Das Reisemagazin „Fodor’s Travel“ veröffentlicht in jedem Jahr eine Liste mit empfehlenswerten Reisezielen, aber auch eine sogenannte „No-List“. Diese soll Reisenden dabei helfen, die richtigen Urlaubsziele auszuwählen, und sie gegebenenfalls vor solchen warnen, die man eher nicht besuchen sollte. Dabei gibt es verschiedene Gründe, warum eine Destination auf dieser Liste landen kann. In erster Linie will das Magazin so auch auf das Thema des nachhaltigen Reisens aufmerksam machen.
Für 2026 landet wohl auch deshalb ein Urlaubsziel auf der „No-List“, das die wenigsten dort vermutet hätten: die Kanarischen Inseln. Die spanische Inselgruppe ist seit Jahrzehnten eine enorm beliebte Destination; die Folgen für die Region sind teilweise verheerend. „Fodor’s Travel“ berichtet, dass allein in den ersten sechs Monaten des zurückliegenden Jahres 2025 etwa 7,8 Millionen Besucherinnen und Besucher auf die Kanarischen Inseln gekommen seien. Das ist ein Vielfaches der gut 2,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Auf das gesamte Jahr gesehen waren es rund 14 Millionen. Die Folgen dieses Overtourism sind unübersehbar.
Ein riesiges Problem stelle etwa die Infrastruktur dar, die den urlaubenden Menschenmassen oft nicht gerecht werden könne, wie „Fodor’s Travel“ berichtet. Vor allem der Verkehr ist John Dale Beckley, Gründer der Umweltplattform CanaryGreen.org, zufolge überlastet. „Was früher eine 40-minütige Fahrt aus dem Norden war, dauert jetzt weit über eine Stunde pro Strecke“, erklärt er. Eine weitere Komplikation ergibt sich aus dem Abwasser, das die Versorgungskapazitäten der Inseln weit übersteigt. Jeden Tag sollen etwa 100 Millionen Liter nur schlecht oder komplett ungeklärtes Wasser in den Ozean gelangen.

Viele Urlaubsziele leiden massiv unter dem Massentourismus
Die Folgen für die Umwelt der Urlaubsdestination sind verheerend und auch die Menschen vor Ort bekommen sie zu spüren, indem etwa regelmäßig Küstenabschnitte wegen Verunreinigung gesperrt werden müssen. Zudem droht eine Wasserknappheit und die Touristenmassen führen dazu, dass das Leben für Einheimische immer schwieriger wird. Das liegt an steigenden Lebenshaltungskosten, aber auch die Preise für Immobilien sind enorm gestiegen. Das hat zur Folge, dass sich vor allem junge Menschen keinen bezahlbaren Wohnraum mehr leisten können.
Zunehmend regt sich deshalb Widerstand in der beliebten Urlaubsdestination. Im Mai gab es Proteste auf Teneriffa, Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria. Einheimische fordern ein neues Tourismus-Modell und gezieltere Regularien. Bisherige Gesetzesänderungen, die etwa die Nutzung von Neubauten zur Kurzzeitvermietung einschränken, zeigen bisher kaum Wirkung, sondern verschärfen eher noch das Ungleichgewicht, dass die enormen Einnahmen, die durch den Tourismus vor Ort generiert werden, an der Bevölkerung größtenteils vorbeigehen.
Weitere Reiseziele auf der „No-List“ sind im Übrigen der Glacier-Nationalpark in Montana, die Isola Sacra in Italien und die Region um den Jungfrau-Berg in der Schweiz. Dazu kommen Mombasa in Kenia, Mexiko-Stadt und auch der beliebte Hügel Montmartre in Paris.
