Teurer Flop oder unterschätztes Meisterwerk? 20 Jahre PlayStation 3

Fast 20 Jahre ist es her, dass Sony die PlayStation 3 veröffentlichte. Die Geschichte der Konsole schwankt zwischen technischen Ambitionen, hohen Preisen und einer ganzen Reihe legendärer Spiele.
Teurer Flop oder unterschätztes Meisterwerk? 20 Jahre PlayStation 3
Shutterstock / pisaphotography

„Wir wollen, dass die Konsumenten denken: ‚Ich werde mehr arbeiten, um mir das leisten zu können.‘“ Dieser Satz stammt nicht etwa aus der aktuellen Politik, sondern wurde bereits im Jahr 2005 gesagt, und zwar vom damaligen CEO von Sony Computer Entertainment, Ken Kutaragi. Konkret ging es dabei um die PlayStation 3, die vor fast genau 20 Jahren das Licht der Welt erblickte, genau genommen am 11. November 2006.

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In Europa erfolgte der Release dann einige Monate später am 23. März 2007. Dabei hatte die Konsole von vornherein kein einfaches Standing. Der Vorgänger, die PlayStation 2, war die alles überstrahlende Hardware, die bis heute immer noch die bestverkaufte Konsole aller Zeiten ist – auch wenn die Nintendo Switch nicht weit davon entfernt ist und die Zahlen theoretisch noch toppen könnte.

Sony-Konsole startete holprig und vor allem teuer

Entsprechend lag ein hoher Erwartungsdruck auf der PlayStation 3, die technisch auch einiges zu bieten hatte, dafür aber zu einem Preis kam, der es in sich hatte. Zum Start kostete die Konsole stolze 60.000 Yen beziehungsweise 599 Dollar (für die größere 60-GB-Version, die Variante mit 40 GB lag bei 499 Dollar).

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In Europa lag der Preis dann ebenfalls bei 599 Euro (dort stand ausschließlich das 60-GB-Modell zur Verfügung), in Irland steuerbedingt sogar 629 Euro. In diesem Kontext ist auch das eingangs genannte Zitat Kutaragis zu sehen, das einem Gespräch mit der Wirtschaftswebsite Toyo Keizai entstammt und für einige Schlagzeilen sorgte.

Auch wenn Besitzerinnen und Besitzer einer PS5 Pro über solche Preise nur müde lächeln können, waren diese 600 Euro damals ein enormer preislicher Sprung. Inflationsbereinigt entspräche das heute ungefähr 900 Euro. Es war von einem regelrechten Preis-Schock die Rede und vielen Fans war die Konsole schlicht zu teuer. Sony gelang es aber in der Folge, das Ruder noch herumzureißen – zumindest teilweise.

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Technische Spezifikationen der PlayStation 3

Auch technisch hatte die PS3 einen schweren Start. Man könnte sagen, dass Sony eigentlich noch gar nicht bereit für eine neue Konsole war. Aufgrund des Konkurrenzdrucks – namentlich vor allem durch die Xbox 360 von Microsoft und die Nintendo Wii – sah sich Sony allerdings gezwungen, neue Hardware anzukündigen.

Das geschah dann auf der E3 im Jahr 2005 und die Pläne des japanischen Konzerns klangen sehr ambitioniert. So war unter anderem von ultra-leistungsfähigen Cell-Chips die Rede. Dazu wurde ein bumerangähnliches Controller-Design gezeigt und überhaupt sollte die ganze Konsole ursprünglich in silberner Farbe kommen. Bekommen haben Nutzerinnen und Nutzer am Ende ein Gerät mit diesen Spezifikationen:

  • Prozessor: Cell Broadband Engine (3,2 GHz, entwickelt von Sony, Toshiba & IBM)
  • Grafikchip: NVIDIA RSX „Reality Synthesizer“ (550 MHz)
  • Arbeitsspeicher: 256 MB XDR Main RAM + 256 MB GDDR3 VRAM
  • Laufwerk: Blu-ray Disc (BD-ROM, liest auch DVDs und CDs)
  • Anschlüsse: HDMI (1.3a), Gigabit-Ethernet, 4x USB 2.0 (spätere Fat-Modelle nur 2x), optischer Audioausgang
  • Konnektivität: Wi-Fi (802.11 b/g), Bluetooth 2.0
  • Auflösung: bis zu 1080p (Full HD)
Kazou Hirari, Präsident von Sony Computer Entertainment, hält am Dienstag (19.08.2009) während einer Pressekonferenz in Köln eine Playstation 3 in der Hand.
picture alliance

PS3 bot ein starkes Gesamtpaket mit einigen Abstrichen

Beim Controller blieb übrigens (zumindest optisch) alles beim Alten, dafür wurde aus dem für den Erfolg der PlayStation 2 so wichtigen DVD-Player ein Blu-ray-Player. Damit war die PS3 von vornherein mehr als „nur“ eine Konsole. Neben der Wiedergabe von Audio-CDs, DVDs und Blu-ray Discs konnten mit technischen Hilfsmitteln Musik-, Bild- und Videodateien sowohl wiedergegeben als auch kopiert werden.

Das machte die PlayStation 3 zu einem starken Gesamtpaket, auch wenn man ganz ehrlich sagen muss, dass das Gerät als reine Spielekonsole von der Xbox 360 abgehängt wurde. Später kamen noch weitere Entwicklungen dazu, die die Hardware attraktiv machten und mit denen die PS3 auch intern für Sony wichtige Neuerungen einführte.

So kam als Äquivalent zu Microsofts Xbox Live direkt zum Start das PlayStation Network, um Spielerinnen und Spieler zu vernetzen, Errungenschaften anzubieten und noch einiges mehr. 2010 folgte in diesem Kontext auch noch das Abomodell PlayStation Plus.

YLoD und Controller-Pannen prägten das Bild der Konsole

Und es gab noch mehr (ungewollte) Gemeinsamkeiten zwischen der Xbox 360 und der PlayStation 3.Eine zwar unrühmliche, aber legendäre Eigenschaft der Microsoft-Konsole war der sogenannte „Red Ring of Death“, kurz RRoD. Dabei handelte es sich um einen schwerwiegenden Hardwarefehler der Konsole, der durch drei blinkende rote LEDs am Ein- und Ausschalter der Konsole angezeigt wurde.

Die PS3 hatte dann das YLoD, das „Yellow Light of Death“. Dabei leuchteten die Power-LEDs nach dem Einschalten erst grün, dann längere Zeit gelb und schließlich rot. Die Ursache dafür war meist Überhitzung des Geräts oder defekte Kondensatoren. Und es gibt noch einen witzigen, eher unrühmlichen Fakt über die Sony-Konsole.

Als diese 2006 auf den Markt kam, fehlte dem beiliegenden „Sixaxis“-Controller die beliebte Vibrationsfunktion – angeblich weil das Feature zu veraltet und schlicht „Last Gen“ sei. Dahinter steckte jedoch eigentlich ein Patentstreit mit Immersion Corporation. Nachdem dieser beigelegt wurde, kam der DualShock 3 auf den Markt, selbstverständlich mit Vibration.

Die Spiele waren das Herzstück der PlayStation 3

Auf der Haben-Seite standen allerdings einige außergewöhnliche Exklusivtitel für die Sony-Konsole, vor allem in der zweiten Hälfte ihres Lebenszyklus.

  • Uncharted 1–3 (2007, 2009 & 2011)
  • Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots (2008)
  • Valkyria Chronicles (2008)
  • Journey und Flower (2009)
  • Killzone 2 und 3 (2009 & 2011)
  • God of War III (2010)
  • Gran Turismo 5 (2010)
  • Heavy Rain (2010)
  • Ni No Kuni (2011)
  • LittleBigPlanet 2 (2011)
  • The Last of Us (2013)

Viele dieser Titel gelten heute als echte Klassiker und beispielsweise „The Last of Us“ von Naughty Dog gilt heute als Meilenstein des Storytellings in Videospielen.

Ein Stapel Spiele für die PlayStation 3
Shutterstock / Eudaimonic Traveler

Das Ende einer oft vergessenen Konsole

Insgesamt umfasste der Lebenszyklus der PlayStation 3 knapp elf Jahre. Nach der ersten Phase der Markteinführung und Etablierung folgte 2009 noch eine Slim-Version, die einen deutlichen Aufschwung für die Konsole erreichen konnte. Die Variante war etwas schlanker und vor allem stromsparender als das originale, teilweise als „Fat PS3“ bezeichnete Modell. Schaut man sich rückblickend die Verkaufszahlen an, dann hat die Slim der ganzen Konsolen-Generation bei Sony noch einmal neues Leben eingehaucht und war ein maßgeblicher Faktor dafür, dass das anfangs eher schwach gestartete Gerät am Ende laut Zahlen des Unternehmens doch noch auf 87 Millionen verkaufte Einheiten kam.

Damit steht die PS3 heute auf Platz 9 der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten, landet allerdings hinter den anderen PlayStation-Generationen und auch hinter der direkten Konkurrenz, der Nintendo Wii (Platz 7). Allerdings konnte sie die Xbox 360 noch hinter sich lassen – immerhin die erfolgreichste Microsoft-Konsole überhaupt.

2012 kam noch eine Super-Slim-Variante mit Toploading-Laufwerk, bevor die Konsole dann im Jahr 2017 endgültig eingestellt wurde. Das Vermächtnis der Konsole besteht vor allem in dem großen Einfluss, den die Exklusivtitel auf die Branche genommen haben. Aber auch der PlayStation Store konnte sich dank der PS3 etablieren und damit auch der digitale Spielekauf.