Schwitzen erfüllt eine ungemein wichtige Funktion für den Körper, da es der Temperaturregulierung dient, ihn also herunterkühlt. Dafür stehen dem Körper zwischen zwei und vier Millionen Schweißdrüsen zur Verfügung, die über die gesamte Hautoberfläche verteilt sind. Auch an nicht heißen Tagen sind diese Drüsen enorm wichtig, da der Körper selbst permanent Wärme produziert, die reguliert werden muss. Denn Schweiß erzeugt dann einen kühlenden Verdunstungseffekt auf der Haut.
Dabei gibt es grundsätzlich drei verschiedene Gründe, warum der Mensch schwitzt: hohe Temperaturen, aber auch körperliche Aktivitäten und Emotionen. Bei allen drei Faktoren gibt es allerdings Personen, die deutlich weniger schwitzen als andere. Woran liegt das?
Sportliche Personen schwitzen effektiver
Einige Menschen schwitzen auch bei den aktuellen Temperaturen kaum, bei anderen fließt hingegen der Schweiß. Wie viel ein Mensch schwitzt, ist in erster Linie genetisch bedingt und kann entsprechend nur bis zu einem gewissen Grad beeinflusst werden. Dabei hat das Geschlecht im Übrigen keinen Effekt, das Gewicht allerdings schon. So gibt es Studien, die belegen, dass schwere Menschen mehr schwitzen als leichtere. Das ist deshalb wichtig, weil ein großer Körper mehr Schweiß zur Kühlung benötigt als ein kleiner.
Weitere Faktoren sind die Ernährung, die individuelle Fitness, aber auch das Stresslevel im Körper. Fitte Menschen produzieren dabei oft mehr Schweiß, da ihr Körper an Anstrengung gewöhnt ist und somit früher mit Schweißproduktion beginnt, um möglichst effizient zu kühlen, wie etwa Dr. Julian Bergmann von der Akademie für Sport und Gesundheit erklärt.
Dabei kommt es allerdings auch auf das individuelle Belastungsempfinden an. Denn fitte und trainierte Körper haben nicht nur ein effizienteres Schweißsystem, sie sind auch an Belastung gewöhnt. Das bedeutet, dass in einem 1:1-Vergleich, in dem eine trainierte und eine untrainierte Person eine Stunde lang bei identischem Tempo laufen, wiederum die trainierte Person weniger schwitzen würde, da ihr Körper eine bessere Bewegungsökonomie aufweist und durch die Anstrengung an sich weniger aufheizt.
Verkürzt zusammengefasst kann man sagen, dass fitte – vor allem ausdauertrainierte – Menschen bei Hitze schneller schwitzen, weil ihr Körper eher auf den Kühlungsbedarf reagiert. Bei gleicher Belastung schwitzt im Vergleich aber ein untrainierter Körper insgesamt stärker, da er mehr Energie aufwenden muss, um das Kühlungssystem effizient zu gestalten.

Menschen empfinden Temperaturen teilweise unterschiedlich
Eine hohe Luftfeuchtigkeit beeinflusst dabei auch, wie wir schwitzen. Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto mehr wird der Verdunstungseffekt auf der Haut beeinträchtigt, weil die Luft bereits mit Wasserdampf gesättigt ist. Deshalb fühlt sich feuchte Luft übrigens bei Hitze auch wärmer an.
Die Zahl auf dem Thermometer ist dabei an sich zwar objektiv, allerdings nehmen Menschen diese Zahlen teilweise sehr unterschiedlich wahr. Alter, Geschlecht und auch der persönliche Gesundheitszustand spielen beim Temperaturempfinden der Menschen ebenfalls eine Rolle, genauso wie einmal mehr das Fitnesslevel der jeweiligen Person. Denn auch hier gilt: Wer fit ist und entsprechend früher mit der Schweißproduktion beginnt, wird besser gekühlt und nimmt die Hitze anders wahr.
Auch interessant: Aggression bei Hitze – warum werden wir bei hohen Temperaturen so schnell wütend?
Ältere und Schwangere müssen bei Hitze besonders vorsichtig sein
Ältere Menschen empfinden Hitze zudem grundsätzlich anders und oft weniger intensiv. Was angenehm klingt, kann schnell gefährlich werden, da das Risiko für einen Hitzschlag oder auch für Flüssigkeitsmangel steigt. Bei Frauen spielen zudem auch die Hormone eine wichtige Rolle. So steigt etwa während der Menstruation der Flüssigkeitsbedarf, was in Kombination mit Hitze zu Problemen führen kann. Gleiches gilt für andere hormonelle Ausnahmesituationen wie die Wechseljahre oder eine Schwangerschaft.
Dazu kommt, dass man sich an hohe Temperaturen tatsächlich gewöhnen kann. Ähnlich wie sich der Körper auch durch Fitness-Training bei der Schweißproduktion anpasst, passiert das etwa nach fünf bis sieben Tage auch bei Hitze. Für eine vollständige Hitzeakklimatisierung benötigt der menschliche Körper allerdings eher sieben bis 14 Tage. Um effizienter kühlen zu können, produziert der Körper dann schneller Schweiß, was das individuelle Wärmeempfinden beeinflusst.
Umgangssprachlich spricht man in diesem Kontext auch von gefühlten Temperaturen. Exakt messen kann man diese gefühlten Temperaturen nicht, allerdings gibt es zumindest einige nachweisbare Faktoren. Expertinnen und Experten sprechen in diesem Zusammenhang auch von der thermischen Belastung. Diese hängt nicht nur von der Temperatur, sondern auch von der Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und dem Wind ab. Verrechnet man diese Faktoren mit bestimmten Maßstäben, ergibt das dann die Äquivalenttemperatur.

Übermäßiges und auch gar kein Schwitzen kann gefährlich sein
Hitze ist für den Körper grundsätzlich anstrengend, da er sich – unter anderem durch Schwitzen – regulieren und umstellen muss. Gerade nachts ist das ein Problem, weil hohe Temperaturen verhindern, dass der Körper richtig regenerieren kann. Zudem verstärkt Hitze bestimmte Vorerkrankungen.
Schweiß, sowohl vorhandener als auch fehlender, kann aber auch ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. So ist gerade übermäßiges Schwitzen in der Nacht ein Symptom von Lymphdrüsenkrebs. Eine grundsätzlich krankhaft hohe Schweißproduktion wird hingegen Hyperhidrose genannt und kann für Betroffene oft sehr belastend sein. Es gibt aber auch Personen, die überhaupt nicht schwitzen. Dieses Phänomen nennt man Anhidrose (vollständiger Schweißmangel) oder Hypohidrose (stark vermindertes Schwitzen).
Der Grund dafür kann genetisch sein oder auch in beschädigten Nerven oder bestimmten Medikamenten liegen. In jedem Fall ist wenig oder gar kein Schwitzen kein Vorteil, wie man vielleicht mit dem Gedanken an unangenehme Schweißflecken zunächst denken könnte. Denn Betroffenen droht deutlich schneller ein Hitzschlag oder ein kollabierter Kreislauf.

