Google ist vor allem für seine Suchmaschine bekannt; etwas „googlen“ ist inzwischen komplett in den selbstverständlichen Sprachgebrauch integriert. Jetzt sorgt das US-amerikanische Unternehmen allerdings mit etwas ganz anderem für Schlagzeilen: Mücken. Der Tech-Konzern schlägt nämlich vor, 32 Millionen der unbeliebten kleinen Blutsauger gezielt freizulassen.
Die Gründe dafür sind medizinischer Natur. Denn in vielen Teilen der Welt sind Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden, ein großes Problem. Dazu gehört etwa das Dengue-Fieber, aber auch Malaria, das West-Nil-, das Chikungunya- und auch Gelbfieber sowie das Zika-Virus. Doch wie können noch mehr Mücken dagegen helfen?
Sterile Mücken sollen Population eindämmen
Was viele nicht wissen: Auch bei Mücken gibt es Geschlechter. Und während die männlichen Mücken nicht einmal über die entsprechenden Beißwerkzeuge verfügen, um den Menschen zu „stechen“, sieht das bei den weiblichen Vertreterinnen der Art ganz anders aus. Entsprechend sind weibliche Mücken auch der Grund für die Übertragung der genannten Krankheiten.
Google hat nun vorgeschlagen, genau an diesem Punkt anzusetzen. Denn die 32 Millionen Mücken, von denen die Rede ist, sollen ausschließlich männliche Mücken sein. Die speziell gezüchteten männlichen Mücken sollen zudem ein Bakterium in sich tragen, das sie sterilisiert – sie können sich nicht mehr mit nicht-infizierten Weibchen paaren – und somit die Fortpflanzung verhindert. Das soll die generelle Mückenpopulation an einigen Orten gezielt reduzieren und so auch die Verbreitung von Krankheiten verhindern.

Googles Idee ist nicht ganz neu
In den sozialen Medien ist entsprechend teilweise bereits scherzhaft von „Verhütung für Mücken“ die Rede. Die Methode wurde aber beispielsweise in Singapur bereits erfolgreich angewendet. Medien berichten in diesem Zusammenhang von einer um etwa 70 Prozent geschrumpften Mückenpopulation. Auch die Zahl der registrierten Fälle von Dengue-Fieber ist deutlich gesunken.
Und auch Google selbst – beziehungsweise die Alphabet-Tochter Verily Life Sciences – hat im Jahr 2017 bereits einen erfolgreichen Feldversuch in Fresno (Kalifornien) durchgeführt, der ähnliche Ergebnisse zeigte. Die Methode gilt sogar als umweltschonend, da keine Pestizide eingesetzt werden müssen. Mücken sind allerdings nicht nur nervige Blutsauger, sondern ein wichtiger Baustein im Ökosystem.
So dienen sie als Nahrungsquelle, fungieren teilweise auch als Pflanzenbestäuber und ihre Larven reinigen Gewässer und Böden, indem sie sich unter anderem von abgestorbenen Pflanzenresten ernähren.Expertinnen und Experten zufolge besteht bei maßvollem Einsatz der von Google vorgeschlagenen Methode aber noch keine Gefahr, dass das Ökosystem empfindlich gestört wird.
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Warum der Vorschlag ausgerechnet von Google kommt
Im Antrag von Google geht es zunächst um einen Test in einem Zeitraum von zwei Jahren, der auf Florida und Kalifornien beschränkt sein soll. Beide US-Bundesstaaten haben mit den Insekten zu kämpfen, wobei diese in Kalifornien vor allem saisonal ein Problem sind, während sie in Florida aufgrund des Klimas und der Vegetation ganzjährig auftreten können.
Das Projekt läuft unter dem Namen Debug und ist Teil einer größeren Strategie von Google, sich auch in anderen Bereichen breiter aufzustellen. In der Gesundheitstechnologie hat sich der Konzern bereits positioniert; Gleiches gilt für einige verwandte Bereiche. In diesem Zusammenhang ist auch das Programm „Google Moonshot“ zu erwähnen.
Dabei handelt es sich um die Innovationsschmiede des Unternehmens, in der technologische Lösungen für große gesellschaftliche Probleme weltweit gesucht werden. Das Mückenprojekt ist Teil dieser „Moonshot Factory“.

