Von Hannover in die Welt: Die verrückte Geschichte der CD und warum sie ein Comeback feiert

Sie hat die Musikindustrie nachhaltig verändert und war das unverzichtbare Medium der 90er-Jahre. Nun erlebt die CD ein überraschendes Comeback, das vor allem zwei wesentlichen Punkten zu verdanken ist.
Von Hannover in die Welt: Die verrückte Geschichte der CD und warum sie ein Comeback feiert
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Schallplatten, Kassetten und CDs haben – abgesehen davon, dass es sich bei allen um Tonträger handelt – eine Gemeinsamkeit: Ihre Geschichte wurde maßgeblich von Deutschland geprägt. Im Falle der CD war das in den 80er-Jahren. Am 17. August 1982 startete nahe der niedersächsischen Stadt Hannover die Serienproduktion. Dabei stehen die beiden Buchstaben für Compact Disc.

Die Geschichte der CD beginnt aber natürlich schon früher. In den 1970er-Jahren kam es zu einer Kooperation zwischen den beiden Branchengiganten Philips und Sony. Dabei waren die beiden ursprünglich Konkurrenten, bis sie 1979 beschlossen, ihre Ressourcen zu bündeln. Philips brachte damals das Know-how für das physische Design und den Laser mit, Sony kümmerte sich wiederum um die Analog-Digital-Wandlung und die Fehlerkorrektur.

Das Ergebnis war eine bahnbrechende Technik zur optischen Datenspeicherung, die zudem deutlich bessere Klangqualität bot. Dazu kamen weitere Vorteile wie mehr Speicherplatz. Diese Innovation hat die Branche nachhaltig geprägt; die Auswirkungen spürt man bis heute.

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Ein Knopfdruck in Deutschland als Startschuss

Damals, im August 1982, war es im Übrigen der bekannte Pianist Claudio Arrau, der in Hannover-Langenhagen mit einem symbolischen ersten Knopfdruck seine Einspielung der Chopin-Walzer auf die silberne Scheibe brachte. Das und das ABBA-Album „The Visitors“ waren die ersten Veröffentlichungen auf der CD. Als erstes offizielles Album im Handel gilt dann jedoch „52nd Street“ von Billy Joel.

Optisch machten und machen die glänzenden Compact Discs einiges her. Mit ihrem Durchmesser von exakt 120 Millimetern und einer Dicke von 1,2 Millimetern kommen die Scheiben in der Regel auf ein Gewicht von rund 14 Gramm. Die Größe des Innenlochs ist dabei tatsächlich dem Zufall geschuldet. Sie entspricht dem damals kleinsten Geldstück, der niederländischen 10-Cent-Münze, Dubbeltje genannt. Einer der zuständigen Entwickler soll ein solches Geldstück zufällig in der Tasche gehabt und es als Maßstab genommen haben.

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Regal voller CDs
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So funktioniert die Technik hinter CDs

Technisch steht hinter der Compact Disc ein Lasersystem, das die Daten der CDs ausliest, die in Form von mikroskopisch kleinen Vertiefungen, sogenannten Pits, und flachen Stellen, die Lands genannt werden, gespeichert sind.

Die Laser der Abspielgeräte tasten diese mit dem Auge nicht sichtbare Spur auf der Disc spiralförmig ab. Die daraus entstehende Lichtreflexionen werden in elektrische Signale umgewandelt, die wiederum zu Ton beziehungsweise zu Daten werden. Dabei kommt ein optischer Sensor zum Einsatz, der den Wechsel zwischen reflektiertem (durch die Lands) und gebrochenem Licht (durch die Pits) wie einen binären Code versteht, den es zu übersetzen gilt.

Dafür besteht eine CD aus einer durchsichtigen Kunststoff-Trägerschicht, einer extrem dünnen, reflektierenden Aluminiumschicht und einer Schutzschicht. Der Laser sorgt dafür, dass der „Code“ auf der Scheibe nicht beschädigt wird. Denn wer noch mit CDs aufgewachsen ist, kennt das Problem: Kommen Kratzer auf die Unterseite, führt das bei der Wiedergabe zu unangenehmen Rucklern und Aussetzern.

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Besserer Ton und mehr Flexibilität

Die Innovation von Philips und Sony läutete in jedem Fall eine völlig neue Ära für die Musikindustrie ein. Zahlreiche Alben und einzelne Titel, die vorher Mangelware waren, standen plötzlich einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Zwar war die Compact Disc zum Start noch deutlich teurer als Vinyl oder eine Kassette und auch die Wiedergabegeräte stiegen teuer ein.

Das änderte sich jedoch innerhalb weniger Jahre. Dabei spielte eine entscheidende Rolle, dass Nutzerinnen und Nutzer deutlich einfacher selbst CDs bespielen und brennen konnten, als das etwa bei Kassetten der Fall war. Wer über einen entsprechenden Computer und einige Rohlinge, die 1992 auf den Markt kamen, verfügte, konnte innerhalb kürzester Zeit Kopien herstellen. Dazu kam, dass sich auf CDs auch andere Daten speichern ließen wie etwa Bilder.

Mehrere CDs in Hüllen auf einem Stapel
Shutterstock / g.ozenne

Die Musikbranche wäre ohne Compact Discs heute eine andere

Dabei gab es gerade im Musikbusiness durchaus auch Kritikerinnen und Kritiker. Einigen war der verbesserte Klang vor allem im Vergleich zur Schallplatte zu steril. Am Ende überwogen aber die Vorteile. So mussten CDs nicht gewendet werden, man konnte einzelne Songs oder Kapitel digital per Knopfdruck ansteuern. Spätestens ab den 90er-Jahren wurden in „Schallplattenläden“ dann eigentlich nur noch die silbernen Discs verkauft.

Die Technologie bescherte der gesamten Musikindustrie nach Jahren der Rezession Rekordumsätze. Dass die 80er- und 90er-Jahre für so viele Hits bekannt sind, hängt entsprechend auch mit der CD zusammen. Am Ende wurde die ehemals neue Technologie dann allerdings von einer neueren abgelöst: MP3 und schließlich von Musik-Streaming-Diensten.

Rückgang wegen MP3-Geräten und Musik-Streaming

Der Wandel fand ungefähr zur Jahrtausendwende statt. War 2002 noch ein Rekordjahr, war ab dann ein schleichender Niedergang zu beobachten. Viele machen diese vor allem an einem Datum fest: dem 23. Oktober 2001. An diesem Tag stellte nämlich Apple-Gründer Steve Jobs den allerersten iPod vor.

Dank MP3 – im Übrigen ebenfalls eine deutsche Erfindung – passten hunderte Songs auf das kleine Gerät, das man jederzeit bei sich tragen konnte. Damit konnte die Compact Disc nicht mithalten. Die im Folgenden zahlreich vertretenen illegalen Musiktauschbörsen stellten die Branche vor große Herausforderungen. Ab 2008 veränderte sich der Markt mit der Einführung von Streaming-Diensten erneut enorm.

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CDs feiern aktuell ein kleines Comeback

Doch ähnlich wie bei Schallplatten gab es stets Liebhaberinnen und Liebhaber, die Wert auf physische Medien setzten. Und nachdem sich zuletzt auch die Schallplattenproduktion zurückmeldete, ist das auch bei Compact Discs der Fall. So zeigen aktuelle Zahlen, dass allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 etwa 16,3 Millionen CDs verkauft wurden; das ist ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der wichtigste Treiber für dieses Wachstum kommt offenbar aus Fernost. Dort veröffentlichen nämlich nach wie vor zahlreiche K-Pop-Gruppen ihre Alben auch auf den silbernen Scheiben. Mit der zunehmenden Beliebtheit dieser Gruppen überall auf der Welt gewinnt auch die CD wieder an Beliebtheit. Dazu kommt, dass die Alben teilweise in mehreren Versionen veröffentlicht werden, weshalb Fans oftmals direkt mehrere Ausgaben kaufen.

Darüber hinaus ist in jüngerer Vergangenheit auch in anderen Bereichen eine Rückkehr zu nostalgischen Trends zu beobachten. So feiert aktuell beispielsweise Diddl sein Comeback, Retro-Gaming ist so beliebt wie selten, Kabelkopfhörer liegen wieder im Trend und Nutzerinnen und Nutzer greifen mit Vorliebe wieder ab und zu zu physischen Medien.