Wie das SNES die Gaming-Welt prägte – und dabei versehentlich die PlayStation schuf

Das Super Nintendo Entertainment System löste in den 90er-Jahren einen regelrechten Ausnahmezustand aus. Das größte Vermächtnis der Konsole ist aber ironischerweise ausgerechnet die PlayStation.
Wie das SNES die Gaming-Welt prägte – und dabei versehentlich die PlayStation schuf
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Das Super Nintendo Entertainment System – kurz SNES – ist für viele nicht einfach nur ein technisches Gerät, sondern mit einer Menge nostalgischer Gefühle verbunden, die direkt in die 90er-Jahre zurückversetzen. In diesem Jahrzehnt war die Konsole nämlich ein bestimmendes Element des Gaming-Marktes und maßgeblich am Erfolg des japanischen Nintendo-Konzerns beteiligt.

Dieser war damals bereits ein Branchenriese, der unter anderem mit dem Game Boy große Erfolge feiern konnte. Entsprechend kam der Ansturm auf das am 21. November 1990 (einem Mittwoch) erschienene SNES nicht gänzlich überraschend. Der Andrang war damals so groß, dass Nintendo aus Sorge vor Verkehrschaos und Schuleschwänzen künftige Hardware- und große Spiele-Releases in Japan auf Wochenenden verlegte.

In Japan hieß das Gerät im Übrigen auch gar nicht Super Nintendo Entertainment System. Stattdessen wurde die Konsole auf dem heimischen Markt als Super Famicom und der Abkürzung SFC vermarktet. Das war schon beim Vorgänger, dem Nintendo Entertainment System (NES), so, das in Japan nur Famicom genannt wurde, was eine Abkürzung für Family Computer ist.

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Das SNES gegen den Sega Mega Drive

Es dauerte dann noch mehr als ein Jahr, bis das SNES im April 1992 auch in Europa auf den Markt kam. In Deutschland war es sogar erst im August 1992 so weit. Das Gerät kostete damals im Bundle mit „Super Mario World“ 329 DM und war mit Blick auf den Konsolenmarkt zu dieser Zeit eine direkte Reaktion auf den Sega Mega Drive. Nachdem sich das NES bereits gut gegen die Konkurrenzprodukte behaupten konnte, war es den dann kommenden Produkten technisch deutlich unterlegen.

Dennoch ist der „Kampf“ zwischen Sega und Nintendo heute nahezu legendär. Sega setzte in seiner Vermarktung nämlich bewusst einen gegensätzlichen Akzent und prägte Werbeslogans wie „Sega does what Nintendon't“. Die Sega-Konsole sollte bewusst eine ältere Zielgruppe ansprechen. Das sieht man auch an Details wie dem Blut-Code in „Mortal Kombat“. Bei Nintendo wurde das Blut komplett durch Schweiß ersetzt, während man beim Sega Mega Drive mit einem Code die Blut-Optik wieder einschalten konnte.

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Der noch wichtigere Konkurrenzname im Zusammenhang mit dem SNES ist allerdings Sony. Das Nintendo-Produkt war nämlich ein maßgeblicher Grund, warum Sony die allererste PlayStation herausbrachte. Nintendo und Sony wollten nämlich ursprünglich gemeinsam an dem Super Nintendo Entertainment System arbeiten. Dann kam es allerdings zum Vertrauensbruch zwischen den beiden Unternehmen.

Controller des SNES im Vordergrund, dahinter die Konsole
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Wie Nintendo versehentlich die Sony PlayStation erschuf

Nintendo entschied sich recht überraschend, für sein neues Produkt mit Philips zusammenzuarbeiten. Rein rechtlich stellte das zwar keinen Vertragsbruch dar. Allerdings wurde die Entscheidung aus Sicht der Geschäftsethik schon damals kritisch gesehen. Am Ende hat sich Nintendo damit vor allem selbst geschadet.

Denn Sony, das ursprünglich keine eigene Konsole geplant hatte, entschied sich nach der Maßnahme, ein eigenes Produkt auf den Markt zu bringen: die PlayStation. Diese kam dann vor allem mit einer großen Errungenschaft, nämlich mit einem integrierten CD-Laufwerk. Das war auch das Feature, für das Nintendo und Sony ursprünglich zusammengearbeitet hatten.

Das SNES kam allerdings ohne integriertes Laufwerk. Stattdessen konnte man später lediglich sogenannte Kopierstationen von Drittanbietern anschließen. Von Nintendo selbst gab es jedoch nie entsprechendes Zubehör. Dafür hatte die Nintendo-Konsole einige andere Dinge zu bieten. Zu den größten Pluspunkten zählten damals unter anderem der Sound des Geräts und eine große Spieleauswahl. Außerdem ermöglichten Zusatzchips in den Modulen auch eine rudimentäre 3D-Nutzung.

Mit dem SNES kamen viele legendäre Nintendo-Spiele

Die 3D-Technologie wurde Ende der 90er-Jahre zunehmend wichtig für die Branche, auch wenn der Einstieg etwas holprig verlief. Auch das SNES galt vor allem im 2D-Bereich als Marktführer, konnte sich aber eben auch in den Anfängen von 3D noch behaupten. Der entscheidende Vorteil war aber die bereits erwähnte Spieleauswahl – ein Punkt, der auch heute noch ein entscheidender Faktor für Nintendo-Konsolen ist.

Denn das Unternehmen stellt seine enorm erfolgreichen eigenen Spiele auch nur auf eigenen Produkten zur Verfügung. Wer also „Pokémon“, „Super Mario“, „Zelda“ und Co. spielen möchte, braucht dafür auch ein Nintendo-Endgerät. Das galt auch damals schon.

Dabei waren Titel wie „The Legend of Zelda: A Link to the Past“ (1992) oder „Super Metroid“ (1994) entscheidend. Aus heutiger Sicht haben diese Spiele ganze Genres geprägt. Und es gab noch ein weiteres wesentliches Element, das viele überzeugen konnte: der Controller.

Alte Spiele für das SNES
Shutterstock / Brais Seara

Steuerung des Super Nintendo Entertainment System setzt neue Maßstäbe

Mit dem SNES kam nämlich auch ein neues Steuerungslayout. Links ein Steuerkreuz, rechts vier Aktionstasten als Raute, dazu Schultertasten an der Oberseite – dieses Design hat sich in weiten Teilen bis heute gehalten. Inzwischen basiert eigentlich jedes moderne Gamepad auf diesem Design, das aus der Branche somit kaum noch wegzudenken ist.

Übrigens könnte man sagen, dass auf das Super Nintendo Entertainment System auch die Anfänge der heute so erfolgreichen Nintendo Switch zurückzuführen sind. Diese hat ihren enormen Erfolg nämlich ihrem hybriden Modell zu verdanken; man kann mit ihr sowohl stationär als auch unterwegs spielen. 1994 erschien damals ein spezielles Modul für das SNES namens Super Game Boy.

Mit diesem etwas klobigen Modul konnte man Spiele für den Game Boy auch auf dem SNES spielen. Dabei wurden die eigentlich auf die Optik des Games Boy ausgelegten Farben – es standen nur vier Graustufen zur Verfügung – mit vorgefertigten Farbpaletten eingefärbt. Es gab sogar speziell dafür optimierte Game-Boy-Spiele, die eigene bunte Bildschirmrahmen für den Fernseher hatten.

Kleine Details führten zum Kultstatus

Es gab allerdings nicht nur gegenüber anderen Konsolen eine strikte Spielepolitik. Auch zwischen den SNES-Modellen für die jeweiligen Märkte gab es Unterschiede und somit Sperren. So liefen die japanischen oder europäischen Spiele nicht auf den Konsolen für den US-amerikanischen Markt. Allerdings hatte Nintendo dabei offenbar die Kreativität der Spielerinnen und Spieler unterschätzt.

Die Spielesperre war nämlich überwiegend hardwareseitig gelöst. So gab es im Modulschacht der amerikanischen Modelle zwei kleine Plastikstifte, die es physisch schlicht unmöglich machten, die japanischen Titel einzuführen. Mittels Schraubenziehern und Kneifzangen wurden diese Stifte jedoch vielfach einfach entfernt – ein kleines Detail, das allerdings vor allem in den USA enorm zum Kultstatus der Konsole beigetragen hat.

Nintendo Logo
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Das SNES war eine erstaunlich langlebige Konsole

Obwohl der offizielle Nachfolger in Form des Nintendo 64 bereits 1996 auf den Markt kam, wurde das SNES noch erstaunlich lange produziert und mit Software versorgt. Erst 2003 stellte Nintendo das Produkt offiziell ein.

Heute steht das Super Nintendo Entertainment System auf Platz 16 der meistverkauften Spielekonsolen aller Zeiten und damit auch nur zwei Plätze hinter dem erfolgreichen Vorgänger, dem Nintendo Entertainment System. Insgesamt wurden gut 49 Millionen Einheiten weltweit verkauft – eine beachtliche Summe.

Das wahrscheinlich größte Vermächtnis des SNES ist allerdings in gewisser Hinsicht ironischerweise die PlayStation. Diese verkaufte sich mehr als 100 Millionen Mal und der Nachfolger, die PlayStation 2, ist zumindest noch die erfolgreichste Konsole aller Zeiten. Allerdings ist ihr die Nintendo Switch dicht auf den Fersen.