Rudolph E. Tanzi ist ein bekannter Neurologieprofessor, der in Harvard lehrt. Bereits seit den 1980er-Jahren erforscht er dabei neurologische Erkrankungen und hat dabei etwa drei wesentliche Alzheimer-Gene entdeckt. Bei Alzheimer handelt es sich umneurodegenerative Erkrankung, die vor allem im Alter auftritt. Die Demenzform lässt sich nicht vollständig verhindern, allerdings kann man vorbeugend einige wesentliche Dinge umsetzen, die das Risiko senken und dabei den generellen Alterungsprozess gewissermaßen verlangsamen.
In diesem Zusammenhang ist Tanzi ein Verfechter von ganzheitlichen Gesundheitsansätzen. In seinem Buch „Super Brain“ argumentiert er zusammen mit Deepak Chopra, dass das potenzial des menschlichen Geistes weit über den normalen Gebrauch hinaus gehe. Dadurch könnten Menschen ihren Geist viel bewusster formen und dadurch ihr eigenes Wohlbefinden steigern, als das bisher für möglich gehalten wurde. Teil dieses Konzepts ist auch eine Art Lebensplan, den Tanzi „SHIELD“ nennt und über den er in der „Washington Post“ ausführlich berichtet.
Dabei ergibt sich nicht nur zufällig der englische Begriff für Schild. Jeder Buchstabe steht zudem für eine von insgesamt sechs Maßnahmen, die man dem Harvard-Professor zufolge in sein tägliches Leben integrieren sollte. Dabei betont der inzwischen 67-jährige Tanzi, dass er die Methode auch erfolgreich bei sich selbst anwenden würde.

Der Alterungsprozess ist auch ein Spiegel der körperlichen und geistigen Gesundheit
Das „S“ steht für Schlaf; die Bedeutung von Schlaf für die allgemeine Gesundheit ist schon lange bekannt. Und auch Tanzi erklärt mit Blick auf Altern und Alzheimer: „Sie reinigen Ihr Gehirn tatsächlich von Amyloid-Toxinen (...). Jedes Mal, wenn Sie in den Tiefschlaf fallen, wird Ihr Gehirn gewissermaßen gespült.“ Dabei empfiehlt der Experte zwischen sieben und acht Stunden Schlaf. Einen festen Rhythmus halte er selbst dabei nicht ein, es komme vor allem auf die Dauer an. Sollte man nicht auf die erforderliche Zeit kommen, empfiehlt der Harvard-Professor zudem Power-Naps.
Das „H“ steht für „Handling Stress“, also die Fähigkeit, mit Stress umzugehen. Denn: „Er führt zur Ausschüttung von Cortisol, einer giftigen Chemikalie im Gehirn.“ Rudolph E. Tanzi befüchtet diesbezüglich, dass aufgrund der digitalen Welt heute viele unter chronischem Stress leiden, was sich langfrstig negativ auf die Alterung des Gehirns auswirken könnte. Und auch andere Expertinnen und Experten bringen Stress mit einer kürzeren Lebenserwartung zusammen. Deshalb sollte man auch im Alltag aktiv nach Entspannung suchen – und wenn es nur zwischendurch ein bis zwei Minuten sind.
Weiter geht mit dem „I“, hinter dem sich die Interaktionen mit Freundinnen und Freunden verbirgt. Seine sozialen Kontakte zu pflegen ist erwiesenermaßen gesund, beziehungsweise hat umgekehrt Einsamkeit messbar negative Effekte. Auf die Bedeutung eines sozialen Umfeldes schwört unter anderem auch Jeanne Calment. Die Französin hält mit 122 Jahren den Altersrekord.

Die „SHIELD“-Methode erfindet das Rad nicht neu, bringt aber vieles auf den Punkt
Das danach kommende „E“ steht für „Excercise“. Damit ist körperliche Aktivität gemeint. Auch dazu gibt es bereits zahlreiche Studien, die belegen, wie wichtig regelmäßige Bewegung für den ganzen Körper und auch für den Geist ist. So haben etwa auch bekannte Persönlichkeiten wie Steve Jobs auf einen regelmäßigen Spaziergang geschworen, der die Kreativität anregt. Tanzi verweist in diesem Zusammenhang auf auf eine 2025 veröffentlichte Studie der Harvard Medical School. Diese legt nage, dass bereits 3000 Schritte pro Tag einen signifikanten Effekt haben können. Noch deutlicher zeigte sich dieser ab 5000 Schritten.
Hinter dem „L“ verbirgt sich „Learning new things“. „Durch das Lernen neuer Dinge entstehen neue Verbindungen, sogenannte Synapsen“ erklärt Tanzi dazu. Würden die Synapsen nachlassen, begünstige das kognitive Beeinträchtigungen wie eben auch Demenz und andere Alterserscheinungen. Dem könne man aktiv entgegensteuern, indem man immer wieder neue Dinge ausprobiere und das Gehirn dabei fordere.
Das abschließende „D“ steht hingegen für „Diät“. Gemeint ist eine generell bewusste Ernährungsweise. Denn die richtige Ernährung könne aktiv Amyloid-Plaques im Gehirn beseitigen und „Neuroinflammation unterdrücken“. Tanzi selbst setzt dafür zu einer größtenteils mediterranen Ernährung, die viel Obst, Gemüse und Olivenöl enthält. Beispielsweise Sardinien zählt zu den sogenannten „Blue Zones“, also den Regionen, in denen die Leute ein besonders hohes Alter erreichen. Die Ernährung spielt dabei erwiesenermaßen eine entscheidende Rolle.
