Im Jahr 1982 kam der Commodore 64 auf den Markt, der auch liebevoll C64 – oder noch liebevoller „Brotkasten“ – genannt wird. Das vom Holocaust-Überlebenden Jack Tramiel gegründete Unternehmen Commodore war ursprünglich auf Taschenrechner spezialisiert, wandte sich dann aber zunehmend der Computerwelt zu. Ein wichtiges Motto war dabei stets, dass die Produkte massentauglich und somit auch erschwinglich sein mussten.
Nach Deutschland kam der Commodore 64 dann 1983 zum durchaus stolzen Preis von 1495 DM, wobei der Preis schrittweise auf knapp 600 DM sank. Spätestens mit dem „Aldi-C64“, der 1987 beim Discounter zu erwerben war, hatte der Heimcomputer seinen Ruf weg. Die technischen Daten der damaligen Zeit lesen sich aus heutiger Sicht natürlich eher unterhaltsam. Ein MOS Technology 6510 Prozessor mit 1 MHz Taktfrequenz und 64 KB RAM, denen der C64 seinen Namen verdankt, reichten damals allerdings aus, um schließlich eine ganze Generation zu prägen.
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Commodore 64: Vom „Brotkasten“ zum Bestseller
Seinen Spitznamen („Brotkasten“) hat sich der C64 mit seiner Optik verdient. Vor allem das frühe Design war klobig und erinnerte äußerlich tatsächlich stark an das Küchenutensil. Ursprünglich war übrigens eine Spielekonsole geplant, die der Konkurrenz, namentlich vor allem Atari, den Rang ablaufen sollte. Angesichts der technischen Limitierungen des Vorgängers, des VC-20, änderte sich die Strategie allerdings und es wurde auf einen Nachfolger mit mehr Speicherplatz umgeschwenkt.
Der Commodore 64 entwickelte sich dann schnell zum Verkaufsschlager. Er steht sogar offiziell im Guinness-Buch der Rekorde. Mit geschätzt 12,5 Millionen verkauften Einheiten handelt es sich nämlich um den bestverkauften Desktop-Computer aller Zeiten.

Commodore 54 war entscheidend für Entwicklung der Programmiererszene
Wesentlich für diesen Erfolg war – neben dem Preis – vor allem die rasante Spieleentwicklung zu dieser Zeit. Um diese spielen zu können, brauchte man die entsprechende Hardware. Im Laufe der Jahre sollen so schätzungsweise 10.000 kommerzielle Spiele für den Commodore 64 zusammengekommen sein. Dazu kam cleveres Marketing wie etwa das Sponsoring des FC Bayern München durch Commodore.
Aber auch die sogenannte „Demoszene“ wurde zum wichtigen Erfolgstreiber. Dabei ging es darum, dass Nutzerinnen und Nutzer selbst zu Programmiererinnen und Programmierern wurden, um bemerkenswerte Details aus dem Gerät herauszuholen. Die zugängliche Programmierbarkeit und die breite Verfügbarkeit des C64 befeuerte zudem die Entwicklung zahlreicher, später teilweise sehr erfolgreicher Entwicklerstudios, deren Gründerinnen und Gründer ihr Handwerk an dem Commodore-Gerät gelernt hatten.
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Commodore-Insolvenz und das Erbe des Kult-Rechners
Neben dem Gaming-Aspekt bot der Commodore 64 – im Gegensatz zu der ursprünglich geplanten Spielekonsole – den Vorteil, dass er auch zahlreiche andere Anwendungsfälle bedienen konnte. So konnte das Gerät den großen „Video Game Crash“ im Jahr 1983 einigermaßen unbeschadet überstehen. Damals wurde der noch junge Markt mit zahlreichen minderwertigen Spielen geflutet, was zu einer Rezession in der Branche führte.
Der Commodore 64 erhielt noch weiterentwickelte Nachfolger, die teilweise ebenfalls recht erfolgreich waren. Ab Ende der 80er- und dann vor allem ab Anfang der 90er-Jahre verlor Commodore allerdings zusehends den Anschluss. Vor allem technisch enteilte die Konkurrenz dabei immer weiter. 1994 musste das Unternehmen dann Insolvenz anmelden; Visionär Jack Tramiel hatte den Konzern damals längst verlassen und war zu Atari gewechselt.
Am Kultstatus des C64 hat das jedoch nichts geändert. Im Jahr 2018 kam das Gerät sogar in einer geschrumpften Mini-Version als Neuauflage zurück.Bis heute hat der Commodore 64 eine treue Fangemeinde und rückblickend gesehen hat er die Branche und mindestens eine Generation maßgeblich geprägt.

