Bis zu 3 Liter Schweiß am Tag: 22-Jährige berichtet von ihrem Alltag mit unterschätzter Krankheit

Schwitzen ist wichtig, bei manchen Menschen tritt es jedoch in krankhaftem Ausmaß auf. Eine junge Frau berichtet von ihrem Alltag mit einer Erkrankung, bei der sie täglich mehrere Liter Flüssigkeit verliert, und von den körperlichen und sozialen Folgen.
Bis zu 3 Liter Schweiß am Tag: 22-Jährige berichtet von ihrem Alltag mit unterschätzter Krankheit
iStock / Pikusisi-Studio, YouTube @This Morning

Schwitzen ist eine natürliche Körperfunktion, die für die Gesundheit zudem ausgesprochen wichtig ist. Auf diese Weise reguliert der Körper nämlich seine eigene Temperatur. Darüber hinaus fördert es die Durchblutung und den Stoffwechsel. Es gibt allerdings auch ein ungesundes Maß an Schwitzen; der Fachbegriff dafür lautet Hyperhidrose. Im Rahmen dieser Krankheit kommt es zu übermäßigen und unkontrollierten Schweißausbrüchen, die nicht durch Einflüsse wie Temperatur oder körperliche Aktivität bedingt sind. Betroffene leiden oft aus diversen Gründen sehr darunter.

Das berichtet auch die Schottin Darcie Hamilton. Die 22-Jährige leidet bereits seit ihrer Kindheit an Hyperhidrose. Entdeckt wurde die Krankheit aber offenbar erst in ihren Teenagerjahren im Rahmen des Schulsports. Dabei sei ihr aufgefallen, dass sie deutlich mehr schwitzen würde, als gleichaltrige Mitschülerinnen und Mitschüler, erläutert die junge Frau im Interview. „Als ich in der Grundschule war, bemerkte ich, dass ich bei körperlicher Aktivität viel mehr schwitzte als meine Mitschüler“, erinnert sie sich.

Und weiter: „Ich war von den Achselhöhlen bis fast zur Taille schweißgebadet, es war also wirklich schlimm, sehr auffällig und deutlich sichtbar.“ Die Diagnose folgte dann mit 16 Jahren. Obwohl schätzungsweise 2 Prozent der Bevölkerung an Hyperhidrose leiden, ist die Erkrankung mit zahlreichen Stigmata verbunden, die den Betroffenen zu schaffen machen.

Darcie Hamilton spricht im TV über ihr krankhaftes Schwitzen
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Betroffene über ihr Leben mit krankhaftem Schwitzen: „Ich wollte das Haus nicht verlassen“

Dabei ist Darcie Hamiltons Fall ein besonders ausgeprägter, sowohl was den Grad der Betroffenheit als auch was die Auswirkungen angeht. So berichtet die junge Frau von nahezu täglichem Mobbing. Im Winter sei sie teilweise ohne Jacke zur Schule gegangen, um möglichst wenig zu schwitzen. Zudem habe sie sich bis zu fünfmal am Tag geduscht und immer Wechselkleidung dabei gehabt. Da sie zudem bis zu drei Liter Flüssigkeit am Tag ausgeschwitzt habe, musste sie stets darauf achten, ausreichend zu trinken – in ihrem Fall ganze fünf Liter am Tag. Andernfalls habe sie mit Kopfschmerzen oder sogar Migräne zu kämpfen gehabt. Und das krankhafte Schwitzen hatte noch andere unschöne Nebenwirkungen.

So berichtet sie von wunden Stellen, Blasen und Hautausschlägen, die durch den Schweiß selbst, aber auch durch die Kombination mit dem Kontakt zu bestimmten Kleidungsstücken entstanden seien, an denen sie sich dann wundgescheuert habe. „Die Wundstellen in meinen Achselhöhlen und an meinen Händen waren unerträglich. Ich bekam Hunderte von kleinen Bläschen an beiden Händen“, berichtet die junge Frau. Zudem hätten allein die Symptome sie wahnsinnig erschöpft.

Nach der Diagnose hätten ihr vor allem Botox-Behandlungen geholfen. Inzwischen bekommt sie allerdings keine Unterstützung des Gesundheitssystems mehr, wie sie im Interview mit dem „Mirror“ verriet. Grund dafür ist offenbar unter anderem ein Mangel an Gefäßspezialisten. Inzwischen zahlt sie ihre Behandlung selbst; ihr Leben vor den Injektionen beschreibt sie als „Hölle“. Zudem kritisiert sie, dass viele die Krankheit nicht ernst nehmen würden, weil sie die Auswirkungen unterschätzen.