„Man ist nur so alt, wie man sich fühlt“ ist ein bekanntes Sprichwort, ähnlich wie „Alter ist auch nur eine Zahl“. Beides meint, dass das sogenannte „chronologische Alter“, die Anzahl der Lebensjahre, nicht ausschlaggebend dafür ist, wie man sich fühlt. Das macht das Älterwerden zu einer sehr subjektiven Angelegenheit, die stark vom Individuum abhängt. Das zeigen auch einige Studien zu dem Thema.
So wurde auf Basis der Daten des Deutschen Alterssurveys festgestellt, dass sich Frauen im Schnitt erst zweieinhalb Jahre später „alt“ fühlen als Männer. Ein Erklärungsansatz dafür wird in der längeren Lebenserwartung von Frauen gesehen. Generell scheint die Lebenserwartung bei diesem Thema eine Rolle zu spielen. Denn mit durch etwa Medizin steigende Lebenserwartung der jüngeren Vergangenheit steigt auch das Altersempfinden. So gaben 65-jährige Personen in früheren Generationen an, dass man ab 71 als „alt“ gilt, wohingegen diese Kohorte das Gefühl heutzutage erst ab 75 definiert.

In verschiedenen Kulturen gibt es auch ein unterschiedliches Altersempfinden
Offenbar spielt also eine Rolle, wie nahe das gefühlte Lebensende rückt. Zudem sind offenbar auch das Renteneintrittsalter sowie die generell verbesserte Gesundheitslage relevant. Darüber hinaus scheint es, möglicherweise aufgrund der Stigmatisierung des Begriffs, dass Menschen mit steigender Anzahl an Lebensjahren auch das Empfinden des „Altseins“ nach hinten schieben. Die Schwelle wird also mit den eigenen steigenden Lebensjahren subjektiv immer weiter nach hinten verschoben.
„Es ist unklar, inwieweit der Trend zum Aufschieben des Alters eine positivere Einstellung gegenüber älteren Menschen und dem Altern widerspiegelt oder eher das Gegenteil“, erklärt der Psychologe Markus Wettstein, der an einer viel beachteten Studie zum Thema des subjektiven Alters beteiligt war. „Vielleicht wird der Eintritt ins Alter aufgeschoben, weil die Menschen das Altsein als einen unerwünschten Zustand betrachten.“ Das gilt offenbar zumindest für westliche Kulturen.

Wer „alt“ ist, wird sowohl biologisch als auch subjektiv entschieden
Dazu kommt, dass Menschen tatsächlich langsamer älter werden, als noch in früheren Jahren. Das liegt nicht nur am sogenannten „Retrospective Aging“, dass Menschen auf alten Fotos aufgrund von Mode und Fototechnik als älter wahrgenommen werden. Studien zeigen, dass das biologische Alter heutzutage im Durchschnitt tatsächlich niedriger ist als im Vergleich zur Eltern- oder Großelterngeneration.
Neben dem subjektiven Gefühl spielt die Biologie bei der Frage, ab wann man „alt“ ist, also tatsächlich eine Rolle. Dafür sind einige Marker im Körper relevant, die sich deutlich auf die Gesundheit auswirken. Dazu gehören etwa Blutdruck und Cholesterinwerten. Expertinnen und Experten zufolge ist man heutzutage erst ab 80 offiziell „alt“, wobei im Detail die körperliche und auch die geistige Verfassung eine Rolle spielen. Darüber hinaus gilt allerdings in der Gerontologie die Faustregel, dass man erst dann „alt“ ist, wenn die Hälfte des eigenen Geburtsjahrgangs schon verstorben ist.
