Krieg, Naturkatastrophen, Blackout – in solchen extremen Krisenfällen ist es wichtig, die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen abdecken zu können. Und diese bestehen in erster Linie aus genügend Essen und Wasser. Deshalb wird auch empfohlen, dass jeder Haushalt, dem das möglich ist, einen Notfallvorrat anlegt, um sich im Zweifelsfall einige Tage versorgen zu können.
Darüber hinaus verfügt aber auch der Staat über eine Lebensmittelreserve für den Ernstfall. Diese soll auf mehr als 150 geheime Orte verteilt sein, die sich in staatlicher Hand befinden. Das möchte der zuständige Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) künftig allerdings ändern.
Regierung möchte Lebensmittelreserven ausbauen
Stand jetzt besteht die deutsche Lebensmittelreserve der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zufolge vor allem aus Weizen, Roggen, Hafer, Reis und Hülsenfrüchten, wobei noch zwischen Bundesreserve und ziviler Notfallreserve unterschieden wird. Zusätzlich wird in den Werkslagern der Hersteller noch Kondensmilch bevorratet.
Dieses Konzept möchte das Ministerium nun ausbauen. So soll der Vorrat teilweise auch auf den Handel und die Hersteller ausgeweitet werden. So soll ein fester Teil etwa in Lagerhallen zur Verfügung stehen. Und auch beim Inhalt der Lebensmittelreserven soll es Änderungen geben.

Neues Konzept für den Krisenvorrat und seine Lagerung
Gegenüber der Funke Mediengruppe erklärte Rainer: „Neben den klassischen Reserven wollen wir künftig auch mehr sofort verfügbare Lebensmittel einbeziehen, also Konserven, die im Ernstfall direkt genutzt werden können.“ Das bezieht sich vor allem darauf, dass die meisten der gelagerten Lebensmittel im Ernstfall noch verarbeitet werden müssten.
Konserven haben hingegen den Vorteil, dass sie direkt zum Einsatz kommen können, um den wichtigsten Nahrungsbedarf zu decken. Diese „gebrauchsfertigen“ Nahrungsmittel sollen im Krisenfall über Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen an die Bevölkerung verteilt werden. Die Maßnahmen sollen den Ernstfall besser absichern und ein „zusätzliches Sicherheitsnetz“ bieten.
Staat soll die Kontrolle über den Notfallvorrat behalten
Der Auf- und Ausbau dieses Sicherheitsnetzes wird allerdings auch einiges kosten. Als Anschubfinanzierung werden Rainer zufolge 30 Millionen Euro benötigt. „Wenn das neue System etabliert ist, liegt der jährliche Bedarf bei etwa 70 bis 80 Millionen Euro“, erklärte der Landwirtschaftsminister. „Expertinnen und Experten warnen teilweise davor, Hersteller und Händler könnten Profit aus der Situation schlagen, wenn sie in die Versorgung aus der Lebensmittelreserve mit einbezogen würden.
Teilweise ist sogar von einer Privatisierung im Ernstfall die Rede. Dem widerspricht Alois Rainer jedoch entschieden. Der Staat behalte zu jeder Zeit die Kontrolle, um die Versorgung im Ernstfall durch die Lebensmittelreserven zu gewährleisten.

Wie gut ist Deutschland auf den Krisenfall vorbereitet?
Die Nahrungsmittelversorgung im Falle einer Krise ist zwar ein wichtiger, aber nicht der einzige Baustein für den Katastrophenschutz. Vor allem angesichts der steigenden Herausforderungen durch die Klimakrise sind in diversen Bereichen Maßnahmen notwendig. Für diese sind in erster Linie die Bundesländer selbst zuständig, wobei sich die Einsatzkräfte zu fast 90 Prozent aus Ehrenamtlichen zusammensetzen, etwa bei der Freiwilligen Feuerwehr oder beim THW.
Das hat einige Vorteile, aber etwa auch den entscheidenden Nachteil, dass im Falle einer Großkatastrophe diese Freiwilligen oft selbst betroffen und nicht dazu verpflichtet sind, zunächst anderen zu helfen, bevor sie etwa ihre eigenen Familien unterstützen. Dazu kommt, dass sich immer weniger Menschen in solchen Ehrenämtern engagieren und zudem viele privat nicht auf eine Katastrophe vorbereitet sind.
Bund will mehr Geld für den Katastrophenschutz zur Verfügung stellen
Der Grund dafür ist ein simpler und eigentlich ein schöner: In Deutschland sind solche Katastrophenfälle selten. Fälle wie die Flut im Ahrtal haben allerdings einige gravierende Mängel in den Sicherheitsnetzen offenbart.
Auch aufgrund fehlender Sicherheitskonzepte und Knappheit finanzieller Mittel steht es um den Katastrophenschutz in Deutschland stellenweise recht bescheiden. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will den Katastrophenschutz bis 2029 deshalb mit zusätzlichen zehn Milliarden Euro ausstatten. Es wird aber auch zunehmend wichtig, dass die Menschen privat vorsorgen und im Krisenfall wissen, was zu tun ist.

Katastrophenschutz empfiehlt, auch privat für den Krisenfall vorzusorgen
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt deshalb, zu Hause einen Vorrat für zehn Tage zu haben. Dieser sollte aus möglichst lange haltbaren Lebensmitteln bestehen, die zudem zur Not auch ohne Wasser und Energie zubereitet werden können. Zudem sollte man etwa Batterien und ein Kurbelradio parat haben, um im Ernstfall informiert zu bleiben.
Das BBK empfiehlt darüber hinaus, sich gut über die Gegebenheiten in seinem Wohnort zu informieren. Wo befinden sich eventuelle Schutzräume? Wo sind Sammelstellen? Wie verständige ich mich im Notfall mit den Liebsten? Auch eine gut ausgestattete Hausapotheke gehört zu einer guten Vorbereitung, genauso wie eine Mappe mit den wichtigsten Dokumenten.

