Eine Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass gezieltes Geoengineering helfen könnte, die unmittelbaren Folgen des Klimaphänomens El Niño abzuschwächen, das sich gerade aufbaut. Dabei geht es um abgeschwächte beziehungsweise umgekehrte Winde über dem Pazifik, die bewirken, dass die erwärmten Wassermassen in eine andere Richtung fließen. Das hat wiederum Auswirkungen auf zahlreiche andere Prozesse, die bis nach Europa spürbar sind.
Überschwemmungen, Hitzewellen, Waldbrände – die Folgen sind vielfältig. Wie die Gruppe nun herausgefunden hat, könnte das regional eingesetzte und zeitlich begrenzte Geoengineering aber tatsächlich das Klimaphänomen abschwächen, und zwar ohne unabsehbare Risiken, die sonst oft mit solchen Maßnahmen einhergehen.
Ideen zum Geoengineering stehen teilweise harsch in der Kritik
Unter Geoengineering, teilweise auch als Climate Engineering bezeichnet, versteht man vorsätzliche und großräumige Eingriffe in das Klimasystem der Erde. Dazu gehören unter anderem Strahlungsmanagement oder auch CO2-Entnahme aus der Atmosphäre. Die meisten Ideen sind allerdings hochgradig umstritten, da es irreversible Nebenwirkungen geben könnte, wenn man großflächig in natürliche Prozesse eingreift.
Zudem mahnen Kritikerinnen und Kritiker, dass selbst bei erfolgreicher Durchführung Geoengineering-Maßnahmen keinen echten Klimaschutz ersetzen können. Darum ging es bei der Forschungsgruppe aus den USA allerdings nicht; stattdessen haben die Forscherinnen und Forscher gezielt auf das Klimaphänomen El Niño geschaut, das Menschen und Natur gleichermaßen vor Herausforderungen stellt.

Buschbrände hatten erstaunliche Auswirkungen
In seinen im Fachmagazin „Science Advances“ vorgestellten Ergebnissen bezieht sich das Team auf die enormen Buschbrände 2019/2020 in Australien. Der dadurch verursachte extreme Rauch hat nämlich Sonnenlicht reflektiert. Von den damaligen Messwerten leiten die Forscherinnen und Forscher ab, dass bei einem gezielten Einsatz bei den El Niños 2015 und 1997 deren Folgen abgeschwächt worden wären. Auf der anderen Seite würden die kühlenden Effekte des nachfolgenden La-Niña-Ereignisses verstärkt.
Die Risiken würden sich dem Team zufolge in Grenzen halten, da es sich nur um gezielte und nicht um globale Eingriffe handeln würde. „Wenn wir gezielt auf natürliche Schwankungen einwirken könnten, könnten wir einige der Vorteile des Geoengineerings nutzen, ohne es auf unbestimmte Zeit anwenden zu müssen“, erklärt Erstautorin Jessica Wan von der University of California San Diego.
Mit Aerosolen El Niño abschwächen?
Das Vorgehen nennt die Forschungseinheit „strategische marine Wolkenaufhellung“; die Expertinnen und Experten erhoffen sich davon ein Eindämmen der teilweise verheerenden globalen Folgen eines so starken El Niños, wie er sich allen Anzeichen nach aktuell aufbaut. Um die Effekte der Rauchwolken zu replizieren, sollen natürlich keine weiteren Brände gelegt werden.
Tatsächlich geht es auch weniger um die Rauchwolken an sich, sondern vielmehr um die Aerosole, die dabei freigesetzt wurden. Diese sollen dann „in die untere Atmosphäre eingeleitet werden, um hellere Meereswolken zu bilden“. Eine ähnliche Methode wird bereits diskutiert, um Sonnenlicht zurückzuwerfen.
Allerdings müssen die Forscherinnen und Forscher einräumen, dass es noch keine weiteren Studien gibt, die die genauen Effekte eines solchen Vorgehens auf Phänomene wie den El Niño untersucht haben. Zudem habe zuvor „keine der bisherigen Studien ein Modellierungsrahmenwerk verwendet, das mit den Vorhersagemöglichkeiten für ENSO (Anm. d. Red.: El Niño – südliche Oszillation) vereinbar ist.“

