Ein wesentlicher Aspekt der Debatte um Künstliche Intelligenz (KI) ist der Arbeitsmarkt. Zum einen befürchten viele einen Jobverlust, weil die Technologie zahlreiche Aufgaben übernehmen kann. Zum anderen zeigt sich dieser Jobverlust bereits an ganz anderer Stelle: Es gibt immer weniger Angebote für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger.
Eine neue Studie der Federal Reserve Bank of New York zeigt jetzt allerdings, dass es einen noch wichtigeren Faktor als KI geben könnte, der den Stellenabbau speziell in diesem Bereich erklärt. Dabei geht es ausgerechnet um eine der großen Errungenschaften der modernen Arbeitswelt: Remote Work.
Homeoffice hat unerwartete Auswirkungen auf den Jobmarkt
Dass es Berufsanfängerinnen und -anfänger zunehmend schwer haben, belegen diverse Statistiken für verschiedene Länder. Ein Erklärungsansatz ist, dass es gerade die potenziell einfacheren Aufgaben sind, die diese Berufsgruppe übernimmt, die dann am schnellsten auch von KI erledigt werden können. Das scheint aber nur ein Teil der Wahrheit zu sein.
Für die Analyse der Federal Reserve Bank of New York wurde ein nicht explizit genanntes Fortune-500-Unternehmen aus dem Technologiesektor untersucht. Dabei zeigte ein Vergleich der Daten vor und nach der Corona-Pandemie, dass weniger Berufseinsteigerinnen und -einsteiger auf Stellen besetzt wurden, die im Homeoffice ausgeschrieben waren.

Präsenzpflicht st wichtig für Berufsneulinge
Der Erklärungsansatz lautet, dass Unternehmen Neulinge lieber in Positionen besetzen, in denen sie noch viel von ihren Kolleginnen und Kollegen im direkten Austausch lernen können. Da aber zumindest in einigen Bereichen immer mehr Jobs auf Homeoffice ausgelegt sind oder zumindest wesentliche Remote-Anteile haben, verkleinert das automatisch die Auswahlmöglichkeiten im Bereich der Einstiegstätigkeiten.
Dass die Daten kein Zufall waren, zeigt das Einstellungsverhältnis, nachdem das Unternehmen wieder eine weitestgehende Rückkehr ins Büro angeordnet hatte. Dann stieg die Anzahl der Stellen wieder, die mit frischen Hochschulabsolventinnen und -absolventen besetzt wurden.
Das Team hinter der Studie konnte anschließend zudem feststellen, dass sich entsprechende Muster auch in der Gesamtwirtschaft zeigen. Aus den Erkenntnissen leitet sich ab, dass fast zwei Drittel des Anstiegs der Arbeitslosigkeit von jungen Menschen im untersuchten Zeitraum auf das Problem mit der Remote-Arbeit zurückzuführen sein könnte. Neben dem KI- und dem Homeoffice-Effekt kommt auch noch eine weitere Komponente dazu.
Langfristige Folgen für den Karrierestart
Aufgrund der vielerorts angespannten wirtschaftlichen Lage sparen Unternehmen mehr – und das geht am einfachsten bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sie noch gar nicht haben. Auch frei werdende Stellen werden teilweise nicht neu besetzt. Das führt in einigen Branchen zu einem Überangebot gut ausgebildeter Berufsneulinge. Die Konsequenzen dieser Tendenz könnten ernster und vor allem langfristiger sein, als viele denken.
Untersuchungen belegen nämlich, dass Personen, die ihr Arbeitsleben und vor allem die erste Jobsuche in einem schwächeren Arbeitsmarkt begonnen haben, noch lange die negativen Auswirkungen spüren. Sie verdienen schlechter, kommen in ihrer Karriere langsamer voran und haben zudem auch größere Hemmungen, nach Gehaltserhöhungen oder Beförderungen zu fragen.

