Der US-amerikanische Arzt Peter Stafford hat sich im Kongo mit dem gefährlichen Ebola-Virus angesteckt. Mittlerweile wurde er ausgeflogen und soll in der Berliner Charité behandelt werden. Die Sonderisolierstation auf dem Campus Virchow-Klinikum ist weltweit bekannt.
Die Sicherheitsstandards, die Expertise und die Vorgehensweise der SIS in Deutschland gelten als globaler Goldstandard, auch wenn es um die Behandlung von tödlichen Tropenkrankheiten wie dem Ebolafieber geht. Die SIS verfügt über eine hochspezialisierte Infrastruktur und sichert die Versorgung von Patienten mit hochansteckenden Infektionskrankheiten. Obwohl Peter Stafford und seine fünf Kontaktpersonen nach Deutschland gebracht wurden, besteht keinerlei Gefahr für die Bevölkerung. Die Sonderstation ermöglicht die Behandlung von bis zu 20 Patienten gleichzeitig.

Höchste Sicherheitsstufe: Ebola-Patient wird in Deutschland behandelt
Schon auf dem Weg zur Berliner Charité wurde für entsprechende Sicherheitsmaßnahmen gesorgt. Der Betroffene wurde am Mittwochmorgen in einem speziellen Transportfahrzeug mit einem Polizeikonvoi ans Ziel gebracht. Neu eröffnet wurde die Sonderisolierstation nach einer umfangreichen Sanierung schon im Jahr 2010. Durch die Ebola-Epidemie im Jahr 2014 behandelten die Experten den ersten Ebola-Patienten in Hamburg. Seitdem haben sich die Stationen und auch die Behandlungsmethoden in der ganzen Bundesrepublik noch einmal deutlich weiterentwickelt. Bilder aus dem Jahr 2014 zeigen einen Blick hinter die Türen, die normalerweise niemand öffnen darf. Zu sehen sind Experten in blauen Schutzanzügen, die für den Ernstfall proben. Heute befindet sich auch die Ausrüstung noch einmal auf einem höheren Level.
Die Sonderisolierstation bietet ein eigenes Labor, Schleusensysteme und belüftete Anzüge
Zudem können betroffene Patienten mit monoklonalen Antikörpern behandelt werden. Die Charité kann diese modernen Therapeutika direkt vor Ort einsetzen. Da bei dem aktuellen Ausbruch jedoch das Bundibugyo-Ebolavirus festgestellt wurde, wirken diese Therapeutika nicht. Doch die Schutzausrüstung erlaubt es den Experten, das Krankenzimmer zu betreten und den Patienten trotzdem mit sämtlichen anderen Mitteln zur Linderung der Symptome zu versorgen. Mittlerweile gibt es direkt an der Station ein „Point-of-Care“-Labor. Dort können infektiöse Proben der Patienten sofort analysiert werden. Der Transport in ein weit entferntes Speziallabor fällt weg.
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Um andere zu schützen, kommt ein Schleusensystem zum Einsatz. Der Luftdruck nimmt von außen nach innen ab, was dafür sorgt, dass die Luft in das Patientenzimmer hineingesaugt wird, wenn die Tür geöffnet wird. Luft oder Viren können somit das Zimmer nicht verlassen. Das Abwasser der Isolierstation fließt außerdem nicht in die Kanalisation, sondern wird in Tanks aufgefangen und sterilisiert, während Müll und Bettwäsche bei über 120 Grad gereinigt und erst anschließend entsorgt werden.

Strenges Prozedere in der Charité: So belastend ist die Arbeit der medizinischen Fachkräfte
Das medizinische Fachpersonal muss nicht nur bei der Behandlung eines Ebola-Patienten spezielle Prozedere einhalten. Auf der Sonderstation werden auch Fälle des Marburgvirus behandelt. Die Experten müssen belüftete Vollschutzanzüge tragen, die es möglich machen, dass nur gefilterte Luft eingeatmet wird. Dabei arbeiten sie immer nur in kurzen Schichten, da das Tragen der Anzüge extrem erschöpfend ist. Verlässt ein Experte die „rote Zone“ folgt eine Chemiedusche in der Desinfektionsschleuse, bevor ein geschulter Mitarbeiter das Auskleiden überwacht und spezielle Anweisungen gibt.
Diese besonderen Bedingungen erlauben es, dass Betroffene in der Charité nicht einfach nur isoliert werden können. Auch alle modernen Behandlungsmethoden stehen weiterhin zur Verfügung, da der Schutz des Fachpersonals garantiert werden kann. Es handelt sich aktuell um den einzigen Patienten, der aufgrund des Ebola-Ausbruchs im Kongo und in Uganda in Deutschland behandelt wird. Seine fünf Kontaktpersonen befinden sich in Quarantäne und sollen ebenfalls in Berlin aufgenommen werden. Auch Hamburg, Frankfurt am Main, München, Leipzig, Düsseldorf und Stuttgart verfügen über Sonderisolierstationen im Rahmen des sogenannten STAKOB-Netzwerks.

