Der KI-Wettlauf hat sich vor allem zu einem Wettbauen von leistungsfähigen Chips und Rechenzentren entwickelt. Denn die Technologie ist enorm rechen- und energiehungrig. Expertinnen und Experten warnen längst vor diesem Aspekt des Booms von Künstlicher Intelligenz. Dabei geht es sowohl um die Konsequenzen, wenn man auf der Strecke bleibt, als auch um den katastrophalen ökologischen Fußabdruck. Die Technologie verschlingt nämlich enorme Ressourcen.
Überall auf der Welt werden deshalb aktuell Rechenzentren gebaut, die die Rechenleistung von KI bedienen sollen. Wie jetzt bekannt wurde, plante die ChatGPT-Firma OpenAI von Sam Altman ein solches Rechenzentrum in Deutschland. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, soll es diesbezüglich bereits zu Treffen mit der deutschen Politikspitze, sogar mit Friedrich Merz, gekommen sein. Das Potenzial eines solchen Projekts wäre groß – die Risiken aber auch.
OpenAI hatte Pläne für ein riesiges Rechenzentrum in Deutschland
Laut „Handelsblatt“-Informationen liegen die Pläne zwar aktuell auf Eis. Geplant war allerdings ein Rechenzentrum mit einer Kapazität von bis zu einem Gigawatt. Das wäre mehr, als alle bisher bestehenden KI-Zentren hierzulande zusammen leisten könnten. Allerdings sollte der Standort nahe der französischen Grenze liegen, um die Einrichtung mit günstigem französischen Atomstrom betreiben zu können. Das deutsche Netz beziehungsweise der Strom hierzulande ist im Vergleich mitunter deutlich teurer.
Wie ernsthaft die Pläne von OpenAI zu bewerten sind, ist unklar. Dem Bericht zufolge wird in Regierungskreisen teilweise vermutet, dass das Unternehmen lediglich die grundsätzliche Bereitschaft testen wollte. Das Ganze hat allerdings eine erneute Debatte um Rechenzentren angestoßen.
Denn eines ist klar: Künstliche Intelligenz und die dafür nötigen Rechenzentren sind bereits jetzt zentrale wirtschaftliche Komponenten. Sie benötigen allerdings auch enorm viel Strom, produzieren viel Abwärme und belasten ohne die richtigen Konzepte die Regionen um ihren Standort herum langfristig massiv. Deshalb gibt es steigende Anforderungen an den Bau, was wiederum die Befürchtungen nährt, dass Europa in Sachen Rechenzentren weiter abgehängt werden könnte.

Die Frage des Ressourcenverbrauchs
Schon jetzt sind vor allem China und die USA weit enteilt, wenn es um den Bau von Rechenzentren geht, die nicht nur für KI, sondern auch für viele andere digitale Anwendungen wie Gaming oder Streaming nötig sind. Ein Blick auf die weltweiten Investitionen der vergangenen Jahre zeigt, welche Summen in die nötige Infrastruktur fließen. 2024 betrug die Summe rund eine halbe Billion US-Dollar.
Diesem Wachstumsmarkt stehen allerdings die Stromkosten gegenüber. Zum jetzigen Zeitpunkt machen Rechenzentren bereits 1,5 Prozent des weltweiten Energiebedarfs aus, Tendenz steigend. So ist seit 2017 der Stromverbrauch in diesem Bereich jährlich um etwa 12 Prozent angestiegen, was in etwa viermal so schnell ist wie der generelle weltweite Verbrauch.
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Folgen des Rechenzentren-Baubooms in den USA
Die Folgen sieht man unter anderem in den USA. Nicht nur, dass dort wieder vermehrt auf günstigen Atomstrom gesetzt wird. Es wird auch heftig über den Rechenzentrumsbau gestritten, der oft vorangetrieben wird, ohne auf die jeweiligen Regionen zugeschnittene Konzepte zu berücksichtigen. Für die unmittelbare Umgebung der Zentren hat das Auswirkungen wie etwa steigende Strompreise.
Das führt dazu, dass auf der einen Seite vor allem die US-amerikanische Regierung und die großen Tech-Firmen den Bau vorantreiben, während der Widerstand in der Bevölkerung immer weiter wächst. Das führt zunehmend zu Protesten und jüngst sogar zum Baustopp eines Rechenzentrums im Bundesstaat New York.
Neben dem Energiehunger der Zentren gibt es noch ein weiteres Problem: der Wasserverbrauch durch die nötige Kühlung. Nun sind aber Strom und Wasser zwei wesentliche Ressourcen, auf die Menschen überall auf der Welt angewiesen sind. Die Sorge in den betroffenen Regionen ist groß, dass im Fall einer unzureichenden Versorgung nicht private Haushalte, sondern ein Rechenzentrum priorisiert wird.

Ein Rechenzentrum bringt auch maßgebliche Vorteile
Bei all diesen Risiken, die eine umfangreiche Planung und Konzepte zur Kühlung – oder auch etwa zur Nutzung der entstehenden Wärme zum Heizen umliegender Gebäude – erfordern, gibt es neben den rein wirtschaftlichen Aspekten aber auch noch andere Gründe, die für den Bau von Rechenzentren sprechen. Nicht nur, dass eine entsprechende digitale Infrastruktur wichtig für Deutschland und Europa wäre, um nicht noch weiter von den USA und China abgehängt und so auch abhängig zu werden.
Eigene KI- und entsprechende Rechenstrukturen können nämlich auch bei der Energieeffizienz helfen, indem etwa Stromnetze intelligenter genutzt und Verschwendung vermieden wird. Das ist gerade bei erneuerbaren Energien das enorm wichtig. Darüber hinaus kann KI in vielen Bereichen durch Optimierung den Klimaschutz vorantreiben, wenn sie entsprechend eingesetzt wird.
Dass es – auch in Deutschland – mehr Rechenzentren braucht, bestreitet grundsätzlich niemand, genauso wenig wie die Tatsache, dass man mit dem Bau besser schon gestern angefangen hätte. Allerdings mahnen Expertinnen und Experten zum richtigen Maß sowie zu Effizienz und einem ressourcenschonenden Umgang. Dabei geht es vor allem um den richtigen Standort, gezielten Netzausbau und effektive Konzepte für den Energie- und Wasserverbrauch sowie produktiv genutzte Abwärme.

