Teilzeitquote laut neuen Zahlen so hoch wie nie – woran liegt das?

Immer mehr Menschen in Deutschland entscheiden sich für eine Teilzeitstelle. Das IAB liefert nun neue Zahlen, die diesen Trend untermauern. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig und teilweise auch positiv für den Arbeitsmarkt zu werten.
Teilzeitquote laut neuen Zahlen so hoch wie nie – woran liegt das?
IMAGO / Sven Simon

Das zur Bundesagentur für Arbeit gehörende Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat neue Zahlen veröffentlicht. Aus diesen geht hervor, dass die Teilzeitquote in Deutschland einen neuen Höchstwert erreicht hat. So stieg die Zahl derer, die einer entsprechenden Tätigkeit nachgingen, im zweiten Quartal 2026 um 0,5 Prozent. Insgesamt hat die Teilzeitquote erstmals die 40-Prozent-Marke gerissen und liegt nun bei 40,3 Prozent.

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Gleichzeitig sank die Quote der Vollzeitbeschäftigten um 0,9 Prozent. Auch die generelle Anzahl der Erwerbstätigen in Deutschland ging leicht um 0,5 Prozent auf nun knapp 45,7 Millionen Personen zurück. Diese neue Datenlage trifft auf eine ohnehin schon aufgeheizte Debatte.

Deutschlands Teilzeitquote im Vergleich

Wie frühere Datenerhebungen bereits gezeigt haben, arbeiten in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern mehr Personen in Teilzeit. So waren etwa im Jahr 2024 hierzulande 29 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren in Teilzeit beschäftigt. Nur Österreich (31 Prozent) und die Niederlande (43 Prozent) erreichen innerhalb der EU höhere Werte in diesem Bereich.

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Im EU-weiten Schnitt sind es hingegen nur 19 Prozent (Eurostat-Daten für 2024 weichen davon leicht ab und nennen 17,1 Prozent). Das liegt vor allem an Ländern wie beispielsweise Bulgarien (2 Prozent), Polen (6 Prozent) und Griechenland (6 Prozent), die den Schnitt deutlich nach unten ziehen. Die Gründe dafür sind im Detail nicht immer exakt belegbar, dennoch gibt es verschiedene Erklärungsansätze.

Teilzeitarbeit Symbolbild: Businessfrau schaut auf ihre Armbanduhr
iStock / Doucefleur

Warum arbeiten hierzulande nicht mehr Menschen Vollzeit?

In diesem Kontext muss unbedingt noch erwähnt werden, dass die hohen Teilzeitzahlen in der Bundesrepublik dazu führen, dass generell mehr Menschen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Ebenfalls mit Blick auf das Jahr 2024 arbeiteten hierzulande 77 Prozent der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung. Das ist ein Rekord, der auch deutlich über dem EU-Schnitt von 71 Prozent liegt.

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Möglich ist das nur aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Personen nicht Vollzeit arbeiten, dem Arbeitsmarkt aber eben dennoch zur Verfügung stehen. Das zeigt sich vor allem bei Frauen, die immer noch einen größeren Teil unbezahlter Care-Arbeit in den Bereichen Haushalt und Familie übernehmen und deren Erwerbstätigkeitsquote in Deutschland bei 74 Prozent und damit 8 Prozentpunkte über dem durchschnittlichen Wert in der EU liegt.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2024 zeigen, dass es in Deutschland vor allem Frauen sind, die Teilzeit arbeiten. Im Vergleich: Von den erwerbstätigen Frauen arbeiten 49 Prozent in Teilzeit, bei den Männern sind es 12 Prozent. Vor allem bei Müttern zeigt sich das deutlich, wobei festzuhalten ist, dass der Anteil erwerbstätiger Mütter seit 2005 deutlich gestiegen ist – wohl vor allem deshalb, weil immer häufiger eine Teilzeitstelle zum einen möglich, zum anderen aber angesichts steigender Lebenshaltungskosten auch nötig ist.

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Mehr Teilzeitstellen und weniger Vollzeitstellen

Im Rahmen der nun veröffentlichten neuen Zahlen nennt das IAB aber auch noch andere Gründe. So gab es zuletzt einen Beschäftigungszuwachs in Branchen, in denen traditionell überproportional viel in Teilzeit gearbeitet wird, wie beispielsweise im Gesundheits- und Sozialwesen oder auch in der Erziehung. Zudem bauen Unternehmen gerade mit Blick auf die wachsende Quote älterer Angestellter auch gezielt Vollzeitstellen ab; man spricht in diesem Zusammenhang auch von Altersteilzeit, die ab 55 Jahren greift.

Auf der anderen Seite gab es in Branchen, die klassischerweise auf Vollzeitstellen setzen, einen Stellenabbau. Dazu erklärt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen: „Die Krisenbranche Industrie verliert viele Vollzeitstellen, sodass insgesamt dennoch weniger Stunden gearbeitet wurden.“