten Auswirkungen. Allerdings lässt die verschobene Zirkulation die globale Durchschnittstemperatur ansteigen – und das spüren wir auch hierzulande. Aktuelle Nasa-Messungen lassen diesbezüglich aufhorchen.

El Niño wirkt sich auch auf die Temperatur der Meere aus
Dazu erklärt Nasa-Forscherin Severine Fournier: „Im Augenblick sieht es so aus, als ob das ein Riesending wird.“ Schon im Frühjahr wurden Fournier zufolge Anzeichen für den El Niño entdeckt. Konkret geht es um die Auswirkungen auf den Meeresspiegel.
Denn wenn wärmeres Wasser nach oben drängt und das kalte vertreibt, führt das zu einer größeren Ausdehnung des Wassers. Das sich ausdehnende warme Wasser lässt außerdem das Eis der Pole weiterschmelzen – ein sich selbst befeuerndes System, das den Meeresspiegel immer weiter ansteigen lassen könnte.
Das für sich erhöht schon die Gefahr von Überschwemmungen. Copernicus zufolge sind aber zudem noch weitere Effekte durch die Meerestemperaturen zu beobachten. So würden beispielsweise zahlreiche Seegraswiesen dadurch absterben. Diese sind nicht nur wichtig für die Artenvielfalt, sie schützen die Küsten auch aktiv vor Erosionen und Sturmfluten.
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Die Angst vor einem „Super El Niño“
Zudem wird die generell in den Ozeanen gespeicherte Wärme zum akuten Problem, da sich daraus ein besonders starker El Niño entwickeln könnte. Das Phänomen wurde von den Medien bereits mehrfach als Super El Niño bezeichnet. Heißere Meere liefern zudem auch Stürmen mehr Energie, was sie zerstörerischer macht.
Vor einer solchen Entwicklung warnt auch die Max-Planck-Gesellschaft. Genauere Vorhersagen könne man allerdings erst gegen Ende des Sommers treffen. Ähnliche Bedenken äußerte unter anderem auch die neuseeländische Wetterbehörde. Dann würden die Temperaturen hierzulande zwar erst einmal wieder abkühlen.
Da die Folgen eines El Niño aber global sind, würden die Auswirkungen auf die eine oder andere Weise irgendwann auch in Europa ankommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnt in diesem Zusammenhang, dass El Niño „Öl ins Feuer der sich erhitzenden Erde“ gießen werde.

Enorme globale Auswirkungen befürchtet
Die Folgen einer solchen Entwicklung wären verheerend. Während es in Regionen wie Südostasien zu extremen Dürren und damit einhergehend etwa zu Waldbränden kommen könnte, drohen andernorts starke Überschwemmungen. In Europa könnte das neben den heißen Temperaturen im Sommer auch dazu führen, dass vor allem die Spätwinter extrem kalt werden. Das stellt wiederum unter anderem die Landwirtschaft vor enorme Herausforderungen.
Die Nasa stellt mit Blick auf die Messwerte einen Zusammenhang zum Extrem-Jahr 1997 her; damals wurde eines der bisher stärksten El-Niño-Ereignis gemessen. Auch in Deutschland war dieses Jahr durch enorme klimatische Gegensätze geprägt und es kam unter anderem zur bislang größten Überschwemmungskatastrophe der Oder.
Die globalen Folgen äußerten sich ebenfalls durch mehrere Extremwetter-Ereignisse. Dabei starben insgesamt mehr als 20.000 Menschen. Zudem stieg die Armutsquote in zahlreichen von Naturkatastrophen betroffenen Ländern. Expertinnen und Experten warnen davor, dass solche Entwicklungen unter anderem das Risiko bewaffneter Konflikte befeuern – wie auch eine neue Studie beweist, die im Fachjournal PNAS veröffentlicht wurde – und zudem Wirtschaft und auch die Grundversorgung vielerorts enorm belasten.

