Das klickende Geräusch, das ein Zauberwürfel macht, wenn man seine Seiten dreht, dürfte bei vielen nostalgische Erinnerungen hervorrufen. Dass dieses Gefühl so viele Menschen teilen, liegt auch daran, dass sich der Würfel mehr als 350 Millionen Mal verkauft hat und damit übrigens zu den meistverkauften Spielzeugen aller Zeiten gehört. Neuere Schätzungen gehen sogar von bis zu 500 Millionen verkauften Exemplaren aus. Und die Geschichte des haptischen Mini-Rätsels scheint noch lange nicht vorbei.
Begonnen hat diese Geschichte im Jahr 1974 in Ungarn. Dort wurde der Würfel von dem ungarischen Bauingenieur und Architekten Ernő Rubik entwickelt, der sich damals wohl nicht hätte vorstellen können, wie groß die Erfolgsgeschichte seiner Schöpfung einmal werden könnte.
Geschichte und Aufbau eines Zauberwürfels
Sein erstes Modell war aus Holz und elastischen Bändern, funktionierte allerdings nicht so, wie sich Rubik das vorgestellt hatte. Schnell entwickelte er das Modell so weiter, dass es im Prinzip bereits der heute üblichen Achsenkreuz-Konstruktion gleicht. Diese umfasst 26 einzelne Steine, die folgendermaßen angeordnet sind:
- 6 Mittelsteine, die auf dem Achsenkreuz im Inneren des Würfels sitzen, dadurch quasi fest installiert sind und bei einer Lösung auch immer die Farbe der Seite vorgeben. Der weiße Mittelstein ist dabei immer gegenüber vom gelben, Blau immer gegenüber von Grün und Rot gegenüber von Orange.
- 12 Kantensteine, die je zwei angrenzende Flächen miteinander verbinden und von den Mittelsteinen gehalten werden.
- 8 Ecksteine, die je drei angrenzende Flächen (an den Ecken) verbinden und von den benachbarten 3 Kantensteinen in Position gehalten werden.
Einige Modelle, vor allem im Speedcube-Bereich, haben zudem noch Magnete in den Ecken und Kanten verbaut, um ihre Stabilität und das Handling zu verbessern. Zur Zeit seiner Erfindung war der Zauberwürfel allerdings noch weit von solchen Ideen entfernt. In einem Interview erklärte Ernő Rubik später, dass er mit der Konstruktion ursprünglich seinen Studenten hatte helfen wollen, ihr räumliches Denkvermögen zu verbessern – dann hat sich die Idee allerdings verselbstständigt.

Erfinder wurde in den Sog seiner eigenen Idee hineingezogen
In der ursprünglichen Idee handelte es sich bei dem Zauberwürfel nämlich gar nicht um ein farbiges Puzzle. Beim Herumspielen mit seinem Modell sei aber der Punkt gekommen, den viele Spielerinnen und Spieler kennen dürften: Rubik konnte den „Weg zurück“ nicht mehr finden. Er hatte so oft an den Seiten herumgedreht, dass er die Ausgangsposition nicht mehr herstellen konnte.
In den folgenden Wochen beschäftigte sich der Architekt intensiv mit seiner eigenen Erfindung. In seinem Buch schreibt er dazu: „Und dann, in einem wunderbaren und denkwürdigen Moment, fügte sich alles. Am Ende hatte ich einen ganzen Monat gebraucht, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzugelangen.“
Dadurch erkannte Rubik das Potenzial seines Würfels. 1975 reichte er daraufhin ein Patent für seine Erfindung ein, das ihm am 28. Oktober 1976 auch erteilt wurde. 1977 erschien dann der erste seriengefertigte Zauberwürfel auf dem Markt, der ab 1980 zunehmend auch in anderen Ländern verkauft wurde, darunter auch Deutschland.
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Spielzeug war eine Zeit lang omnipräsent
Damit begann der Siegeszug des Zauberwürfels, der nach seinem Erfinder benannt und als „Rubik's Cube“ verkauft wurde. Inzwischen wird das Objekt teilweise auch als „Rubix“ bezeichnet. In jedem Fall erfreute sich der Würfel dann vor allem in den 80er-Jahren großer Beliebtheit. Entsprechend ist es kein Zufall, dass ein Zauberwürfel in Filmen wie „Das Streben nach Glück“ mit Will Smith auftaucht, der in den 80ern spielt, da das Spielzeug mitunter omnipräsent war.
Die hohe Nachfrage führte allerdings auch zum Niedergang. Denn im Laufe des Jahres 1981 konnte die enorme Nachfrage nicht mehr bedient werden, woraufhin Billigprodukte den Markt fluteten, bis auch dadurch bedingt die Nachfrage 1982 schlagartig einbrach. Ganz verschwunden ist das Spielzeug allerdings nie.

Zauberwürfel feiert immer wieder kleine Comebacks
So hat sich etwa vor allem ab den 2000er-Jahre eine aktive Speedcubing-Community entwickelt, die neben dem originären Zauberwürfel auch mit weiteren, vergleichbaren Puzzles arbeitet. So gibt es etwa auch den Pyraminx mit Dreiecksformen oder den weitaus komplizierteren Megaminx, ein zwölfseitiger Würfel beziehungsweise ein Dodekaeder aus Fünfecken.
Um beim originalen Rubix zu bleiben: Es gibt theoretisch mehr als 43 Trillionen Möglichkeiten, diesen zu lösen, genau genommen sind es 43.252.003.274.489.856.000. Würde man für jeden dieser Lösungswege einen eigenen Würfel herstellen, könnte man mit diesen Zauberwürfeln die gesamte Erdoberfläche ungefähr 150 Mal abdecken.
Inzwischen weiß man zudem, dass sich mit der richtigen Technik jeder verdrehte Würfel in maximal 20 Zügen lösen lässt, wie im Jahr 2010 eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern um Tomas Rokicki beweisen konnte (Stichwort „God's Number“). Dafür muss man allerdings ein grundlegendes Verständnis für die Funktionsweise entwickeln und am besten viel üben.
Trillionen Lösungsmöglichkeiten für den Zauberwürfel
Zudem gibt es mittlerweile zahlreiche Tutorials im Netz, die verschiedene Lösungswege anbieten. Das erste dieser Art erschien bereits 1981 in Buchform mit dem Titel „You Can Do the Cube“. Der Autor war der zum damaligen Zeitpunkt erst 13-jährige Patrick Bossert, dessen Buch sich mehr als 1,5 Millionen Mal verkaufte.
Viele Quellen empfehlen bei der Lösung eines Zauberwürfels, erst einmal die weiße Seite zu lösen, bevor man sich durch die einzelnen Ebenen weiter vorarbeitet. Eine komplett weiße Seite bekommt man am ehesten, indem man sich zunächst ein Gänseblümchen baut (gelbe Mitte und die vier direkt angrenzenden Felder weiß), sich dann auf ein weißes Kreuz konzentriert und sich anschließend zu den Ecksteinen vorarbeitet.
Anschließend verfährt man mit Gelb, was Weiß grundsätzlich gegenüberliegt, genauso. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, dass man bereits erzielte Ergebnisse teilweise wieder zerstört, bis am Ende alles zusammenkommt. Der Weltrekord beim Lösen des Rubik's Cube liegt übrigens bei 2,74 Sekunden. Aufgestellt wurde er von dem erst 9-jährigen Polen Teoder Zajder im Februar 2026.

