„Unabomber“ auf Netflix: Die wahre Geschichte von Ted Kaczynski

Ein neuer Netflix-Film dreht sich um das Leben von Ted Kaczynski, der unter dem Namen „Unabomber“ weitaus bekannter ist. Viele Details in dem Film stimmen, allerdings ist die Wirklichkeit teilweise sogar noch düsterer.
„Unabomber“ auf Netflix: Die wahre Geschichte von Ted Kaczynski
Netflix

Auf Netflix kann man seit dem 25. September den Film „Unabomber“ sehen, der sofort auf Platz 1 der Charts geschossen ist. Direkt am ersten Tag konnte der Film in 51 Ländern die Spitzenposition erobern, inzwischen sind es sogar 74 Länder (Stand: 29. September 2026). Das enorme Interesse ist wohl zum einen durch den prominenten Cast zu erklären, der von Russell Crowe angeführt wird. Zum anderen liegt der Handlung eine wahre Geschichte über einen Terroristen zugrunde, der zwischen 1978 und 1995 in den USA eine aufsehenerregende Anschlagsserie verübte.

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Darum geht es in dem Netflix-Film „Unabomber“

Netflix hat keine Doku über den bekannten Terroristen gedreht. Stattdessen handelt es sich um einen Spielfilm, der sich an den wahren Begebenheiten orientiert, sich aber auch einige Freiheiten herausnimmt. Die Handlung setzt dabei im Jahr 1958 an. Theodore „Ted“ Kaczynski (Jacob Tremblay) ist damals ein 16-jähriges Mathematik-Genie und nimmt frühzeitig ein Studium an der renommierten Harvard University auf.

Dort nimmt er an Experimenten von Professor Henry Murray (Russell Crowe) und Christiana Morgan (Annabelle Wallis) teil, die bei ihm Spuren hinterlassen. Gleichzeitig macht der Film eine zweite erzählerische Ebene auf, wobei die FBI-Agentin Joanne Miller (Shailene Woodley) in den Fokus rückt. Diese untersucht eine Reihe von Briefbombenanschlägen, hinter denen der ominöse Unabomber steckt.

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Viele Details des Netflix-Films stimmen mit der Realität überein

Netflix hält sich in vielen wesentlichen Eckpfeilern an die wahre Geschichte, betont aber von vornherein, dass es sich um ein Krimidrama handelt, das „von wahren Begebenheiten inspiriert“ ist, was bedeutet, dass diese nicht originalgetreu wiedergegeben werden. Was in jedem Fall stimmt, sind die ungefähren Daten.

Ted Kaczynski wurde am 22. Mai 1942 in Chicago geboren und war zum Zeitpunkt seines Studienbeginns wirklich erst 16 Jahre alt. Er galt tatsächlich als mathematisches Wunderkind und kam in seinem ersten Studienjahr in der Prescott Street 8 unter, einem Haus, das speziell den jüngsten und begabtesten Studienanfängerinnen und -anfängern vorbehalten war.

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Im zweiten Jahr nahm Kaczynski tatsächlich an einem später viel kritisierten Experiment von Henry Murray teil. Dieses sollte untersuchen, wie sich Überzeugungen unter extremem Stress bewähren und gegebenenfalls verändern. Dafür setzte der im Übrigen studierte Biochemiker bewusst auf manipulative Methoden zur Täuschung der teilnehmenden Personen, die er teilweise massivem Stress aussetzte.

Die wahre Geschichte des „Unabombers“

Nach seinem Bachelor-Abschluss in Harvard und einem Master sowie einer Dissertation in Michigan arbeitete Kaczynski schließlich an der University of California, Berkeley. Dabei wurde rückblickend rekonstruiert, wie sich bei dem jungen Mann eine zunehmende Ablehnung gegenüber moderner Technologie und der Industriegesellschaft entwickelte. Im Jahr 1971 kaufte er sich dann eine abgelegene Hütte in Montana, wo er ein einfaches Leben ohne Strom und fließendes Wasser führte – auch das wird im Netflix-Film in vielen Punkten korrekt dargestellt.

Von dort aus verübte Kaczynski ab 1975 mehrere Sabotageakte, ab 1978 kamen dann die Bombenanschläge hinzu. Auf diese Weise tötete der „Unabomber“ drei Menschen und verletzte 23 weitere, teilweise schwer. Seine Opfer wählte er dabei nicht zufällig aus; stattdessen folgte die Wahl einer klaren Ideologie, die sich gegen das „industriell-technologische“ System richtete. Diese drei Menschen kamen dabei ums Leben:

  • Hugh Scrutton: Inhaber eines Computergeschäfts, Anschlag am 11. Dezember 1985 in Kalifornien
  • Thomas J. Mosser: Mitarbeiter der PR-Agentur Burson-Marsteller, Anschlag am 10. Dezember 1994 in New Jersey
  • Gilbert Brent Murray: Präsident der California Forestry Association, Anschlag am 24. April 1995 in Kalifornien

1995 veröffentlichte der inzwischen als Unabomber bekannte Ted Kaczynski ein Manifest in einer großen US-Tageszeitung. Dieses wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Sein Bruder David (gespielt von Matthew Kevin Anderson) und dessen Frau Linda (Tanya van Blokland) erkannten nämlich Parallelen zu Kaczynskis Ideen und seinen Stil anhand früherer Texte und einiger Briefe von ihm. Auch dabei hält sich die Netflix-Verfilmung im Wesentlichen an die Realität.

Welche Details im Film nicht stimmen

Es gibt allerdings einige Details, die in der Verfilmung verändert wurden. Das betrifft beispielsweise den Handlungsstrang zu den Ermittlungen. So ist Shailene Woodleys Figur der FBI-Agentin Joanne Miller frei erfunden, vermutlich um die Ermittlungen zu verdichten. Was ebenfalls geändert wurde, ist der Beitrag von David Kaczynski. Im Film meldet sich dieser vor allem beim FBI, um die Unschuld seines Bruders zu beweisen und auch seine Frau Linda davon zu überzeugen. In der Realität war er jedoch selbst davon überzeugt, dass sein Bruder der Unabomber ist und lieferte einen entscheidenden Hinweis für dessen Verhaftung.

Zudem wurde die Beziehung zwischen Dr. Henry Murray und Ted Kaczynski in der Netflix-Verfilmung zugespitzt. Der Harvard-Psychologe war keine Mentorenfigur für den jungen Studenten, auch wenn dieser belegterweise an dessen Experiment teilgenommen hatte. In diesem Kontext wurde auch das Vorgehen im Rahmen dieses Experiments ein wenig angepasst. So hat Dr. Murray nicht wirklich private Gespräche aufgezeichnet.

Allerdings ließ er sie sehr wohl in Unwissenheit über die wahre Natur des Experiments und die Studierenden wussten auch nicht, dass sie einem geschulten Anwalt gegenübersitzen, der sie absichtlich unter Druck setzen sollte. Nicht ganz stimmt außerdem das Alter von Christiana Morgan. Diese war in Wirklichkeit in etwa 20 Jahre älter.

Vermutlich aus dramaturgischen Gründen rächt sich der Unabomber zudem später an Dr. Murray, indem er ihm ebenfalls falsche Briefe schreibt. Dafür gibt es in der Realität keinerlei Belege oder Hinweise. Auch die Kommunikation mit dem Sender CBS bei der Enttarnung des Unabombers wurde ein wenig angepasst. Es gab aber tatsächlich einen Deal in Bezug auf die Veröffentlichung mit dem FBI.