Waldbrand in Hürtgenwald ist der größte in der Geschichte von NRW

Im Hürtgenwald wütet aktuell ein großer Waldbrand. Zahlreiche Einwohner mussten deshalb zwischenzeitlich ihre Häuser verlassen und die Einsatzkräfte kämpfen zusätzlich mit schwierigen Bedingungen.
Waldbrand in Hürtgenwald ist der größte in der Geschichte von NRW
picture alliance

Am frühen Freitagmorgen mussten zahlreiche Menschen der Gemeinde Hürtgenwald aus dem Ortsteil Gey (Nordrhein-Westfalen) evakuiert werden. Grund dafür war ein sich ausbreitender Waldbrand, der sich immer weiter auf bewohnte Gebiete zubewegte und zwischenzeitlich nur noch etwa 200 Meter von dem Ortsteil entfernt gewesen sein soll.

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Warn-Apps wie Nina zeigten die höchste Warnstufe „Extreme Gefahr“ an und auch die Behörden warnten entsprechend. Nach Einschätzung der Landesregierung handelt es sich um den größten Waldbrand in der Geschichte von NRW seit Beginn der Datenerfassung. Inzwischen hat Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der sich bereits zur Lage in seinem Bundesland geäußert und vor allem den zahlreichen Einsatzkräften gedankt hatte, seinen Urlaub abgebrochen, um zurückzukehren und sich vor Ort zu informieren.

Wie ist die Lage in Hürtgenwald?

In der Gemeinde brannte bereits seit Donnerstag eine wachsende Fläche. Zunächst war von etwa 25 Hektar die Rede. Gegenüber dem WDR teilte das Landwirtschaftsministerium im Laufe des Tages mit, dass mindestens 200 Hektar betroffen sind.

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Die Gemeinde, die innerhalb kürzester Zeit einen Krisenstab aufgestellt hatte, sprach von einer Großschadenslage. Zahlreiche Bereiche wurden umgehend für den Verkehr gesperrt. Zum Ablauf erklärte Ralf Nolten (CDU), Landrat im Kreis Düren: „Wir hatten in der Nacht eine Situation über ein sogenanntes Kronenfeuer, wo das Feuer sehr schnell die Richtung gewechselt hat und auf einen Ort zulief und da mussten wir handeln.“

Die Einsatzkräfte vor Ort wurden schnell von mehreren Hubschraubern unterstützt. Auch ein Panzer der Bundeswehr war vor Ort, um Wege freizuräumen. Wie unter anderem die Bild-Zeitung berichtete, näherte sich das Feuer zwischenzeitlich bis auf wenige Meter den Gebäuden. „Feuerwehrleute tun alles, um das Übergreifen des Brandes zu verhindern“, heißt es in dem Bericht.

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Weltkriegsmunition erschwerte den Einsatz zusätzlich

Über die Brandursache ist bisher noch nichts bekannt. Statistisch gesehen sind die meisten Waldbrände allerdings menschenverursacht. Mit Blick auf den Brand im Hürtgenwald vermutet das auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). „Das Feuer ist durch irgendeinen Idioten entstanden“, sagte Reul am Samstag bei einem Besuch der Einsatzkräfte vor Ort.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich noch alte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg in der Region befindet. Denn im Hürtgenwald fanden von Oktober 1944 bis Februar 1945 schwere Kämpfe statt. Spuren davon finden sich bis heute in Form alter Munition und Sprengkörper im Boden. Schon in der Nacht wurden durch die Hitze des Waldbrandes Detonationen ausgelöst. Für die Einsatzkräfte erhöht sich die Gefahr dadurch enorm.

Google Maps zeigt Waldbrand in Hürtgenwald
via Google Maps

Was eine Evakuierung für Betroffene bedeutet

Die Evakuierung lief reibungslos und es wurden auch keine Verletzten gemeldet. Insgesamt waren etwa 1.800 Personen und damit der komplette Ortsteil Gey von der Evakuierung aufgrund des Waldbrands betroffen. Am Samstag kam dann die Meldung, dass die Menschen in ihre Häuser zurückkehren können. Gelöscht ist das Feuer im Hürtgenwald allerdings noch nicht.

Wer Hilfe benötigt, soll sich unter der Telefonnummer 02429/3090 melden. Grundsätzlich wird weiterhin dringend davon abgeraten, sich dem Gebiet zu nähern. Dennoch kam es zwischenzeitlich zu Behinderungen von Einsatzkräften durch Zuschauerinnen und Zuschauer. Im Falle einer Evakuierung aufgrund eines Waldbrandes wird beim Verlassen der Häuser empfohlen, Mund und Nase nach Möglichkeit mit einer Maske oder Stoff zu bedecken, um die Atemwege zu schützen.

Passend zum Thema: Die größten Fehler bei Waldbrand und wie man sich im Ernstfall rettet

Einsatzkräfte kämpfen auch in anderen Teilen NRWs gegen Feuer

Außer dem Feuer im Hürtgenwald gibt es noch zahlreiche andere Feuer im Bundesland. Insgesamt wurden bis zum 13. August in diesem Jahr bereits 86 Waldbrände in NRW gemeldet. Und auch ganz aktuell kämpfen Einsatzkräfte an mehreren Stellen in NRW gegen Flammen in der Natur.

So wurde auch im Hohen Venn, etwa 45 Kilometer von Hürtgenwald entfernt, über ein Feuer informiert. Dort war am Freitag eine Fläche von etwa einem Hektar betroffen. Inzwischen sind es fast 3.000 Hektar und auch dort mussten vereinzelt Evakuierungen vorgenommen werden.

Die generelle Waldbrand-Lage in Deutschland 2026

In vielen Teilen Deutschlands gilt aufgrund der sehr trockenen Monate Juni und Juli teils große Waldbrandgefahr. Dazu kommen die hohen Temperaturen, die die Trockenheit verschlimmern.

Beispielsweise über den „Waldmonitor“ kann man sich die aktuelle Lage in Deutschland anschauen. Die Daten „zeigen die Nah-Echtzeit Detektionen aktiver Feuer der Satelliten MODIS (Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer) und VIIRS (Visible Infrared Imaging Radiometer Suite)“. Darüber hinaus gibt beispielsweise auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) den sogenannten Waldbrand-Gefahrenindex, kurz WBI, heraus.

Dieser zeigte etwa für den Freitag für große Teile Deutschlands mindestens eine hohe Gefahr an. Nur wenige Regionen hatten lediglich eine mittlere Gefahreneinschätzung, da es heute noch einmal warm werden soll. In den kommenden Tagen soll die Gefahr aufgrund einer Abkühlung und in einigen Regionen auch aufgrund von Regenfällen sinken.