Warum es heute in vielen Supermärkten still wird

Wer heute im Supermarkt einkaufen geht, könnte plötzlich einige signifikante Veränderungen der Atmosphäre bemerken. Dahinter steckt eine deutschlandweite Aktion.
Warum es heute in vielen Supermärkten still wird
iStock / bymuratdeniz

Flackerndes Kunstlicht, Hintergrundmusik, piepsende Kassen und das Geräusch rollender Einkaufswagen gehören für viele zum Supermarkteinkauf dazu. Doch während das für viele nur gewohnte Hintergrundkulisse ist, stellen die Geräusche und anderen Sinneseindrücke andere vor Herausforderungen. Am heutigen 20. Oktober halten deshalb viele Supermärkte eine „Stille Stunde“ ab. Denn an diesem Tag findet bereits zum dritten Mal der „Tag der nicht sichtbaren Behinderung“ statt.

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Darum geht es beim „Tag der nicht sichtbaren Behinderung“

Dieser deutschlandweite Aktionstag soll auf die Belastung von Menschen mit Neurodivergenz hinweisen, die sich im Alltag oft mit entsprechenden Barrieren konfrontiert sehen. Diese Barrieren bestehen beispielsweise in Lärm und künstlichem Licht, Gerüchen, grellen Farben oder einer generell unruhigen Umgebung.

„Neurodivergent“ bedeutet dabei in erster Linie die natürliche Abweichung eines Gehirns von der gesellschaftlich üblichen Norm, die als „neurotypisch“ bezeichnet wird. Bekannte Arten der Neurodivergenz sind beispielsweise:

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  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
  • Tourette-Syndrom
  • Entwicklungskoordinationsstörung (Dyspraxie)

Aber auch spezifische Lernstörungen wie eine Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) oder eine Rechenschwäche (Dyskalkulie) gehören unter Umständen dazu, genau wie Hochbegabung. Schätzungen gehen davon aus, dass circa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen sind und entsprechend sensibel auf gewisse äußere Reize reagiert.

Stille Stunde: Frau steht mit Einkaufskorb in einem Supermarkt
iStock / Adene Sanchez

Neurodivergente Menschen sollen reizärmer einkaufen gehen können

In einigen Einrichtungen gibt es deshalb bereits entsprechende Konzepte, und Ideen wie der „Neurodivergenz-Bus“ in Australien sorgen immer wieder für wichtige Aufmerksamkeit auf das Thema. Das ist auch der Ansatz der „Stillen Stunde“, die sich unter anderem auch in Deutschland immer mehr etabliert. Dabei geht es darum, innerhalb eines festgesteckten Zeitfensters die Reize möglichst zu reduzieren, damit neurodivergente Menschen besser einkaufen gehen können.

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Ausgewählte Anbieter bieten das inzwischen im Wochen- oder Monatstakt an. Andere beteiligen sich, so wie heute, an einem jährlichen Aktionstag. Zum „Tag der nicht sichtbaren Behinderung“ werden nun einige Supermärkte, Discounter, Baumärkte und Möbelhäuser die Hintergrundmusik ausstellen und auf Durchsagen verzichten. Zudem wird das Personal während der „Stillen Stunde“ keine lauten Tätigkeiten durchführen und auch das Piepsen der Kassen soll weniger Lärm verursachen.

Die „Stille Stunde“ in Deutschland

Hinter der „Stillen Stunde“ steckt der Verein Gemeinsam zusammen e. V., der das Konzept, das ursprünglich aus Neuseeland stammt, hierzulande etablieren möchte. Auf der Seite der Stillen Stunde wird zudem der Aktionstag am 20. Oktober beworben. Dazu heißt es: „In ganz Deutschland zeigen Menschen und Einrichtungen: Wir sehen euch.“

Auf der Website gibt es zudem ein Teilnahmeverzeichnis, aus dem hervorgeht, welche Märkte und Anbieter das Konzept umsetzen. Dort findet man bekannte Namen wie Edeka, Globus, Famila, Rewe und Telekom, wobei das nicht automatisch bedeutet, dass sich alle Filialen daran beteiligen. Aber auch zahlreiche regionale Händler beteiligen sich an der Aktion.

Ein Beispiel für ein großes Unternehmen, bei dem die „Stille Stunde“ bereits flächendeckend und nicht nur einmal im Jahr gilt, ist Ikea. Das Möbelhaus bietet seit Juni jeden Mittwoch zwischen 17 und 19 Uhr seinen Kundinnen und Kunden eine reizärmere Einkaufsumgebung an.