Das Reisen mit der Deutschen Bahn wird für viele bereits seit Jahren zur Geduldsprobe. Denn auch, wenn das Reisen mit dem Zug einige Vorteile bietet, kommt es gerade in der Bundesrepublik Deutschland zu enorm vielen Verspätungen und Ausfällen. Grund dafür sind vor allem fehlende Investitionen in den vergangenen Jahrzehnten, die an vielen Stellen auf ein veraltetes und marodes Schienennetz treffen.
Zudem gibt es nicht genügend Ausweichmöglichkeiten auf den Strecken und noch zahlreiche weitere Probleme, die dazu führen, dass im Fernverkehr der Deutschen Bahn nur noch eine betriebliche Pünktlichkeitsquote von 54,2 Prozent gilt. Das gab die Bahn in ihrem aktuellen Report für August 2026 bekannt. Und in diese Zahl fließen ausgefallene Züge nicht mit ein.
Das Unternehmen begründet die Verspätungen im Juli mit einem anhaltend hohen Bauvolumen, den teils enorm hohen Temperaturen von bis zu 41 Grad und auch mit Sabotage. Vielen Reisenden ist allerdings nicht klar, dass auch die Passagierinnen und Passagiere einen Anteil an so einigen Verspätungen haben.
Häufiger Fehler führt zu Bahn-Verspätungen
Darüber spricht unter anderem eine Zugbegleiterin auf ihrem Social-Media-Account. Ihr geht es dabei um die immer gleichen Verhaltensweisen. So kommt es der Mitarbeiterin der Deutschen Bahn zufolge oft zu indirekten Verspätungen der Züge, weil Flucht- und Rettungswege blockiert sind. So stehen oft Fahrräder, Kinderwagen und Gepäckstücke im Weg. Dabei gilt, dass ein Durchkommen im Notfall gewährleistet sein muss, ansonsten darf der Zug theoretisch nicht losfahren.
Für das Zugpersonal bedeutet das teilweise einen deutlichen Mehraufwand, weil es zunächst die Besitzerinnen und Besitzer der sich im Weg befindlichen Objekte ausfindig machen müssen – und das kostet Zeit. Auch Gepäckstücke, die nicht sachgerecht verstaut wurden und bei einer Vollbremsung zur Gefahr werden können, müssen vom Personal an Bord gesichert werden.

Türen der Bahn sind freizuhalten
Ein weiteres Problem stellen der Zugbegleiterin zufolge Reisende dar, die einen Zwischenhalt zum Rauchen nutzen und dafür im Türbereich stehen, sodass der Rauch ins Innere des Zuges zieht. In einem geschilderten Einzelfall kam es deshalb zu einer Verspätung von mehr als 15 Minuten allein durch diesen Zwischenfall.
Ein weiteres, im Sinne der Pünktlichkeit problematisches Verhalten stellt dabei auch das Blockieren von Türen dar. So kommt es immer wieder zu Bahn-Verspätungen, weil Reisende – unbewusst oder mit Absicht – die Türen offenhalten. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass es auch beim Aussteigen zu Verzögerungen kommt, weil Leute nach dem Verlassen des Zuges zur Orientierung direkt stehen bleiben und auf diese Weise den nach ihnen aussteigenden Personen den Weg versperren.
Fahrgäste sind im Vergleich selten für Verspätungen verantwortlich
Nicht jede auf solche Weise hervorgerufene kleine Verzögerung führt auch zu einer tatsächlichen Verspätung, die bei der Deutschen Bahn übrigens offiziell ab sechs Minuten in die Statistik mit einbezogen wird. Je dichter die Taktung, desto größer ist allerdings die Gefahr, dass aus einem kleinen Ereignis eine sich immer weiter aufsummierende Verspätungszeit wird.
Man muss allerdings betonen, dass Reisende durch ihr Verhalten zwar in Einzelfällen auch deutliche Verzögerungen herbeiführen können. Im Vergleich zu anderen Gründen wie Baustellen, Signalstörungen etc. fällt das allerdings mit Blick auf den Gesamtwert an Verspätungen kaum ins Gewicht.

