Wegen zu viel Tourismus: Norwegen erhebt künftig Abgaben für Touristen

Auf den norwegischen Lofoten kommen auf 25.000 Einheimische inzwischen eine Million Touristen pro Jahr; darunter leidet die Region. Eine neue Tourismus-Abgabe soll Abhilfe schaffen. Kritiker warnen allerdings vor Lücken.
Wegen zu viel Tourismus: Norwegen erhebt künftig Abgaben für Touristen
iStock / StefanoZaccaria

Viel Tourismus bringt den Regionen zwar Geld, aber auch zahlreiche Probleme. Davon sind auch die Lofoten betroffen, eines der beliebtesten Urlaubsziele Norwegens. Die Inselgruppe ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Rund 25.000 Einheimische sehen sich jährlich etwa einer Million Touristinnen und Touristen gegenüber.

Um die Region zu unterstützen, wurde eine neue Tourismus-Abgabe eingeführt. Dieser war allerdings eine jahrelange heftige Debatte in Norwegen vorangegangen und nicht alle finden die neue Regelung gut. Was genau kommt auf Reisende zu, die künftig die Lofoten besuchen wollen?

Was genau gilt künftig für Norwegen-Reisende?

Wie unter anderem auch die Tagesschau berichtet, hat das norwegische Parlament beschlossen, dass besonders stark von Tourismus betroffene Kommunen eine zusätzliche Abgabe verlangen dürfen. Diese kann bis zu drei Prozent des Übernachtungspreises betragen, wobei die Kommunen eigene Gestaltungsspielräume bei der konkreten Umsetzung haben.

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Die zusätzlichen Einnahmen sollen direkt in die touristische Infrastruktur fließen, von der aber auch die Einwohnerinnen und Einwohner profitieren können, indem etwa das Straßennetz verbessert und instand gehalten sowie öffentliche Toiletten aufgestellt werden. Vermutlich greift die neue Regelung erst ab Januar 2027, da die Regionen erst einmal entsprechende Konzepte erarbeiten müssen.

Tourismus: Wohnmobil parkt auf den Lofoten mit Blick auf das Wasser
IMAGO / Zoonar

Kritik an der neuen Regelung in Norwegen

In Norwegen ist diese Tourismus-Reform nicht unumstritten. Das liegt zum einen daran, dass sie sich in erster Linie nur auf offizielle Übernachtungen bezieht. Somit müssen künftig alle, die Übernachtungen in Hotels, Ferienwohnungen oder auch auf Campingplätzen buchen, zwar mehr bezahlen. Wildcamping fällt allerdings nicht unter diese Regelung – und gerade diese Art der Übernachtung stellt einen wesentlichen Teil des Problems dar.

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In Norwegen gilt nämlich das sogenannte „Allemannsretten“, was im Deutschen oft als „Jedermannsrecht“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um ein traditionelles und gesetzlich auch geschütztes Prinzip, demzufolge jeder die Natur unabhängig von persönlichen Besitz- und Reichtumsverhältnissen genießen können soll.

Konkret bedeutet das, dass es in den allermeisten Teilen Norwegens erlaubt ist, auf unbewirtschaftetem Gebiet zu wandern, Rad oder Ski zu fahren und eben auch zu zelten. Dabei wird zwar zu rücksichtsvollem Verhalten aufgefordert. In der Praxis führt das allerdings dazu, dass viele eben keine bezahlten Übernachtungen buchen, sondern in freier Natur zelten oder auch in Fahrzeugen auf Parkplätzen schlafen.

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Lofoten kämpfen seit Jahren mit Overtourism

Dadurch gehen den Regionen nicht nur Einnahmen durch die Lappen. Auch die neue Tourismus-Abgabe greift eben in solchen Fällen nicht. Anders Nilsen, Landwirt auf den Lofoten, beschreibt in diesem Zusammenhang, dass er regelmäßig Probleme mit Touristinnen und Touristen hat, die auf seinen Äckern campieren, weil diese direkt gegenüber eines beliebten Strandes liegen. Das geschehe zwar in der Regel nicht aus böser Absicht, sondern aus Unwissenheit.

Das Ergebnis bleibt jedoch dasselbe: Seine Flächen und somit auch das Futter für seine Tiere werden zerstört. Nilsen berichtet, dass im Sommer bis zu 200 Wohnwagen auf seinen Feldern stehen. Der Fall steht sinnbildlich dafür, wie gerade Wohnmobile und Wildcamperinnen und -camper für besonders von Tourismus betroffene Regionen teils hohe Kosten verursachen, ohne sich anschließend an diesen zu beteiligen.

„Viele Touristen kennen auf Norwegisch kaum ein Wort. Aber das Jedermannsrecht kennen sie alle“, erläutert Nilsen. Viele würden dieses Recht allerdings missverstehen. „Sie glauben, dieses Recht erlaube ihnen alles. Dabei war es nie dafür gedacht, dass Touristen überall machen können, was sie wollen.“

Kritik an der neuen Regelung gibt es zudem aus der Hotelbranche. Einige Betreiberinnen und Betreiber befürchten, dass ihnen durch höhere Preise aufgrund der Tourismus-Abgabe Nachteile im Wettbewerb entstehen. Zudem wird gemahnt, dass durch die beschriebene Ausrichtung eben gerade die Touristinnen und Touristen benachteiligt werden, die sich bereits an den Kosten beteiligen.

Tourismus: Zahlreiche Fahrzeuge warten auf die Fähre auf die Lofoten (Norwegen)
IMAGO / Depositphotos

Viele Regionen besteuern Tourismus inzwischen zusätzlich

Norwegen ist längst nicht das einzige Land, das inzwischen aufgrund von Overtourism entsprechende Tourismus-Abgaben eingeführt hat. So gibt es auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz längst eine sogenannte Kurtaxe in besonders stark betroffenen Regionen.

In Italien müssen Reisende beispielsweise in Venedig Gebühren bezahlen, gleiches gilt für Hawaii, seit 2026 werden Übernachtungen in Edinburgh entsprechend höher besteuert. Seit 2024 erhebt auch Island eine Tourismussteuer, die Übernachtungen teurer macht, auch Spanien verlangt etwa auf den Balearen eine zusätzliche Steuer.

Die Modelle sind mitunter sehr verschieden und umfassen neben einer klassischen „Bettensteuer“ inzwischen auch eine Art Eintrittsgeld für bestimmte Regionen. Gemeinsam haben die Maßnahmen jedoch, dass die Einnahmen zweckgebunden sind und die von übermäßigem Tourismus betroffenen Regionen bei den dadurch entstehenden Ausgaben unterstützen sollen.