In der Demokratischen Republik Kongo tobt aktuell eine Ebola-Epidemie; seit Mai gilt dort bereits der Notstand. Die Zahlen sind alarmierend und könnten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge noch nie dagewesene Ausmaße erreichen. Laut WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus liegt das zum einen an der Geschwindigkeit der Ausbreitung, zum anderen kommt das begrenzte Personal bei der Nachverfolgung der Ansteckungsketten nicht hinterher.
Bei einer Pressekonferenz in Genf warnte der WHO-Chef vor den aktuellen Entwicklungen. Diese könnten dazu führen, dass sogar der bisher schlimmste Ebola-Ausbruch in Westafrika, der von 2014 bis 2016 verzeichnet wurde, in den Schatten gestellt wird. Wie sehen die aktuellen Zahlen aus?
WHO-Chef warnt vor weiterer Ausbreitung
Zum jetzigen Zeitpunkt verzeichnet die WHO circa 4.400 Ansteckungen und mehr als 2.000 Tote. Zum Vergleich: Bei der Ebola-Epidemie 2014 bis 2016 infizierten sich mehr als 28.600 Menschen, von denen etwa 11.300 starben. Die WHO fürchtet, dass sich die aktuellen Zahlen in eine ähnliche Richtung entwickeln könnten, wenn der Ausbruch nicht gestoppt werden kann.
Ein zentrales Problem ist nach wie vor, dass zu wenig Kontaktpersonen nachverfolgt werden. Dabei zeigt sich aktuell unter anderem, dass es beispielsweise bei den Begräbnissen der verstorbenen Ebola-Patientinnen und Patienten zu massenhaften Ansteckungen kommt. Um die dadurch entstehenden Verkettungen zu durchbrechen, bräuchte es eine Erfassungsquote von ungefähr 95 Prozent, momentan liegt der Wert allerdings eher bei 80 Prozent.
„Der Ausbruch hatte einen großen Vorsprung und ist uns nach wie vor weit voraus. Wir versuchen nun, diesen Rückstand aufzuholen“, erklärt Tedros Adhanom Ghebreyesus. Zudem fehlt es in den betroffenen Regionen oft an Personal im Gesundheitswesen.

Was ist Ebola und warum ist es so gefährlich?
Das Ebola-Virus geht auf sogenannte zoonotische Viren zurück, also Krankheitserreger tierischen Ursprungs. Das bedeutet, dass ein Ausbruch meist durch eine Tier-zu-Mensch-Übertragung beginnt. Anschließend kann aber auch eine Mensch-zu-Mensch-Ansteckung erfolgen, wobei das Virus über Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel oder Schweiß verbreitet wird. Eine Ansteckung via Tröpfcheninfektion über die Luft wie etwa bei Corona ist jedoch nicht möglich. Die ersten Symptome ähneln dabei dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge denen eines grippalen Infekts. Dazu gehören:
- Müdigkeit
- Fieber
- Gliederschmerzen
- Schmerzen im oberen Bauchbereich
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
Weitere Symptome im Krankheitsverlauf sind „Rötung der Bindehaut, Ausschlag, Kopf- und Brustschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Schluckbeschwerden, innere und äußere Blutungen (Hämorrhagien), Verwirrtheit, Krämpfe und Atemnot“, wie unter anderem das RKI erklärt.
Die Ebola-Gefahr in Deutschland
Die aktuelle Ebola-Epidemie im Kongo ist auf Erreger vom Typ Bundibugyo zurückzuführen. Der aktuelle Ausbruch ist auch deshalb so schwer einzudämmen, weil es für diesen Typ zum jetzigen Zeitpunkt weder eine Impfung noch eine spezielle Therapie gibt. Glücklicherweise sind bislang keine gefährlichen Mutationen des Virus festgestellt worden.
Die Schatten der Epidemie im Kongo reichen allerdings bis nach Europa. So gab es beispielsweise im Juni in Frankreich einen aktiven Ebola-Fall, bei dem sich ein Arzt im Kongo angesteckt hatte. Ein weiterer Patient, der sich in dem zentralafrikanischen Staat aufgehalten hatte, wurde unter strengen Auflagen in der Charité behandelt. Dabei handelte es sich um einen US-amerikanischen Arzt.
Dennoch lassen die verantwortlichen Behörden sowie zahlreiche Expertinnen und Experten keinen Zweifel daran, dass das Risiko hierzulande ausgesprochen gering ist. Eine Ausbreitung in Deutschland ist nahezu ausgeschlossen.

