Ein grauer, rechteckiger Kasten, vorne je zwei Anschlüsse und zwei Card-Steckplätze, oben in der Mitte ein Laufwerk – die erste PlayStation, auch PS1 genannt, erinnert beinahe an einen CD-Rekorder. Hinter der vor allem aus heutiger Sicht unspektakulären Hülle verbirgt sich allerdings ein echtes Kultgerät, das eine komplette Branche nachhaltig geprägt hat.
Schaut man sich die Geschichte der PS1 an, dann beginnt diese recht dramatisch mit einem filmreifen Verrat, denn die Entwicklung der Konsole durch das Unternehmen Sony basiert eigentlich auf einer Zusammenarbeit mit Konkurrent Nintendo. Beide Gaming-Riesen kommen aus Japan und hatten sich für ein CD-ROM-Laufwerk für das Super Nintendo Entertainment System (SNES) zusammengetan.
Schon aus dieser Zeit Ende der 1980er-Jahre stammt der Name „PlayStation“, der auch in getrennter Schreibweise als Codename für das Projekt genutzt wurde. Auf der Consumer Electronics Show (CES) 1991 folgte dann allerdings der „Verrat“. Sony stellte damals die gemeinsame Konsole vor, nur einen Tag später gab Nintendo bekannt, die Zusammenarbeit mit Sony zu beenden und künftig eine Partnerschaft mit Konkurrent Philips einzugehen – mit für das Unternehmen ungeahnten Konsequenzen.
PlayStation existiert nur dank Nintendos Verrat
Ohne Nintendo und SNES würde es die Sony-Konsole überhaupt nicht geben. Denn als Reaktion auf die Nintendo-Bekanntgabe überzeugte der wohl recht aufgebrachte Sony-Entwickler Ken Kutaragi den Konzern, aus Rache eine eigene Konsole zu bauen. Kutaragi gilt deshalb bis heute als „Vater der PlayStation“. Im Dezember 1994 war es dann so weit: In Japan wurde die PlayStation 1 offiziell gelauncht – und avancierte zum sofortigen Erfolg.
1995 folgte dann der weltweite Verkauf. Auf einer bis heute legendären Keynote auf der E3 wurde vor allem der Preis thematisiert, der damals mit 299 Dollar teilweise weit unter dem der Konkurrenz lag. Das und ein weiteres Merkmal machten die Sony-Konsole international zu einem enormen Erfolg: das CD-Laufwerk. Ironischerweise wurde also ausgerechnet das Feature, wegen dem Sony und Nintendo ursprünglich zusammengearbeitet hatten, zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für die PS1.

CD-ROM wurde zum Gamechanger für eine ganze Branche
Während nämlich Nintendo und auch Sega, die den Konsolen-Markt über Jahre unter sich aufgeteilt hatten, lange noch an teuren Steckmodulen festhielten, setzte die PlayStation direkt voll auf die CD-ROM. Diese war nicht nur deutlich günstiger in der Herstellung und damit am Ende auch bezahlbarer für die Spielerinnen und Spieler. Sie war im Vergleich auch einfacher zu handhaben und bot darüber hinaus spürbar mehr Speicherplatz.
Das ermöglichte wiederum eine sichtbar verbesserte Grafik und auch im Sound war ein deutlicher Qualitätssprung zu hören. In der allerersten Baureihe für den europäischen Markt verbaute Sony einen sehr hochwertigen DAC und direkte Cinch-Ausgänge, weshalb das Modell heute noch bei Audio-Enthusiasten enorm beliebt ist. Dritthersteller erkannten den Vorteil durch CDs schnell und gaben Sony den Vorzug.
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Zur CD-ROM gibt es im Zusammenhang mit PlayStation übrigens diverse Fun Facts. Sony verkaufte seine Spiele damals nämlich auf Discs mit einer schwarzen Unterseite. Viele gingen davon aus, dass das etwas mit dem Kopierschutz zu tun habe. Tatsächlich handelte es sich allerdings nur um einen weiteren Marketing-Trick; die schwarzen Seiten sahen schlicht cooler aus.
Einige PS1-Spiele wie „Gran Turismo 2“ besaßen zudem eine spezielle Beschichtung für den sogenannten „Scratch and Sniff“-Test. Wenn man über die bedruckte Seite rubbelte, verströmte diese den Geruch von verbrannten Gummireifen und Benzin.
PlayStation wurde dank gutem Marketing zum Lifestyle-Produkt
Darüber hinaus tat sich Sony noch vor allem in einer Sache hervor: cleverem Marketing. Denn während vor allem Nintendo mit seinem Game Boy und auch mit dem SNES in erster Linie ein jüngeres Publikum ansprach, änderte Sony seine Strategie. Besonders bekannt ist dabei die Maßnahme, dass das Unternehmen PlayStation-Konsolen in Nachtclubs aufstellte, um eine weitere – grundsätzlich Gaming-affine – Zielgruppe zu erschließen. Darauf lag auch bei der Spieleentwicklung ein Fokus.
Plötzlich wurde Gaming damit zum Lifestyle-Produkt für junge Erwachsene. Damit hat Sony auch einen wichtigen Beitrag zur heutigen Bedeutung der Branche geleistet, die lange ein Nischendasein fristete. Allerdings war nicht jede Marketing-Idee rund um die Konsole von Erfolg gekrönt. So wurde der ursprünglich als Marken-Maskottchen gedachte Polygon Man samt diversen gebrandeten Artikeln direkt wieder eingestampft, weil er mit veralteter Technik entworfen worden war.

Legendärer Controller und Rekord-Verkäufe
Auch die Controller waren ein wichtiger Erfolgsfaktor. 1997 kam nämlich der DualShock auf den Markt, der zwei Analog-Sticks und eine Vibrationsfunktion besaß. Heute sind diese Dinge Standard. Während Nintendo hier bis heute auf Buchstaben – A, B, X und Y – setzt, etablierte Sony Symbole. Was viele nicht wissen: Diese Symbole sind nicht zufällig gewählt. Das Dreieck steht für den Blickwinkel der spielenden Person, das Viereck symbolisiert hingegen ein Stück Papier und somit etwa das Spielmenü. Kreis und Kreuz stehen entsprechend ihrer gängigen Bedeutung für „Ja“ und „Nein“.
Zwischen dem Marktstart im Jahr 1994 und der Einstellung im Jahr 2006 wurde die PS1 unglaubliche 102 Millionen Mal verkauft. Damit liegt sie in der Liste der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten auf Platz 6. Und auch die nachfolgenden Modelle waren extrem erfolgreich, allen voran die PS2, die bis heute mit etwa 160 Millionen Einheiten die meistverkaufte Konsole überhaupt ist.
Allerdings ist ihr die Nintendo Switch mit 155 Millionen Exemplaren dicht auf den Fersen. Übrigens hat die erste PlayStation damit auch das Produkt hinter sich gelassen, das den Stein erst ins Rollen gebracht hat: das SNES (knapp 49 Millionen verkaufte Einheiten).

