Laut dem Umweltbundesamt wird das Trinkwasser in Deutschland zu mehr als 70 Prozent aus Grundwasser oder sogenanntem Uferfiltrat gewonnen. Dabei handelt es sich um Grundwasser, das aus Flüssen und Seen in den Untergrund sickert und dort auf natürliche Weise gereinigt wird. Das ist Teilweise auch beim großen Fluss Rhein der Fall, der vor allem für die Versorgung in Teilen von Rheinland-Pfalz wichtig ist. Der Fluss selbst schlängelt sich dabei auch durch Baden-Württemberg, bevor er Richtung Norden zur Nordsee verläuft.
Dabei wird das Wasser des Rheins engmaschig durch verschiedene Messstellen überwacht. In diesem Zusammenhang wurden nun bis zu 30.000 chemische Substanzen entdeckt. Expertinnen und Experten zufolge sind nicht einmal alle davon bekannt, wie auch Recherchen von Correctiv.Lokal, Utopia und dem SWR zeigen. Doch was hat das für Folgen?

Im Rheinwasser schwimmen tausende teils unbekannte Chemikalien
So wurde beispielsweise festgestellt, dass zwischen den Jahren 2020 und 2025 in insgesamt 32 Fällen „auffällige Mikroschadstoffe“ entdeckt wurde, wie es beim SWR heißt. Von den Fällen beziehen sich 20 auf Rheinland-Pfalz und 12 auf Baden-Württemberg. Von diesen Fällen waren bei insgesamt sieben die Messwerte so hoch, dass die Landesumweltämter eine entsprechende Warnung ausgeben und teilweise die Trinkwasserversorger informieren mussten.
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Fünf dieser Substanzen konnten bis heute nicht zugeordnet werden. Grundsätzlich versichern mehrere wichtige Versorger, dass in den vergangenen Jahrzehnten kein gefährlicher Stoff ins Trinkwasser gelangen konnte. Das würde unter anderem durch effiziente Warnsysteme verhindert. Das wesentliche Problem besteht allerdings in den bereits erwähnten unbekannten Stoffen. Nicht alle davon seien zwangsläufig giftig, heißt es unter anderem in den Berichten.

Intransparenz und fehlende Forschung ein Problem
Insgesamt sei der Rhein heute viel sauberer als noch vor einigen Jahrzehnten, betont etwa Jochen Fischer vom Landesumweltamt Rheinland-Pfalz. „Die ganz großen Probleme, die wir früher im Rhein hatten mit kommunalem Abwasser und Schadstoffen im Rhein, die sind längst Geschichte“, wird er vom SWR zitiert. Heute seien eher Mikroschadstoffe das Problem, die auf verschiedenen Wegen ins Wasser gelangen können.
Die Herausforderung besteht wohl vor allem in der Masse an Stoffen, die etwa auch als Nebenprodukte bei chemischer Produktion entstehen und ins Wasser gelangen würden. Ob solche Stoffe giftig sind und wenn ja, wie sie sich langfristig auswirken, ist schlicht nicht bekannt. Deshalb sollen die Testungen insgesamt erweitert und ausgebaut werden. „Die Unbekannte ist größer geworden. Wir reden hier von Stoffen, für die wir noch nicht einmal einen Namen für haben, sondern nur einen Peak im Ausschlag“, erklärt Fischer.
Das Unterfangen sei allerdings recht teuer und anspruchsvoll. Da die Industrie ein Hauptverursacher der unbestimmten Schadstoffe ist, könnte ein Ausbau die Problematik verschlimmern. Dazu kommt, dass auch der Klimawandel, der unter anderem zu mehr Trockenheit führt, einen negativen Einfluss hat.
