Der Konsolenmarkt ist heute vor allem zwischen zwei großen Namen aufgeteilt: Microsoft und Sony beziehungsweise Xbox und PlayStation (teilweise kann auch die Nintendo Switch mit ihrem hybriden Modell dazugerechnet werden). Zwar sieht es im Handheld-Bereich grundlegend anders aus. Mit Blick auf die Heimkonsolen ist an diesen zwei Namen aber bereits seit Jahrzehnten kein Vorbeikommen. Dass auch die Xbox dort vertreten ist, hat sie vor allem einem Modell zu verdanken: der Xbox 360.
Die Konsole kam damals im November 2005 auf den Markt und damit ein Jahr vor Konkurrenz-Produkten wie der PlayStation 3 und der Nintendo Wii. Die PlayStation war übrigens auch der Grund für den Namenszusatz „360“. Damit wollte man sich von der Nummerierung, wie sie bei Sony bis heute üblich ist, abgrenzen; ein Konzept, das immer noch Bestand hat. Die Zahl 360 soll zudem symbolisieren, dass die Spielerinnen und Spieler im Zentrum stehen.
Das frühere Startdatum sicherte dem Unternehmen einen entscheidenden Vorteil, zumal die Xbox 360 damit als Vorreiter der HD-Ära gilt. Zudem kam die Konsole mit revolutionären 512 MB RAM, was das Gerät aus damaliger Sicht zukunftssicher machte. Und die Konsole etablierte damals eine weitere Technologie, die entscheidend für den Erfolg wurde: Online-Gaming.
Online-Gaming und Errungenschaftsmodelle
Bevor die Xbox 360 auf den Markt kam, wurde Online-Gaming für Konsolen eher lieblos behandelt. Die Microsoft-Konsole änderte das. Mit Xbox Live kamen nämlich damals bahnbrechende Funktionen wie übergreifende Freundeslisten oder der systemweite Party-Chat. Heute gehören solche Features zum Standard der Branche. In den 00er-Jahren schloss die Konsole damit allerdings eine entscheidende Lücke zum PC.
Und noch eine wegweisende Änderung hielt mit der Xbox 360 Einzug: der Gamerscore. Dahinter steckt ein – heute ebenfalls weitverbreitetes – Errungenschaftssystem. Spielerinnen und Spieler wurden dabei accountgebunden für das Absolvieren von Aufgaben belohnt. Andere Anbieter wie Sony oder auch die Spieleplattform Steam zogen aufgrund des Erfolgs nach.

Einer der ikonischsten Controller aller Zeiten
Wenn Konsolen-Fans der damaligen Zeit heute an die Xbox 360 denken, dann spielt außerdem der Controller eine wichtige Rolle. Bis heute wird das Gerät von vielen als ergonomisches Meisterwerk gefeiert. Das Eingabegerät wurde damals auf der E3 im Jahr 2005 vorgestellt und kam mit einer eigentlich simplen, aber dennoch revolutionären Idee: diagonal beziehungsweise asymmetrisch angeordnete Analogsticks.
Damit hob sich der Controller deutlich von der Konkurrenz ab und lag zudem ergonomischer in der Hand. Bis heute gibt es Spielerinnen und Spieler, die das Eingabegerät aus Überzeugung nutzen, auch wenn sich technisch in den vergangenen 20 Jahren vieles verändert hat. Auch im PC-Bereich galt der Microsoft-Controller deshalb lange als Standard-Gamepad.
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Die Xbox 360 kam mit einigen legendären Spielen
Ebenso wichtig wie die Hardware sind im Gaming-Bereich aber natürlich auch die Spiele. Und diesbezüglich fuhr Microsoft bei der Xbox 360 eine sehr erfolgreiche Strategie. Für die Konsole erschienen damals Titel wie „Halo 3“, „Fable II“, „Alan Wake“, „Forza Motorsport 3“ oder „Gears of War“. Dazu kam XBLA (Xbox Live Arcade), ein früher digitaler Vertriebskanal des US-amerikanischen Unternehmens.
Damit zeigte Microsoft, dass für einen erfolgreichen Spielevertrieb nicht unbedingt eine physische Version des Spiels maßgeblich ist. Davon profitierten vor allem kleinere Indie-Titel, was unter anderem 2008 zum „Summer of Arcade“ führte. Indie-Titel wie „Braid“ oder „Castle Crashers“ konnten dadurch enorme Erfolge feiern, wovon auch die Konsole profitierte – und am Ende die gesamte Branche.

Der RROD ist Spielern bis heute ein Begriff
In der Geschichte der legendären Konsole lief aber natürlich auch nicht alles glatt. Besondere Bekanntheit erlangte der sogenannte „Red Ring of Death“ (RROD). Dabei handelte es sich um ein massives Hardware-Problem der Xbox 360. Aufgrund der ständigen Erhitzung und anschließenden Abkühlung dehnte sich das Material an den Lötstellen immer wieder aus, um sich dann zusammenzuziehen.
Das belastete wiederum die bleifreien Lötstellen unter der GPU, was dazu führte, dass sich der Chip vom Mainboard löste, was letztlich einen Totalausfall der Hardware zur Folge hatte. Die Überhitzung wurde durch drei rote LED-Leuchten rund um den Power-Button angezeigt; daher rührt auch der Name. Der „Red Ring of Death“ führte damals zu einigen absurden Lösungen.
So machte teilweise der sogenannte „Handtuch-Trick“ Schule. Dabei wickelten Nutzerinnen und Nutzer die angeschaltete Konsole in Handtücher, um absichtlich eine Überhitzung herbeizuführen. Die Idee dahinter: Durch die Hitze verschmolzen die Lötstellen im Inneren wieder für kurze Zeit, was das Problem zumindest kurzzeitig beheben konnte.
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Xbox 360 war prägend für die Geschichte von Microsoft
Microsoft reagierte darauf mit einer bis heute nahezu beispiellosen Garantieaktion. Diese kostete das Unternehmen zwar ungefähr eine Milliarde Dollar. Allerdings war der Schritt enorm wichtig, um das Vertrauen der Spielerinnen und Spieler nicht zu verlieren und prägte zudem den Ruf des Unternehmens und der Konsole maßgeblich.
Die Xbox 360 gilt damit heute als Paradebeispiel dafür, wie ein Unternehmen aus einem fehlerhaften und bemängelten Produkt mit nachträglichen Verbesserungen doch noch einen Erfolg machen kann. Dazu kommen einige ikonische Werbeaktionen wie etwa durch den damaligen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Dieser sicherte sich 2008 in beliebten Xbox-Spielen wie „Burnout Paradise“ oder „Madden NFL 09“ digitale Werbetafeln, die dann im Spiel mit dem bekannten Slogan „Vote for Change“ zu sehen waren.
2013 wurde dennoch mit der Xbox One das Ende einer Ära eingeläutet. 2016 wurde dann die Produktion des 360er-Modells endgültig eingestellt. Mit etwa 85 Millionen verkauften Einheiten reicht der Erfolg zwar nicht an die Zahlen der PlayStation 3 (87 Millionen) und der Nintendo Wii (101 Millionen) heran. Dennoch handelt es sich bis heute um die bestverkaufte Microsoft-Konsole aller Zeiten. Damit und auch mit den Features, die die Xbox 360 etabliert hat, hat sie die Gaming-Branche maßgeblich geprägt.

