Künstliche Intelligenz (KI) ist fraglos die größte technologische Errungenschaft der jüngeren Vergangenheit. Dadurch wird vieles ermöglicht, Prozesse werden verbessert und neue Kapazitäten bei teilweise nie da gewesenen Geschwindigkeiten geschaffen. Allerdings warnen Expertinnen und Experten auch vor zahlreichen Risiken.
Viele davon liegen eher in der Zukunft oder sind generell schwer greifbar. Anders sieht das hingegen beim Verlust von Arbeitsplätzen aus. Mehrere Studien haben bereits die Branchen identifiziert, in denen KI eine große Rolle spielen wird und das in Teilen auch bereits tut. Häufig sind davon Jobs betroffen, die digitale, repetitive Aufgaben enthalten, wie etwa in der Verwaltung oder Buchhaltung.
Der Einfluss von KI reicht aber auch weit über diese Bereiche hinaus, weshalb die KI potenziell in nahezu jeder Branche menschliche Arbeitskräfte ersetzen könnte. Dass das für einige ein realistisches Szenario ist, zeigt auch eine aktuelle Umfrage.
99 Prozent planen KI-bedingte Entlassungen
Die Umfrage wurde von der Beratungsfirma Mercer in den USA durchgeführt, die die Daten jährlich im „Global Talent Trends“-Bericht zusammenfasst. Dabei wurden circa 12.000 Personen in verschiedenen Branchen und Positionen zu ihrer Sicht auf KI befragt, darunter etwa 1000 CEOs verschiedenster Unternehmen. Die Ergebnisse der Umfrage sind eindeutig.
99 Prozent der Befragten und damit eine überwältigende Mehrheit gehen davon aus, dass sie in den kommenden beiden Jahren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund von Künstlicher Intelligenz entlassen werden. Beim Umfang dieser Maßnahmen gibt es allerdings Unterschiede.

Weniger Mensch, dafür mehr Maschine
67 Prozent der befragten CEOs gehen nämlich davon aus, dass aufgrund von KI ein bis zehn Prozent weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt werden. Weitere 32 Prozent gehen wiederum von einer Reduzierung um elf bis 20 Prozent aus. Dabei rechnen alle Befragten damit, dass der Anteil der Aufgaben, die in ihren Unternehmen noch ausschließlich von Menschen erledigt werden, immer weiter schrumpfen wird. Aktuell liegt er noch bei etwa 50 Prozent.
Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch, dass KI bereits in die andere Hälfte der Prozesse eingebunden ist. Künftig rechnen die CEOs in der Umfrage allerdings mit nur noch etwa 35 Prozent menschlichem Anteil.
Ängste der Arbeitnehmer vor KI wachsen
Auf der anderen Seite zeigt der „Global Talent Trends“-Bericht, dass die Angst der Beschäftigten vor Jobverlust zunimmt. Hatten vor zwei Jahren noch 28 Prozent akute Sorgen, sind es nun bereits 40 Prozent. Zudem befürchten fast zwei Drittel der Befragten, dass ihre Vorgesetzten die negativen Auswirkungen von KI im Arbeitsalltag unterschätzen.
Dabei gibt es bereits erste Studien dazu, dass Künstliche Intelligenz zu psychischer und emotionaler Belastung führt. Das liegt unter anderem daran, dass die KI zwar viele repetitive Aufgaben übernimmt und die menschlichen Belegschaft dadurch mehr Kapazitäten für komplexe Aufgaben haben.
Das bedeutet allerdings auch, dass sich das Aufgabenfeld vieler Beschäftigter zunehmend auf diese anspruchsvollen Aufgaben verengt. Gleichzeitig steigen der zeitliche Druck und auch die Erwartungshaltung an die Ergebnisse.

Steigender Druck und mangelnder Fokus
Dazu kommt, dass nur knapp 20 Prozent der Befragten im HR-Bereich es relevant finden, die Auswirkungen von KI auf die Angestellten genau im Blick zu behalten. Das alles führt zu einer wachsenden Unzufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Viele schauen sich infolgedessen nach einem neuen Job um. Allerdings ist der Arbeitsmarkt – aufgrund der weltwirtschaftlichen Lage, aber auch aufgrund von KI – vielerorts angespannt. Das macht die Jobsuche schwierig, weshalb Expertinnen und Experten befürchten, dass immer mehr frustrierte Angestellte eine Tätigkeit ausführen, die sie eigentlich überhaupt nicht machen wollen – in der ständigen Angst, von KI ersetzt zu werden.

