Für 324.000 Euro: Deutsche Stadt kauft falsche Microsoft-Lizenzen

324.000 Euro für Nichts? Um die eigenen Schulen zu digitalisieren, hat Hannover tief in die Tasche gegriffen, dabei aber einen massiven Fehler begangen.
Für 324.000 Euro: Deutsche Stadt kauft falsche Microsoft-Lizenzen
Shutterstock / Frame Stock Footage

Das deutsche Schulsystem soll moderner und digitaler werden. Dafür wurde etwa der Digitalpakt 2.0 auf den Weg gebracht, aber teilweise ergreifen auch die Länder und Kommunen selbst Maßnahmen. Eine davon ist allerdings gründlich schiefgegangen, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (Artikel hinter Bezahlschranke) berichtet.

Teurer Fehler: Datenschutz bei Schul-Software ignoriert

Offenbar wollte Hannover (Niedersachsen) im Jahr 2025 für mehr als 300.000 Euro Microsoft-365-Education-Lizenzen kaufen. Das Programm enthält allerdings mehrere sogenannte Education-Pläne, die auf verschiedene Bereiche ausgerichtet sind und auch unterschiedliche Regelungen zur Datenverarbeitung voraussetzen. Und genau das wurde der Stadt Hannover offenbar zum Verhängnis.

Es wurde nämlich versäumt, vor dem Einkauf einen Datenschutzbeauftragten heranzuziehen. Das wäre Medienberichten zufolge eigentlich verpflichtend gewesen. Erst im Nachhinein wurde dann eine Prüfung eingeleitet, wobei festgestellt wurde, dass der abgeschlossene Standardvertrag nicht ausreicht.

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Und dabei wurde festgestellt, dass die rund 60.000 Microsoft-Lizenzen, die die Stadt bereits bezahlt hatte, nicht den Datenschutzrichtlinien entsprechen, die speziell für Kinder und Jugendliche gelten. Die Konsequenz: Die für 324.000 Euro von der Stadtverwaltung Hannover erworbenen Microsoft-Lizenzen können überhaupt nicht zum Einsatz kommen.

Microsoft Education
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Schulen in Hannover müssen weiter auf Microsoft warten

Die Einführung von Microsoft 365 Education an den hannoverschen Schulen wurde entsprechend „vorerst gestoppt“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Die bislang verwendete vertragliche Grundlage für den Einsatz von Microsoft 365 an Schulen reicht nicht aus. Für einen rechtssicheren Betrieb ist neben dem bestehenden sogenannten Data Processing Agreement (DPA) eine ergänzende Vereinbarung erforderlich (...). Eine solche Regelung liegt derzeit nicht vor“, heißt es dort.

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Im Vorfeld gab es Kritik aus der Stadt selbst, die damit entkräftet wurde, dass die Software im späteren Berufsleben der Schülerinnen und Schüler relevant sein werde. Nun muss die Stadt vermutlich doppelt zahlen, um ihr Vorhaben umzusetzen. Eine Aufarbeitung der „Ursachen der fehlerhaften Einschätzung“ wurde angekündigt.