„El Niño“ ist spanisch und bedeutet so viel wie „der Junge“ oder auch „das Kind“. Der Begriff bezeichnet allerdings auch ein Wetterphänomen, dessen Auswirkungen deutlich gefährlicher sein können, als es der Name suggeriert. Konkret geht es dabei um eine Veränderung der Meeresströmungen im tropischen Pazifik. Das Phänomen tritt zyklisch alle zwei bis sieben Jahre auf und könnte Einschätzungen zufolge 2026 zurückkehren.
Die Anzeichen dafür verdichten sich zumindest und immer häufiger ist sogar von einem „Super El Niño“ die Rede. Gemeint ist, dass das Phänomen 2026 deutlich heftiger ausfallen könnte. Die Folgen wären verstärkte Extremwetter-Ereignisse wie Hitzewellen, Dürre, Gewitter, Hochwasser und schwere Stürme. Wie real ist die Gefahr tatsächlich?
„El Niño“ verstärkt Extremwetter-Ereignisse und befeuert den Klimawandel
Die aktuellen Einschätzungen beruhen auf den Prognosedaten mehrerer Wettermodelle. Diese deuten darauf hin, dass sich das Meerwasser nahe der Oberfläche im tropischen Pazifik in der Nähe des Äquators in den kommenden Monaten erwärmen könnte. Je nachdem, wie stark diese Erwärmung ausfällt, wäre mit teilweise weitreichenden Folgen zu rechnen. Diese richten sich nach dem sogenannten „Niño-3.4-Wert“, der wiederum die Abweichungen der Meeresoberflächentemperaturen im Pazifik im Vergleich zum langjährigen Mittel angibt.
Eine wissenschaftlich festgelegte Grenze, ab der man von einem „Super El Niño“ spricht, gibt es im Übrigen nicht und es handelt sich auch nicht um einen offiziellen Fachbegriff. Gemeint ist lediglich, dass die Folgen stärker ausfallen als üblich. Zuletzt war das 2015/2016 der Fall, davor 1997/1998. 2023/2024 war aufgrund der „El Niño“-Entwicklung ebenfalls eine extrem heiße Periode, allerdings wird diese nicht zur „Super“-Kategorie gezählt.
In diesen Jahren kam es zu extremen Temperaturen, Dürren in Südostasien und Afrika sowie Überschwemmungen in Südamerika und Teilen der USA. Das zeigt noch einmal deutlich, dass die Auswirkungen global sind. In Europa dürften die Folgen vergleichsweise nur abgeschwächt auftreten. Doch auch in diesen Breitengraden kämpfen die Menschen vor allem im Sommer bereits mit den Temperaturen und stellenweise mit Wasserknappheit.

Wie wahrscheinlich ist ein „Super El Niño“ im Jahr 2026?
Gegenüber dem „Spiegel“ (Bezahlschranke) erläutert etwa Mojib Latif, Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, dass die aktuelle Entwicklung im Pazifik „wie nach Lehrbuch“ verlaufe. Latif sagte auf Basis seiner Forschungsdaten etwa den „Super El Niño“ 1997/1998 korrekt voraus. Als starkes Indiz stellt er etwa die charakteristischen Schübe von Westwinden im Pazifik heraus. Diese schwächen die Passatwinde aus der Gegenrichtung ab, weshalb es zu einem Wärmestau kommt. Als Folge messe man bereits jetzt deutlich gestiegene Meerestemperaturen vor Peru, so der Klimaforscher.
Expertinnen und Experten zeigen sich mit Blick auf die Entwicklungen aktuell aufmerksam, aber noch nicht alarmiert. Wie etwa die Klimaforscherin Friederike Otto im Gespräch mit dem „Bayerischen Rundfunk“ erklärt, bestehe aber durchaus eine reale Gefahr. Diese ergebe sich auch aus der Tatsache, dass sich die Welt aufgrund von Treibhausgasen bereits im Vergleich zu früheren Jahren erwärmt habe.
Wetterphänomen mit globalen Folgen
„El Niño“ könne die bereits in Gang gesetzten Prozesse des Klimawandels noch verstärken, so die Expertin. Und auch der Meteorologe Andrej Flis vom Wetterdienst „Severe Weather Europe“ betont den verstärkenden Effekt.
„Eine so intensive Erwärmung des tropischen Pazifiks kann den Jetstream grundlegend ändern und einen Domino-Effekt verursachen, der sich auf Nordamerika, Europa und den Rest des Globus auswirken wird“, erklärt er. Das macht das Phänomen auch zu einer handfesten ökonomischen Gefahr, die angesichts schwelender globaler Krisen noch ernster zu nehmen ist.

