Geheimer Blut-Code und Michael Jackson: Die Geschichte des Sega Mega Drive

In den 90ern lieferten sich Sega und Nintendo einen erbitterten Kampf auf dem Heimkonsolen-Markt. Der Sega Mega Drive war nicht nur blitzschnell, er brachte auch freche Werbung, ein ikonisches Maskottchen und einen heimlichen Blut-Code mit sich.
Geheimer Blut-Code und Michael Jackson: Die Geschichte des Sega Mega Drive
picture alliance

Der Sega Mega Drive ist nicht nur eine der bekanntesten Retro-Konsolen überhaupt. In den 90er-Jahren galt das Gerät als Inbegriff des Gaming-Lifestyles und war zudem ein wesentlicher Herausforderer für Marktführer Nintendo, was für die Marktentwicklung von entscheidender Bedeutung war.

Dafür nutzte Hersteller Sega sein Wissen aus der Spielhalle, das zuvor vor allem beim Bau von Arcade-Automaten zum Einsatz kam. Mit seinem Motorola-68000-Prozessor war es deutlich schneller als die Konkurrenz von Nintendo.

Dazu kamen ein einzigartiger Sound, eine Auflösung von 320 x 224 Pixeln mit 512 Farben, von denen standardmäßig nur 61 gleichzeitig angezeigt werden konnten, und vor allem Abwärtskompatibilität. Das ermöglichte es Besitzerinnen und Besitzern des Sega Mega Drive, mit dem entsprechenden Adapter auch die Spiele des Vorgängers, des Sega Master Systems, zu spielen. Das alles verschaffte der Konsole einen entscheidenden Vorteil.

Anzeige

Der Sega Mega Drive ebnete den Weg in die 16-Bit-Ära

Mit der Einführung der heutigen Kult-Konsole im Jahr 1988 läutete der Konzern nämlich das 16-Bit-Zeitalter ein, das entscheidend für die Entwicklung von Heimkonsolen war. Erfolgreiche Konsolen zuvor – wie etwa der Commodore 64 oder auch das NES – setzten noch auf 8 Bit. Der Sprung war optisch deutlich sichtbar. Der Sega Mega Drive war dann die erste Konsole mit 16-Bit-Architektur (abgesehen von der kaum bekannten Mattel Intellivision aus dem Jahr 1979).

Das verhalf ihm vor allem in den USA zu großem Erfolg. Aufgrund von Markenrechten hieß das Gerät dort allerdings Sega Genesis. Auf dem heimischen japanischen Markt floppte die Konsole hingegen nahezu, was auch mit der begrenzten Anzahl von Spielen zu tun hatte. Viele Titel reizten zudem die technischen Möglichkeiten des Sega Mega Drive überhaupt nicht aus, weshalb diese zunächst kaum zum Tragen kamen.

Anzeige
Videospiel für den Sega Mega Drive mit dem Schriftzug „Mega Drive“
picture alliance

Werbelügen und blaue Igel: Segas brillanter Marketing-Schachzug

Dazu kam eine Marketing-Kampagne, die damals ihresgleichen suchte. Denn um sich auf dem Markt zu positionieren, tat Sega alles, um sich als coole Marke für Teenager zu präsentieren. Konkurrent Nintendo wurde hingegen als Marke ausschließlich für Kinder dargestellt. Wesentlich dafür war auch Maskottchen Sonic the Hedgehog. Der blaue Igel war vorlaut und schnell und damit ein wirkungsvolles Gegenstück zu Nintendos Mario.

Dazu kam eine Marketing-Lüge, die heute noch einige zum Schmunzeln bringt. Um sein Produkt zu bewerben, sprach der Hersteller nämlich von „Blast Processing“, um zu betonen, wie schnell seine Konsole war. Dieser Begriff war allerdings frei erfunden und hatte keinerlei technische Grundlage – er klang allerdings einfach cool. Legendär sind zudem weitere Kampagnen wie die Zusammenarbeit mit Superstar Michael Jackson – ein bekennender Sega-Fan – für das Spiel „Moonwalker“.

Um das Problem der geringeren Spieleauswahl zu beheben, war Sega zudem recht freigiebig mit seinen Lizenzen. Das führte zu einem rasanten Anstieg der zur Verfügung stehenden Titel. Ein Entwickler tat sich dabei besonders hervor: Electronic Arts mit seiner Marke EA Sports. Das war sowohl für den Erfolg von Sega als auch von EA entscheidend. Sport-Spiele wie „NHL Hockey“ oder „FIFA International Soccer“ erfreuten sich schnell großer Beliebtheit.

Sega Mega Drive unterlag am Ende Sony und Nintendo

Am Ende kam der Sega Mega Drive auf etwa 30 Millionen verkaufte Einheiten. Das ist gut, allerdings weit von den Sphären der anderen großen Hersteller entfernt. Insgesamt landet die Konsole damit – nur oder immerhin – auf Platz 19 der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten. Von der Spitze grüßen aktuell die PlayStation 2 (mehr als 160 Millionen verkaufte Einheiten) und die Nintendo Switch (155 Millionen).

Dass es der Sega Mega Drive nicht noch weiter nach vorne geschafft hat, liegt einmal mehr an Konkurrent Nintendo. Dieser brachte nämlich 1990 sein Super Nintendo Entertainment System (SNES) auf den Markt. Ab 1994 mischte auch Sony mit seiner PlayStation kräftig mit, die wohl vor allem deshalb entwickelt wurde, weil Nintendo bei einem Deal wortbrüchig geworden war.

Jemand spielt mit dem Sega Mega Drive und einem Controller
picture alliance

Sega ist niemals ganz aus dem Gaming-Geschäft verschwunden

Sega versuchte zwar noch, seine Marktposition zu behaupten, musste sich aber letztlich geschlagen geben. Zwar folgten auf den Mega Drive noch der noch der Sega Saturn (1994) und die Sega Dreamcast (1998). Vor allem letztere scheiterte allerdings, wonach Sega dem Konsolen-Geschäft den Rücken kehrte.

Allerdings gilt die Konsole heute noch als Kult-Gerät und konnte Sega langfristig dabei helfen, sich bis heute auf dem Markt zu behaupten. Spiele wie „Sonic“ sind zudem fester Bestandteil der Gaming- und auch der generellen popkulturellen Geschichte.

Der Branche verdankt Sega unter anderem auch die Einführung des USK- beziehungsweise ESRB-Ratings. Während nämlich andere Hersteller die Darstellung von Blut vermieden, gab es für den Sega Mega Drive einen geheimen Code, „A-B-A-C-A-B-B“. Mit diesem konnte man das zensierte Blut im Spiel „Mortal Kombat 1“ sehen.