„Stille Stunde“: IKEA führt Konzept für neurodivergente Menschen ein

Für neurodivergente Menschen ist der IKEA-Besuch mehr als ein einfacher Stresstest. Deshalb führt der Möbelriese nun die „Stille Stunde“ ein. Was kommt auf Kunden zu?
„Stille Stunde“: IKEA führt Konzept für neurodivergente Menschen ein
Shutterstock / Nomad_Soul

In Ruhe und ohne Reizüberflutung bei IKEA einkaufen gehen – was für viele einfach nach einer angenehmen Erfahrung klingt, ist für neurodivergente Menschen nahezu notwendig. Diese Erkenntnis hält in immer mehr Branchen Einzug, weshalb es beispielsweise in einigen Supermärkten oder anderen Einrichtungen bereits sogenannte „Stille Stunden“ gibt.

Die Idee: Eine reizreduzierte Umgebung soll Menschen mit Neurodivergenz oder anderen sensorischen Empfindlichkeiten das Einkaufen erleichtern. Denn diese Personen haben eine andere Wahrnehmung, weshalb etwa Licht und Geräusche anders verarbeitet werden. IKEA hat nun angekündigt, das Konzept ebenfalls umzusetzen.

Was die „Stille Stunde“ bei IKEA bringen soll

Ab Juni soll die „Stille Stunde“ jeden Mittwoch zwischen 17 und 19 Uhr in allen IKEA-Einrichtungen Deutschlands umgesetzt werden. In diesem Zeitfenster werden die Reize in den Einrichtungen des schwedischen Anbieters so gut es geht reduziert.

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Das bedeutet, dass etwa auf Durchsagen verzichtet wird, es sei denn, diese sind sicherheitsrelevant. Auch die Hintergrundmusik soll abgestellt und auf andere lärmintensive Tätigkeiten verzichtet werden. Um die visuellen Reize herunterzufahren, ist außerdem geplant, das Licht zu dimmen.

Damit will IKEA der Pressemitteilung zufolge „unterschiedliche Bedürfnisse beim Einkaufen stärker berücksichtig[en].“ Vor der Einführung habe man das Konzept in einigen Einrichtungshäusern getestet, darunter in Berlin, Bremerhaven, Mannheim und Magdeburg. Aufgrund der positiven Resonanz habe man sich nun für eine flächendeckende Einführung entschieden.

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Ikea-Möbelhaus von außen
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Angebote für neurodivergente Menschen werden vielfältiger und sichtbarer

In Deutschland zählen schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung zur Gruppe der neurodivergenten Personen. Es handelt sich also keinesfalls um eine Randerscheinung, weshalb Konzepte wie die „Stille Stunde“ immer beliebter werden. Vorreiter diesbezüglich ist Neuseeland, aus dem die Idee für die „Stille Stunde“ auch ursprünglich stammt.

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Theoretisch können natürlich nicht nur neurodivergente Personen von der „Stillen Stunde“ bei IKEA profitieren. Wie stressig ein Einkauf bei dem Möbelhaus sein kann, zeigt sich an einer regelrechten Subkultur im Netz, in der zahlreiche Memes und Witze à la „Ob die Beziehung hält, weißt du erst, nachdem ihr an einem Samstag zusammen bei IKEA wart“ existieren.